Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 120000320

 
120000320
Gabriele Münter
Tauwetter im Dorf (Murnau), 1948.
Öl
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
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Objektbeschreibung
Tauwetter im Dorf (Murnau). 1948.
Öl auf Malpappe.
Links unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert und betitelt sowie mit dem Nachlassstempel, einem Aufkleber mit der teils gestempelten Nummer "L 207". 33 x 45 cm (12,9 x 17,7 in).

• Gabelung Burggraben - Burggasse in Murnau
• Farbkräftige, stimmige Wiederaufnahme des Motivs von 1911.
• Eines der für Gabriele Münter so wichtigen Motive, die sie nach ihrer Rückkehr nach Murnau erneut aufgreift
• Zeugnis von inniger Verbundenheit mit dem endlich wiedergefundenen oberbayerischen Ruheort.
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Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung vom 2. Mai 2016 (in Kopie). Das Gemälde wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Nachlass der Künstlerin (verso mit dem Stempel).
Privatsammlung Hannover.
Sammlung Frankona Versicherung, München.
Privatsammlung Großbritannien.

AUSSTELLUNG: Gabriele Münter. Werke aus 5 Jahrzehnten, München, Central-Collecting-Point, Mai 1952, Nr. 57.
Jawlensky, Münter, Kandinsky und der Blaue Reiter, Galerie Gunzenhauser, München12.4.-31.5.1988, Nr. 27 m. Farbabb.
Gabriele Münter 1877-1962. Retrospektive, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1992, Kat.-Nr. 236 (Ausst.-Kat. m. Farbabb.).
Gabriele Münter malt Murnau. Gemälde 1908-1960 der Künstlerin des "Blauen Reiters", Schlossmuseum Murnau und August-Macke-Haus, Bonn, 1996/97, Ausst.-Kat. mit Abb. S. 66f.

LITERATUR: Villa Grisebach, Berlin, 105. Auktion, 30.11.2002, Lot 257.

Essay
Murnau. Noch heute ist die dekorative Gesamtwirkung jener Handwerkshäuser der Marktgemeinde erhalten, die unter der Leitung des Münchner Architekten Emanuel von Seidl in den Jahren 1906 bis 1910 entstanden und das Straßenbild prägen. Seit dem Erwerb des Hauses am Fuße des Dünaberges im Jahr 1909, zusammen mit Wassily Kandinsky, hat Gabriele Münter jeden Tag den Blick auf den Hügel gegenüber mit dem Schloss, auf die barocke Kirche St. Nikolaus, eng gerahmt vom Gottesacker und den beschaulichen Häusern der Gemeinde, durchtrennt von der Bahntrasse nach Garmisch-Partenkirchen. Südlich ihres "Russenhauses", so von den Murnauern liebevoll genannt, erstreckt sich eine weite Moorfläche, das Murnauer Moos mit den Flüssen Loisach und Ramsach, zwischen dem Höhenzug mit der Ortschaft und den aufsteigenden Voralpen: südöstlich Herzogstand, Heimgarten und Hohe Kisten, südwestlich die Ettal-Ammergauer Berge und das Wettersteingebirge in der Ferne. Nördlich, im Rücken den Hang hinunter, liegt malerisch der Staffelsee und das Dorf Seehausen. Hier in Murnau ereignet sich im Herbst 1908 etwas Erstaunliches, als Kandinsky, Münter, Jawlensky und Werefkin sich, nach langen Aufenthalten vor allem in Italien und Frankreich, in diesem oberbayerischen Ort treffen und malen: ein künstlerischer Umbruch, eine radikale Abkehr vom impressionistischen und spätimpressionistischen Malstil und eine Hinwendung zu einer synthetischen, expressiven Farbmalerei. „Murnau hatten wir auf einem Ausflug gesehen und an Jawlensky und Werefkin empfohlen – die uns im Herbst auch hinriefen. Wir wohnten im Griesbräu und es gefiel uns sehr. Ich habe da nach einer kurzen Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht – vom Naturabmalen – mehr oder weniger impressionistisch – zum Fühlen eines Inhalts – zum Abstrahieren – zum geben eines Extraktes“, erinnert sich Gabriele Münter rückblickend 1911. Die fortschreitende Beschränkung auf wenige, für diese Landschaft charakteristische Details ist ein in den Bildern der Künstlerin hervorstechendes Merkmal. Für sie wird dieser Marktflecken, diese wunderbare, sanft bewegte Landschaft trotz der Kümmernisse ihre feste Heimat, über die sie auf unterschiedliche Weise, mit den Jahreszeiten berichtet. Das Phänomen Zeit gewinnt für die Künstlerin an Gewicht, das Gesehene individuell wie hier im Gemälde „Tauwetter“ umzuformen und eine sich gabelnde, noch von Schnee und Matsch bedeckte Straße in Murnau, die zwischen nahezu symmetrisch aufgefächerten Häusern hindurchführt, in aufregender Farbkomposition wiederzugeben: Eine Straßengabelung unweit ihres Hauses, an dem Abzweig Burggraben und Burggasse in Richtung Untermarkt, die säumenden Häuser mit frisch gestrichenen Fassaden, die Fenster mit farbigen Konturen gefasst. Farben, in kühnen Nuancen zwischen giftigem Gelb, weißgemischtem Grün und Rosa, dem rötlichen Braun der mit Schotter befestigten Wege und dem Weiß vom restlichen Schnee. Farben, die nunmehr den charaktervollen Eindruck einer örtlichen Begebenheit interpretieren und zum nachhaltigen Erlebnis machen. Auch fast vierzig Jahre später geschieht dies ganz im Sinne Kandinskys, der zusammenfassend im Gründungszirkular der „Neuen Künstlervereinigung München“ im Januar 1909 forderte, nach künstlerischen Formen zu suchen, „die von allem Nebensächlichen befreit sein müssen, um nur das Notwendige stark zum Ausdruck zu bringen –, kurz – das Streben nach künstlerischer Synthese (…)“. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gabriele Münter "Tauwetter im Dorf (Murnau)"
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