Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 276

 
276
Thomas Struth
Hermitage 5, St. Petersburg, 2005.
Cibachrome-Abzug
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Objektbeschreibung
Hermitage 5, St. Petersburg. 2005.
Cibachrome-Abzug.
Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. Eines von 10 Exemplaren. 116 x 145 cm (45,6 x 57 in).

• Eines der selten auf dem Auktionsmarkt angebotenen Werke der „Hermitage-Folge".
• In den 1980er Jahren beginnt Struth mit seiner berühmtesten Werkreihe, den „Museum Photographs“.
• Struth gilt neben Thomas Ruff und Andreas Gursky als Hauptvertreter der Düsseldorfer Fotoschule
.

PROVENIENZ: Galleria Monica de Cardenas, Mailand (verso mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Liechtenstein (2007 direkt beim Vorgenannten erworben).

"Manchmal wünschte ich mir, ich wäre das Gemälde, das in die Gesichter des Publikums schaut."
Thomas Struth, zit. nach: Monopol, 16.8.2010.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 19.11 h +/- 20 Min.

Essay
Thomas Struth beginnt sein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf 1973, seine Lehrer sind keine anderen als Bernhard Becher für Fotografie und Gerhard Richter für Malerei. Die Faszination für Architektur als Artefakt übernimmt der junge Fotograf Struth von seinem Mentor Bernhard Becher. Zunächst entsteht eine umfangreiche Serie von Stadtaufnahmen in Schwarz-Weiß, auf der Suche nach dem Besonderen, Typischen, Charakteristischen durchstreift Struth die großen und kleinen Metropolen der Welt und eröffnet uns das Geheimnisvolle im scheinbar Gewöhnlichen. Struth hat den besonderen Blick, mit dem er in seinen wohlkomponierten Fotografien die Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart erforscht und uns eine subtile kulturelle Untersuchung anbietet. Seit 1989 entsteht die mittlerweile bekannteste und erfolgreichste Serie der "Museum Photographs", in der Struth die moderne Kunstrezeption von Betrachter und Bild thematisiert. Mit einem gewissen Voyeurismus positioniert er sich in Museen, Kirchen und Tempeln, um die Vielfalt der Betrachtungsformen einzufangen, zwischen kontemplativer, bildungsbürgerlicher und eventorientierter, rein touristischer Kunsterfahrung. Der Betrachter selbst wird zum Fokus des Werks. Anfangs ist Struth noch ein etwas entfernter Beobachter, doch will er noch tiefer Eintauchen und den Betrachter aus der Perspektive des Kunstwerks sehen. Erstmals möglich ist ihm dies 2004 anlässlich der Ausstellung zum 500. Jubiläum der David-Skulptur von Michelangelo in der Galleria dell'Accademia in Florenz. Der Clou ist, dass die Kamera versteckt neben dem Kunstwerk angebracht ist, so dass ein unbeobachteter, wirklichkeitsgetreuer Moment eingefangen werden kann. Die Folge "Eremitage" ist die zweite Serie von Werken, die auf Nahaufnahmen von Personen basieren, die ein einzelnes Werk betrachten, nämlich Leonardo da Vincis "Madonna mit einer Blume (Benois-Madonna)" im Staatlichen Eremitage-Museum in St. Petersburg im Jahr 2005. Die Betrachter selbst stehen wieder im Mittelpunkt, während das Objekt ihrer Aufmerksamkeit, das da Vinci-Gemälde, nicht sichtbar ist. Sein Arrangement an staunenden, interessierten, teils andächtigen, teils gelangweilten Gesichtern ist insofern spannend, als dass auch hier die soziologische Momentaufnahme im Vordergrund steht. Die "Benois-Madonna" ist das gesetzte Element, die Besucher der lebendige Gegenpol, der in Struths Fotos noch wichtiger wird als die Kunst an sich. Struth hat sich auf ein empfindliches Gleichgewicht von Objektivität und Kritik eingelassen, wobei er seine Betrachter sicher zu den richtigen Fragen führt, die Antworten aber immer ihnen selbst überlässt. [SM]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Thomas Struth "Hermitage 5, St. Petersburg"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4% inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.