Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 314

 
314
Adrian Ludwig Richter
Im Walde, 1864.
Sepia laviert, Aquarell, Feder und Bleistift
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
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Objektbeschreibung
Im Walde. 1864.
Sepia laviert, Aquarell, Feder und Bleistift.
Links unten signiert und datiert. In der Zeichnung auf dem linken Mehlsack monogrammiert. Verso von Paul Kaufmann, Vorbesitzer, handschriftlich bezeichnet und mit Provenienzangaben versehen. Auf Velin mit dem teilweise lesbaren Wasserzeichen "[?]anson" (evtl. Montgolfier Canson). 11 x 15,5 cm (4,3 x 6,1 in), im Passepartout gemessen.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Sammlung Lionel von Donop, Berlin (Direktor der Abteilung für Handzeichnungen in der Kgl. Nationalgalerie Berlin).
Sammlung Paul Kaufmann (1902 vom Vorgenannten erworben).
Kunsthandlung Hugo Helbing, Berlin.
Privatsammlung Norddeutschland (1929 bei Vorgenanntem erworben. Mit Kaufquittung).
Privatsammlung Dänemark (durch Erbgang aus vorgenannter Sammlung erhalten).

AUSSTELLUNG: Deutsche Maler 1780-1850, Kunsthandlung Hugo Helbing, Berlin, 22.5.-22.6.1929, Kat.-Nr. 120.

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 15.44 h +/- 20 Min.

Essay
Als einer der bedeutendsten Maler und Illustratoren der späten Romantik prägt Adrian Ludwig Richter wie kein anderer diese Epoche der Innengewandtheit, Nostalgie und sehnsuchtsvollen Hinwendung zur Märchen- und Sagenwelt. Um 1800 rufen Johann Karl Musäus und die Gebrüder Grimm eine neue Begeisterung für die deutsche Sprache und volkstümliche Geschichten hervor, zu denen Richter neben zahlreichen Kinderbüchern, Gedichtbändern und Liedersammlungen Illustrationen in Form von Holzschnitten und Federzeichnungen beisteuert. Vor allem die von Musäus verfassten "Volksmärchen der Deutschen" von 1842 sind für die bürgerlich intime Bildwelt prägend. Als Professor an der Akademie in Dresden nimmt Richter schließlich bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Holzschnitts in Deutschland, obgleich er dort eigentlich die Leitung der Landschaftsklasse innehat.
Das vorliegende Aquarell lässt sich mit seiner bemerkenswert zarten Strichführung wohl dem Gemälde "Ritt durch den Wald", von dem zwei Ausführungen bekannt sind, zuordnen. Nach Familienüberlieferung entsteht das erste kleine Gemälde in Dresden 1856, inspiriert durch die Hochzeitsfeierlichkeiten von Richters Tochter Helene mit dem Fabrikantensohn Theodor Kretschmar, die am 14. Juni 1854 in der Rabenauer Mühle gefeiert wird. Schon früher hat Richter das Motiv des Brautzuges, der Liebespaare in der Laube, die in völliger Intimität einander zugewandt sind, gewählt. So begegnen dem Betrachter bereits in den italienischen Landschaften dahinziehende Hirten oder einfache Bauersleute, eingebettet in eine sie umschließende und ihre Intimität bewahrende Landschaft. Noch in italianisierender Kleidung mit dem Mieder, das Haar mit Bändern geschmückt, wird die Braut von ihrem Bräutigam in unserem Aquarell nach Hause geführt. Romantische Schwärmerei ist abgemildert zu zärtlicher Demut im Blick des Müllerburschen. Auf den Gesichtern liegt kindliche Unschuld, die noch durch die Einfachheit der beiden Tiere - dem treuen Esel und dem wachsamen Hündchen - unterstrichen wird. Im Geiste des ausgehenden Biedermeiers sind Richters Werke auch immer Abbildung bürgerlicher Tugenden, zu der sich neben dem Motiv des Wanderns und Heimkehrens als Metapher des Lebens christliche Tugenden der Demut, des Vertrauens und der Liebe dazugesellen. Italienische Hirtenidylle und Harmonie, raffaeleske Schönlinigkeit und Grazie transportiert Richter in seine im Ausdruck bewusst naiv gehaltenen, dennoch in meisterhaft grafischer Technik ausgeführten Aquarelle und Sepiazeichnungen. In unserem Blatt verrät sich diese Virtuosität nicht zuletzt durch die in der Sepialavierung freigelassenen Sonnenflecken, die umso mehr die schattige Intimität des Waldesinneren herausstellen. Diese Feinheit in der Ausführung lässt das kleinformatige Blatt zu einer grafischen Preziose werden. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Adrian Ludwig Richter "Im Walde"
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