Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 305

 
305
Felix Schlesinger
Beim Mittagsmahl, Wohl 1860.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 5.000 - 7.000
+
Objektbeschreibung
Beim Mittagsmahl. Wohl 1860er Jahre.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Verso auf der Leinwand mit Künstlerbedarfs-Stempel. 61 x 71 cm (24 x 27,9 in).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 15.35 h +/- 20 Min.

Essay
Neben der Landschaftsmalerei verhilft die Düsseldorfer Schule ebenfalls ab den 1840er Jahren der Genremalerei zu neuer Beliebtheit. So macht auch Felix Schlesinger dort Station, nachdem er zunächst in seiner Heimatstadt Hamburg und anschließend in Antwerpen studiert hatte. Anschließend an seinen Aufenthalt in Düsseldorf, begibt er sich nach Paris. 1861-63 ist er kurzzeitig in Frankfurt tätig, bevor er sich schließlich in München als Genremaler niederlässt. Stilprägend in dieser Zeit sind die Vertreter der Düsseldorfer sowie Münchner Malerei, etwa Ludwig Knaus, Benjamin Vautier und Franz Defregger. Hatte noch Gustave Courbet in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seinem anti-akademischen und programmatisch zu verstehenden Realismus für Skandale gesorgt, wird in der akademischen Genremalerei dieser Realismus nun in seiner poetisch-beschreibenden, humoristischen Erzählkraft das Ausdrucksmittel der Wahl. Eine sentimentalistische Verklärung, Stilisierung und Arrangiertheit solcher alltäglichen Szenen dient jedoch der Betonung des „künstlichen“ - sprich künstlerischen - Charakters der Darstellung, die keinesfalls vermitteln sollte, einfach eine reine Kopie der Wirklichkeit zu sein. Bereits in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts war Alltägliches bildwürdig geworden, wobei zumeist moralisierende Implikationen oder allgemeine Aussagen zu menschlichem Verhalten vom Betrachter mitzulesen waren. Die Genremalerei des 19. Jahrhunderts konzentriert sich vor allem auf die sentimentalisierte Darstellung bäuerlichen oder bürgerlichen Lebens, oftmals im Mittelpunkt dabei die Familie, in der sämtliche Altersstufen als Ausprägung des Lebens vertreten sind. Besonders beliebt sind dabei auch die Motive mit Kindern, wie Schlesinger sie darstellt, die schon im 19. Jahrhundert international gesucht und vor allem in England und Amerika Anklang finden. In der kleinbürgerlichen Stube steht alles zum Besten. Die zwei gesunden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, sitzen brav am Tisch, auf den die Mutter eine große Schale Knödel stellt. Der beleibte Herr des Hauses freut sich schon auf das keine Sekunde zu spät - die Uhr zeigt fünf vor 12 - aufgetragene Mahl. Auf dem Kaminsims bürgt ein Kruzifix für die religiöse Pflichterfüllung der Familie. Die Wichtigkeit der Zusammenkunft am Mittagstisch, die bescheidene Genügsamkeit, die sich im Raum ausdrückt, sowie die sorgende Rolle der Mutter lesen sich wie eine bürgerliche Anleitung zur Tugend. Ab den 1870er Jahren wird im Deutschen Kaiserreich eine solche Genremalerei zur beliebtesten und erfolgreichsten Gattung, ebenfalls bedingt durch die Verbreitung in der Reproduktionsgrafik. Eine erste, nur der Genremalerei gewidmete Professur wird schließlich 1874 an der Düsseldorfer Akademie eingerichtet und mit Wilhelm Sohn besetzt. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Felix Schlesinger "Beim Mittagsmahl"
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