Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 239

 
239
Leo Putz
Ein Sommertag, 1925.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
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Objektbeschreibung
Ein Sommertag. 1925.
Öl auf Leinwand.
Putz 855. Links unten signiert und datiert "025". Auf dem Keilrahmen mit einem Etikett, darauf handschriftlich bezeichnet "Ein Sommertag Leo Putz 1925 Gauting". 110 x 120 cm (43,3 x 47,2 in).

• Wunderbar leichte und lichterfüllte Szenerie, die Putz’ meisterliche Pleinairmalerei um eine mutigere Farbpalette erweitert.
• Virtuoses Spiel mit der kunsthistorisch bedeutenden Tradition der "Armor und Psyche"-Darstellungen.
• Abschließende Version einer kleinen Folge von Gemälden, in denen Putz sein junges Modell Toni gemeinsam mit seinem Sohn Helmut zeigt.
• Das ein Jahr später entstandene Gemälde "Am Bassin", das ebenfalls das Aktmodell Toni zeigt, befindet sich in der Sammlung des Lenbachhauses, München
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatbesitz (um 1974).
Privatsammlung Italien (bis 2001, auf dem Keilrahmen mit dem Stempel).
Privatsammlung Großbritannien (seit 2001; Ketterer Kunst 1.12.2001).

LITERATUR: Ruth Stein, Leo Putz, Wien 1974, Kat.-Nr. 463.
Ketterer Kunst, 261. Auktion, Kunst des 20. Jahrhunderts, 1.12.2001, Kat.-Nr. 25, mit Abb.

„Die schönsten Beleuchtungen fesseln mich, das sind Beleuchtungen, die sich verschlingen und nur im letzten Augenblick festzuhalten sind. [..] Es sind Farbklänge, die wie ein musikalischer Wohlklang zu einander stimmen müssen [..] sie vereinigen sich zu einem Akkord, in dem es keine Dissonanzen geben darf [..].“

Leo Putz, zit. nach: Ruth Stein, Leo Putz, Wien 1974, S. 39.



Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 18.08 h +/- 20 Min.

Essay
Wunderbar leicht und lichterfüllt sind gerade Leo Putz’ sommerliche Aktdarstellungen der 1920er Jahre, in denen der impressionistische Duktus der "Scholle"-Zeit noch um eine leuchtende, expressive Farbpalette bereichert wird. Wie die Farbpalette, so ist auch die Motivik seiner Freiluftmalerei in diesen im Garten und angrenzenden Waldstück seines neuen Gautinger Hauses entstandenen Gemälden deutlich mutiger geworden. Putz zeigt nicht mehr nur den sich ungezwungen in freier Natur bewegenden oder stehenden weiblichen Akt, sondern bietet diesen in "Ein Sommertag" in erotischer Pose schlafend, geradezu schutzlos vor den Augen des Betrachters dar. Die Spannung der Szenerie wird zudem noch dadurch gesteigert, dass dem schlafenden Modell nicht etwa ein zweiter weiblicher Akt, sondern ein nackter Knabe zur Seite gestellt wird, der seinen wachen Blick geradezu fordernd dem Betrachter entgegenrichtet. All das erinnert an das seit der frühen Neuzeit bekannte Sujet der "Armor und Psyche"-Darstellungen. Putz hat die traditionsreiche erotische Darstellung in "Ein Sommertag" jedoch aus ihrem mythologischen Kontext befreit und in ein modernes, von sommerlicher Leichtigkeit und expressiver Farbigkeit erfülltes Sujet übertragen. Die junge Toni ist wohl das liegende Modell, sie hatte dem erfolgreichen Maler bereits im Sommer des Vorjahres in Gauting mehrfach Modell gestanden; und auch Helmut, der damals neunjährige Sohn des Künstlers, wird in der Folgezeit einige Male gemeinsam mit der zarten, dunkelhaarigen Schönheit dargestellt. Unserem "Sommertag" gehen 1924 die Gemälde bzw. Gemäldestudien "Toni und Helmut" (Putz 833 und Putz 835) und "Im Schatten" (Putz 834) voraus. Die spätere Version von "Toni und Helmut" nimmt die Posen der beiden auf dem weißen Kissen ausgestreckten Akte bereits in kleinem Format vorweg, jedoch hat Putz in unserer abschließenden Version den Blick geweitet und den Hintergrund des großen Formates durch die stark angeschnittenen Bäume, die spiegelnde Oberfläche des Wasserlaufs und den in abendliches Rosé und Gelb getauchten, hoch gesetzten Horizont virtuos erweitert. Wunderbar verbindet "Ein Sommertag" damit all das, was den besonderen Reiz von Putz’ meisterlicher Pleinairmalerei ausmacht. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Leo Putz "Ein Sommertag"
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