Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 120002386

 
120002386
Fritz Winter
Ohne Titel, 1936.
Mischtechnik. Öl und Wachskreide auf Papier
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
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Objektbeschreibung
Ohne Titel. 1936.
Mischtechnik. Öl und Wachskreide auf Papier.
Lohberg 664. Rechts unten monogrammiert und datiert. Auf chamoisfarbenem Ingres-Bütten (mit Wasserzeichen). 63,5 x 48,5 cm (25 x 19 in), blattgroß. [JS].

• Frühes "Licht-Gemälde", das mit seinem Formenrepertoire und seiner transluziden Schwerelosigkeit entscheidende Elemente von Winters berühmtem Zyklus "Triebkräfte der Erde" (1944) vorwegnimmt.
• Herausragendes Zeugnis von Winters meisterlicher Inszenierung sich sanft überlagernder, kristalliner Formgebilde, das Winters Nähe zum zeitgleichen avantgardistischen Schaffen Naum Gabos belegt.
• Wie in dem 1944 geschaffenen Werkzyklus "Triebkräfte der Erde" gelingt Winter hier bereits eine von innerem Leuchten getragene Komposition, die durch ihre metaphysische Präsenz begeistert.
• Bereits in den 1950er Jahren stellt Winter in Amerika aus und ist auf zwei Ausstellungen des Museum of Modern Art, New York, vertreten
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (vor 1981).
Galerie Thomas, München.
Sammlung Deutsche Bank (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Galerie Gunzenhauser, München 1981, mit Abb. (Faltblatt).
Bauhaus-Künstler, Kunstsammlungen zu Weimar / Museum Wiesbaden / Bauhaus Dessau, 1993/94, Kat.-Nr. 146, mit Abb. S. 109.
Auf Papier - Kunst des 20. Jahrhunderts aus der Deutschen Bank, Schirn Kunsthalle, Frankfurt a. M., 3.3.-30.4.1995; Berlinische Galerie, Berlin, 18.5.-2.7.1995; Museum der Bildenden Künste, Leipzig, 10.8.-8.10.1995, Kat.-Nr. 214, S. 344-355, mit ganzs. Abb.
Man lebt im Wirken der Schöpfung. Fritz Winter zum 100. Geburtstag, Kunst-Museum Ahlen, 10.9.2005-29.1.2006.
Blind Date Istanbul, Sabanci University Sakip Sabanci Museum, Istanbul, 8.9-1.11.2007.

Essay
Von einzigartiger Immaterialität und von einem sanften inneren Leuchten getragen sind Winters frühe "Licht-Gemälde" der 1930er Jahre. In dieser wunderbaren Komposition hat Winter das "immaterielle" Weiß zum Protagonisten erklärt, dessen abstrakte Formgebilde sich scheinbar flüchtig und schwerelos überlagern und im Zentrum verdichten, vor die scheinbar unendliche Weite des dunklen Raumes treten. Winter strebt in diesen seltenen frühen Kompositionen danach, geistig-immaterielle Inhalte zu schaffen, und nutzt dafür eine gesteigerte Reduktion der Bildmittel. Ab 1934 erreicht Winters Beschäftigung mit der Raum-Licht-Durchdringung dann ihren Höhepunkt und er nähert sich in seinen von universellen Gedanken getragenen Kompositionen schließlich, wie in der vorliegenden Arbeit, den frühen transluziden Plastiken des russischen Konstruktivisten Naum Gabo. Gabo gründet 1931 zusammen mit Theo van Doesburg, Auguste Herbin, Antoine Pevsner und Georges Vantongerloo in Paris die Künstlerbewegung "Abstraction-Création", die bis 1937 auch einen gleichnamigen Almanach herausgibt und damit entscheidende theoretische Vorarbeit für die abstrakte Malerei liefert. Winter, der sich selbst bereits um 1930 konsequent der abstrakten Malerei verschrieben hatte, wird das Schaffen dieser avantgardistischen Vorreitergeneration genauestens verfolgt haben. Und so ist das vorliegende frühe "Licht-Gemälde" Winters ein herausragendes kunsthistorisches Zeugnis seines Austausches mit den avantgardistischen Strömungen der Zeit und sein herausragender künstlerischer Beitrag zu jener internationalen Aufbruchstimmung, die schließlich u. a. mit der informellen Malerei der Nachkriegszeit breite öffentliche Anerkennung erlangen sollte. [JS]
 


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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Fritz Winter "Ohne Titel"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.