Auktion: 519 / Kunst nach 1945 am 18.06.2021 in München Lot 120002860

 
120002860
Ernst Wilhelm Nay
Ohne Titel, 1958.
Aquarell
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
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Objektbeschreibung
Ohne Titel. 1958.
Aquarell.
Claesges 58-043. Rechts unten signiert, datiert und bezeichnet "G". Auf festem Aquarellpapier. 60,2 x 41,9 cm (23,7 x 16,4 in), blattgroß.

• Seit über 50 Jahren erstmals wieder auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• Besonders farbstarkes und kontrastreiches Beispiel aus Nays bedeutendster Schaffensperiode der "Scheibenbilder".
• Weitere Aquarelle aus diesem Jahr befinden sich u. a. im Metropolitan Museum of Art in New York, in der Kunsthalle Bremen (Kupferstichkabinett), im Museum Ludwig in Köln, in der Staatlichen Graphischen Sammlung München und im Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum in Düren
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Rheinland (1992 vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).
Seitdem in Familienbesitz.

LITERATUR: Galerie Wolfgang Ketterer, München, 2. Auktion, 21.5.1969, Los-Nr. 979 (mit Abb., S. 235).

Essay
Ab 1954 beginnt Nay seine Werkperiode der heute berühmten "Scheibenbilder". Die bis 1962 entstehenden Arbeiten bilden die wohl intensivste, innerhalb des Œuvres am längsten währende Schaffensphase des Künstlers und gelten als der Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn. Die Gemälde, Aquarelle und Gouachen dieser Zeit dokumentieren die erfolgreiche neue Ausrichtung seiner Kunst auf dem Weg in die konsequente, reine Abstraktion und beweisen Nays meisterliches Können in der Gestaltung offener Bildräumlichkeit mithilfe freier, intuitiver Formen und einer unbeschwerten Sicherheit in der Wahl und Zusammenstellung harmonierender Farben. Ab 1955 enthalten die Scheibenbilder keinerlei eckige oder kantige Formen mehr: So wie in der hier angebotenen Arbeit findet Nay zu einer freieren, diffuseren Pinselführung und setzt die Komposition ausschließlich aus zum Teil getupften, farbigen Kreisformationen - ganz ohne die sonst so strengen Sichelformen oder präzisen Konturen - zusammen. Die Farbe wird dabei von keinen kunsthistorischen Vorbildern, keinen formalen Regeln oder künstlerischen Schemata in eine bestimmte gestalterische Form gezwängt - in den hier so frei gesetzten Kreisen, Halbkreisen und Flächen in variierenden Größen darf sie ganz für sich alleine sprechen. Wie auch in der hier angebotenen Arbeit von 1958 untersucht E. W. Nay in dieser Zeit um 1960 in einzelnen wenigen Aquarellen die Wirkung der Farbe Schwarz, die er den unterschiedlichsten, satten, warmen wie kalten Farben gegenüberstellt. Einmal mehr beweist er so seine außerordentliche künstlerische Souveränität im Umgang mit Farbe, Technik und Material, wenn er hier das weiche, neblige Grau und das dunkle Schwarz mit kräftigem Türkis als kalte wie auch terrakottafarbenem Orange als warme Farbe zu einer äußerst harmonischen Farblandschaft zusammensetzt. [CH]
 


Weitere Abbildungen
 
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