Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 262

 
262
Arnulf Rainer
Schwarze Übermalung auf Braun, 1955/56.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 120.000 - 150.000
+
Objektbeschreibung
Schwarze Übermalung auf Braun. 1955/56.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert. 180 x 97 cm (70,8 x 38,1 in). [SM].

• Arnulf Rainer zählt zu den wichtigsten Künstlern der österreichischen Avantgarde nach 1945.
• "Schwarze Übermalung auf Braun" ist eine der ersten für den Künstler so typischen wie großartigen Übermalungen der 1950er Jahre, in der die schwarze Monochromie nahezu die gesamte Bildfläche bedeckt.
• Durch die Materialität der Farbe, die Schicht für Schicht mit gestischen Pinselstrichen auf die Leinwand gesetzt ist, erschafft Arnulf Rainer eine geheimnisvolle Binnenstruktur.
• Der Betrachter begreift das Bedecken, das Zudecken der Leinwand mit Farbe als zeitlichen Prozess
.

Die Arbeit wurde von Atelier Arnulf Rainer, Wien, mündlich bestätigt. Wir danken für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Stuttgart.
Privatsammlung Hildegard Freifrau von Münchhausen, München.
Sammlung Haniel, Duisburg. (seit 1984).

AUSSTELLUNG: Arnulf Rainer, Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 20.11.1980-1.2.1981; Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden, 13.2.-26.4.1981; Städtisches Kunstmuseum, Bonn, 5.5.-21.6.1981; Museum moderner Kunst/ Museum des XX. Jahrhunderts, Wien, 11.9.-2.11.1981, S. 76, Abb. 130.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 18.47 h +/- 20 Min.

Essay
Arnulf Rainer ist für den Aufbruch der österreichischen Avantgarde nach 1945 sicherlich der wichtigste Künstler. 1929 in Baden bei Wien geboren, besucht er als 18-Jähriger eine Kunstgewerbeschule in Kärnten und geht anschließend nach Wien. Selbstbewusst verzichtet er auf seinen Platz an der Akademie der bildenden Künste und zieht der konservativen Hochschule ein autodidaktisches Studium vor. Auf der Suche nach einer Antwort auf die allgemeine Frage, welchen Weg die Malerei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt noch gehen könne, hält Rainer für sich fest, dass es zunächst notwendig ist, im Sinne der Surrealisten ins Unbewusste einzutauchen. Dann müsse, um dem Neuanfang eine Chance zu geben, ein Auflösungszustand eingeleitet werden, der – wie Rainer es formuliert – in einer "Tabula rasa" endet, den sogenannten "Auflösungen". Diese aufgelösten, atomisierten Formen geben ihm sodann die Möglichkeit, wieder neu zu beginnen, wieder zugedeckt und ausgelöscht zu werden. Ab Mitte der 1950er Jahre entstehen neben "Proportionen" und "Blindzeichnungen" Rainers erste schwarze Bilder wie unser Werk "Schwarze Übermalung auf Braun", das er zwei Jahre lang immer wieder überarbeitet: Das Schwarz-in-Schwarz erhält so diese faszinierende, haptische Struktur. Jahre später, 1978, erinnert sich Arnulf Rainer seiner Methode und Herangehensweise: "Meine Übermalungen vollziehen sich, wie schon betont, langsam, stetig, bedächtig. Der große Aufwand einer Zumalung ist in lauter kleine, allmähliche Schritte zerlegt, die jahrelang andauern. Als ich 1954 damit anfing, fremde und eigene Bilder zuzustreichen, wußte ich selbst nicht, daß sich ein 99prozentiges Schwarzfeld als Bildform ergeben kann, daß so eine Reduzierung überhaupt noch als qualifizierbare Gestalt möglich ist, daß sie für andere kommunizierbar wird. Es war kein Konzept, sondern Schritt für Schritt machend ergab sich die Richtung. Antrieb war das dauernde Ungenügen mit der jeweiligen Schwarzform, mit der Unvollkommenheit des bis dahin erarbeiteten Flächenkomplexes. Manchmal packte mich Verzweiflung, ich fürchtete die Bildaussage völlig zu verlieren. Auch heute weiß ich oft nicht, wann ich aufhören soll, ob der neue Pinselstrich das Bild noch besser macht. Ich kann oft die Gestalt nicht mehr qualifizieren, ich bin nur mit ihr unzufrieden. Aber ein neuer wichtiger Pinselstrich zwingt sich nicht auf. Stehe ich an einem solchen Punkt, lege ich die ganze Serie für einige Wochen beiseite. Danach durchschaue ich die Schwächen leichter, korrigiere ich dezidierter, sehe sogar sehr klar." "Schwarze Übermalung auf Braun" ist eine so typische wie großartige Übermalung der 1950er Jahre, in der die schwarze Monochromie nahezu die gesamte Bildfläche bedeckt; lediglich in der unteren rechten Ecke lässt der Künstler das Braun des Untergrundes hervorscheinen. Durch die Materialität der Farbe, die hier Schicht für Schicht mit gestischen Pinselstrichen auf die Leinwand gesetzt ist, erschafft Rainer nicht zuletzt mit den wenigen Verlaufsspuren eine geheimnisvolle Binnenstruktur, einen einheitlichen Bildraum. Der Betrachter begreift das Bedecken, das Zudecken der Leinwand mit Farbe als zeitlichen Prozess. Rainer rückt den Faktor Zeit durch seine Übermalungen ins Bewusstsein. Zum einen löscht er das vorher Gewesene in überwiegender Fläche aus, zum anderen steigert er die Vorstellung der hinter der Farbe liegenden möglichen Fülle ins Unermessliche. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Arnulf Rainer "Schwarze Übermalung auf Braun"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.