Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 13.06.2020 in München Lot 120000216

 
120000216
Ernst Ludwig Kirchner
Gleisarbeiter (Straßenarbeiter), Um 1926.
Aquarell auf Papier
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
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Objektbeschreibung
Gleisarbeiter (Straßenarbeiter). Um 1926.
Aquarell auf Papier.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "A Da/Bh 17". Auf chamoisfarbenem Velin. 46,8 x 37,1 cm (18,4 x 14,6 in), blattgroß. [CH].

Die Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Süddeutschland (durch Erbschaft erhalten).

LITERATUR: Uwe Degreif, E. L. Kirchner im Braith-Mali-Museum Biberach - Die Sammlung, Biberach 2004, S. 76 (mit ganzseitiger Farbabb.).

Essay
Man spürt den gleichmäßigen Rhythmus, man hört förmlich das wiederkehrende Geräusch der aufschlagenden Spitzhacken, die den Schotter zwischen den Gleisen und Bahnschwellen bearbeiten und verdichten. Kirchner beobachtet dieses beherrscht wirkende Treiben dreier Gleisarbeiter in blauem Drillich und mit breit gekrempten Hüten, die wie Maschinenmenschen ihrer Arbeit nachgehen, in versetztem Gleichmaß sich aufrichten, die Spitzhacke über den Kopf heben und mit der Kraft ausgestreckter Arme die gleichmäßige Beschleunigung einsetzen lassen, Schritt für Schritt den Fortgang aufnehmen und der streng koordinierten Taktung der Bewegung folgen, wie beim Mähen einer Bergwiese mit der Sense. Für einen strapazierfähigen Zustand der Gleise, die im Davoser Hochplateau hohen Temperaturveränderungen zwischen Sommer und Winter ausgesetzt sind, ist die Verdichtung des Schotterbetts eine wirksame Maßnahme, den wichtigen Schienenverkehr zu gewährleisten.
Auch für Kirchner ist der Fahrplan der Rhätischen Bahn zwischen Landquart und Davos von psychologischem Belang. Während seines ersten Klinikaufenthalts in Davos im Dezember 1916, wo sich Kirchner von den Folgen seiner traumatischen Kriegserlebnisse erholen will, entsteht kurz nach seiner Rückkehr nach Berlin im Januar 1917 das Gemälde "Rhätische Bahn" im quadratischen Format und in ausdrucksstarken Farben. Nach seinem Umzug von Berlin in das Davoser Hochplateau dient die Rhätische Bahn Kirchner dazu, seine neue Heimat bei Bedarf zu verlassen, um Zerstreuung in Chur oder Zürich zu finden, Ausstellungen in Bern oder Basel zu besprechen und etwa am 18. Dezember 1925 die Reise ab Davos-Platz nach langen Jahren nach Deutschland, nach Frankfurt, Chemnitz, Dresden, Berlin zu starten. Das 1926 datierte Aquarell einer weit geöffneten, flach anmutenden Landschaft mit Bauernhaus und angedeuteter Staffelung von bewaldeten Hügelrücken im Hintergrund entsteht vielleicht im Frühjahr oder im Sommer nach Kirchners Rückkehr in seine Wahlheimat, den Blick auf eine im jährlichen Turnus sich wiederholende Maßnahme gerichtet, welche die vom Gewicht der Züge beanspruchten Gleise in ihrem Bett wartet. [MvL]
 


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