Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 509

 
509
August Riedel
Zwei Mädchen in Albaner Tracht, 1838.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 19.000
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Objektbeschreibung
Zwei Mädchen in Albaner Tracht. 1838.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert, örtlich bezeichnet und datiert „A. Riedel. fec Roma. 1838.". Verso auf dem Keilrahmen mit altem, handschriftlich nummeriertem Etikett "24.". 75 x 63 cm (29,5 x 24,8 in).

• Qualitätvolles Werk von musealem Rang
• Aus der besten römischen Zeit August Riedels
.

Wir danken Dr. Herbert W. Rott, München, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Sammlung Ulmer (bis 1934, laut Annotation im nachgenannten Katalog).
Hugo Helbing, Gemälde neuerer und alter Meister, Keramik, Metallarbeiten, Wand- und Orientteppiche, Möbel, Skulpturen; Versteigerung vom 25. bis 27. Januar 1934, Los 54 (aus dem Eigentum Ulmer).
Kunsthandlung Jordan & Müller, München (beim Vorgenannten erworben).
Galerie Dr. Fresen, München.
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).
Das Angebot erfolgt in freundlichem Einvernehmen mit den Erben nach Artur Jordan auf Grundlage einer fairen und gerechten Lösung.

Essay
Die zahlreichen Bildnisse schöner Italienerinnen in kleidsamer Tracht bringen dem Künstler den Beinamen „römischer Riedel“ ein. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste in München reist August Riedel bereits 1823 erstmals nach Rom, bis ihm ein Stipendium 1828 den langersehnten Aufenthalt ermöglicht und er sich schließlich 1832 endgültig dort niederlässt. Er zählt zu den Mitbegründern des römischen Kunstvereins und macht die Bekanntschaft mit Künstlern und Agenten in der Villa Malta auf dem Pincio, die vom bayerischen König Ludwig I. als Künstlerresidenz zur Verfügung gestellt worden ist. Mit seinen sentimentalen Genredarstellungen italienischer Volksszenen in der römischen Campagna erweckt Riedel ab der Mitte der 1830er Jahre die Aufmerksamkeit Ludwigs I., besonders die fein ausgeführten Porträts der Römerinnen sollten seinen Erfolg begründen. Riedel wird schließlich Professor an der römischen Akademie San Luca und vom König zum Ehrenmitglied der Münchner Kunstakademie ernannt. In Rom zählt er zu den angesehensten Mitgliedern der deutsch-römischen Künstlerkolonie. Etliche seiner Werke und Porträts befinden sich in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, eingegangen über die königlichen Sammlungen. Die beiden jungen Mädchen auf dem vorliegenden Gemälde entsprechen dem vorherrschenden Schönheitsideal der Italienerin mit leicht gebräunter Haut sowie den schwarzen Haaren und Augen, zu denen das leuchtende, frische Weiß der Puffärmel sowie das intensive Rot, Grün und Blau der Röcke einen koloristischen Kontrast bilden. Riedel gibt außerdem die charakteristische Tracht der Region wieder und zeigt folkloristische Details wie die rote Perlenkette und die typische Kopfbedeckung aus gefaltetem Tuch. Die Abendsonne erfüllt die Szene mit sanftem Licht, verleiht den weißen Gewändern Transparenz und überzieht die Darstellung effektvoll wie mit Weichzeichner. In der Ferne erblickt man über den Albaner Bergen die blaue Transparenz des südlichen Himmels. Einfühlsam zeigt Riedel die Innigkeit der Beziehung der beiden Mädchen, die - als ob sie ein Geheimnis teilen - einander anmutig die Köpfe zuneigen. Die Ältere rechts, in der Hand das Madonnenamulett "scapolare della Madonna del Carmelo", wird durch das Tragen der Haube als junge Frau dargestellt, im Gegensatz zum Mädchen neben ihr. Dessen nachdenklicher Blick aus dem auf die Hand gestützten Gesicht ruft dem Betrachter die leise Nostalgie des Erwachsenwerdens in Erinnerung, die sich zu der romantischen Italiensehnsucht gesellt. Mit der Dreiecksform der Figurenkomposition erinnert Riedel dabei an den zu Beginn des 19. Jahrhunderts hochverehrten Raffael, dessen Darstellungen Mariens und der Heiligen Familie als Inbegriff von Anmut und Grazie gelten. Die Verbindung der subtilen erzählerischen Details, der kompositorischen Referenzen und der technisch versierten Feinmalerei im Zentrum des Bildes, umgeben vom aufgelockerten Duktus der Landschaft, macht die besondere Qualität dieses Gemäldes aus. [KT]
509
August Riedel
Zwei Mädchen in Albaner Tracht, 1838.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 19.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu August Riedel "Zwei Mädchen in Albaner Tracht"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.