Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 351

 
351
Franz von Stuck
Tänzerin, 1898.
Bronze mit schwarzbrauner Patina
Schätzpreis: € 12.000 - 15.000
+
Objektbeschreibung
Tänzerin. 1898. (Guss nach 1906. Franz von Stuck wurde 1906 geadelt).
Bronze mit schwarzbrauner Patina.
Vorne an der Standfläche bezeichnet "Franz von Stuck". Hinten mit dem Gießerstempel "Guss C. Leyrer München". 63 x 23,5 x 34,5 cm (24,8 x 9,2 x 13,5 in).

• Schwungvolle Plastik aus der Zeit der Eheschließung des Künstlers mit Mary, die ihm Modell steht
• Im Schaffen Stucks charakteristische Kombination aus antiken Vorbildern und moderner Linienführung des Jugendstils
• Inspiriert durch die berühmte Tänzerin des Fin de Siècle, Loïe Fuller
.

AUSSTELLUNG: München 1869-1958, Aufbruch zur modernen Kunst, München, 1958, Kat.-Nr. 977 (anderes Exemplar).
Franz von Stuck, Werk - Persönlichkeit - Wirkung, Museum Stuck-Villa, München, 1968, Kat.-Nr. 7 (ausgestellt war ein Guss nach 1906).
Franz von Stuck, Gemälde-Zeichnungen-Plastik aus Privatbesitz, Galerie der Stadt Aschaffenburg/Augustinermuseum Freiburg/Städtische Galerie Rosenheim, 1994, Kat.-Nr. 71 (mit Abb., jedoch anderes Exemplar).
A passi di danza. Isadora Duncan e le arti figurative in Italia tra Ottocento e avanguardia, Museo Bardini e Galleria Corsi, Florenz, 13.4.-22.9.2019, S. 117, Nr. 11 (mit Abb.).

LITERATUR: Otto Julius Bierbaum, Stuck, Künstler Monographien, Bielefeld und Leipzig 1899 (Abb. 145 und 146).
Thomas Raff, "Die Kraft des Mannes und die weiche Schmiegsamkeit des Weibes": Franz von Stuck: Das plastische Werk, Ausst.-Kat. Franz von Stuck Geburtshaus Tettenweis 2011, S. 48-52 (mit Abb.).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 16.21 h +/- 20 Min.

Essay
Stuck entwirft seine Tänzerin kurz nach der Eheschließung mit Mary, die mit ihrer Ausstrahlung auf die Münchener Gesellschaft und mit ihrem Vermögen entscheidend den Aufstieg Stucks begünstigt. Seiner Verehrung dieser faszinierenden Frau verleiht er in zahlreichen Porträts Ausdruck. Als Modell für die Skulptur agiert seine Frau Mary, die Stuck 1897 heiratet und deren Gesichtszüge er hier antikisch idealisiert. Die Komposition greift das Motiv des Tänzerinnen-Reliefs von 1895 auf, das seinerseits von den Schleier- oder Serpentinentänzen der Loïe Fuller inspiriert ist, die in Paris für Furore sorgten und die Tänzerin zur Ikone für Künstler und Dichter werden ließen. Im Dezember 1892 war sie erstmals mit ihrem Programm in den Folies Bergère aufgetreten. Aber auch die rauschhaft tanzende Mänade der antiken Mythologie spielt in dem von geistesgeschichtlichen Strömungen der Zeit durchdrungenen künstlerischen Kosmos Stucks eine nicht unerhebliche Rolle. In malerischen, ornamentalen Linien gestaltet er die fließende Bewegung des fein plissierten Gewandes, das sich eng an den Körper anschmiegt, ebenso wie das in weiche Wellen gelegte Haar. Die Dynamik der Drehbewegung und der leicht nach vorne geneigte Körper verleihen der Statue einen befreit-beschwingten Ausdruck, unterstrichen durch das ihre Lippen umspielende feine Lächeln - so wird man an hellenistische Figuren der vorwärtsschreitenden Siegesgöttin Nike erinnert, die ebenfalls in dem um dieselbe Zeit entstandenen Münchner Friedensengel auftaucht, hinter dem sich Stuck in der Verlängerung der Prinzregentenstraße ab 1897 seine neoklassizistische Villa bauen lässt. Die "Tänzerin", eine von Stucks anmutigsten Plastiken, wird zum ersten Mal in der Sezessionsausstellung 1898 in München gezeigt. Sie ist Stucks freieste und beschwingteste Bronzeplastik und als weibliches Pendant zum „Athlet“ mit den Zügen Stucks gedacht; mit den beiden Statuen schmückt Stuck um 1902 die Predellazone seines neugestalteten Künstleraltars, bekrönt von seinem berühmten Gemälde „Die Sünde“. In Stucks Vorstellung zeichnet sich die Frau durch ihre „weiche Schmiegsamkeit“ aus, der Mann durch seine Kraft - so sind beide in der Faszination des jeweils anderen durch die wechselseitige erotische Anziehungskraft aneinander gebunden. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Franz von Stuck "Tänzerin"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.