Auktion: 513 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 11.12.2020 in München Lot 90

 
90
Enrico Castellani
Superficie bianca, 1994.
Acryl auf reliefierter Leinwand über Holz, orig...
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Objektbeschreibung
Superficie bianca. 1994.
Acryl auf reliefierter Leinwand über Holz, original auf Hartfaserplatte montiert.
Wirz/Sardella 775. Verso signiert und datiert. 34 x 42 cm (13,3 x 16,5 in). Hartfaserplatte: 50 x 50 cm (19,7 x 19,7 in).

• Wunderbar leicht schwebende Komposition, die durch ihren dreidimensionalen Minimalismus und ihre sanfte Lichtwirkung beeindruckt.
• Aus einer kleinen Gemäldefolge, in der Castellani sein berühmtes Prinzip der "Superficie trapunta" mit dem der "Shaped canvas" in Symbiose bringt.
• Castellani, der zu den Protagonisten der italienischen "ZERO"-Strömung zählt, hat mit seinen einzigartigen "Superfici trapunte" Kunstgeschichte geschrieben
.

Mit einer Fotobestätigung des Archivio Castellani vom 17. Mai 1995.

PROVENIENZ: Privatsammlung Pordenone (um 1995).
Privatsammlung Italien (um 2012).
Privatsammlung.
Privatsammlung Berlin (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).

LITERATUR: M. Luzi, 15 superfici bianche di Enrico Castellani, Rex Built In, Udine 1994, S. 11.
"Für mich ist Weiß keine Farbe, es ist eher die Abwesenheit von Farbe. Allein durch die Art und Weise der Behandlung der Oberflächen versuche ich in meinen Bildern etwas so objektiv wie möglich zu schaffen, und das gleiche trifft für die Farbe zu. Weiß ist für mich die Farbe, oder vielmehr die Nichtfarbe, die diese Objektivierung am meisten wahrnehmbar macht."
Enrico Castellani im Interview mit L. Vincenti, 1983.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 15.29 h +/- 20 Min.

Essay
Angeregt durch das künstlerische Schaffen Lucio Fontanas und Piero Manzonis, entwickelt Castellani ab 1959 monochrome Oberflächenstrukturen, die unser traditionelles Bildverständnis zunehmend um das Element der Tiefe erweitern. Anfang der 1960er Jahre dann setzt Castellanis bedeutendste Werkgruppe der "Superfici trapunte" ein, die kunsthistorisch als einer der entscheidenden Beiträge der italienischen Nachkriegsmoderne zu werten ist und zu der auch unsere eindrucksvolle Komposition zählt. Durch eine rhythmische Gliederung der Leinwand durch die Unterfütterung derselben mit Metallstiften gelingt es Castellani, den Einfall des Lichtes als gestalterisches Element mit in die Komposition einzubeziehen. Wie Fontana, der durch seine progressive Kunstauffassung der "Bucchi" und "Concetti spaziali" als eine Art Vorbildfigur für die jüngeren Künstler des "ZERO"-Kreises gilt und bis 1965 auf allen großen Ausstellungen der Gruppe vertreten ist, sucht auch der eine Generation jüngere Castellani den Kontakt zur Künstlergruppe "ZERO" und nimmt ebenfalls bis 1965 an deren wichtigsten Ausstellungen teil. Castellanis Schöpfungen zeichnen sich durch ihren reduzierten Perfektionismus aus, der das Spiel von Licht und Schatten zum Protagonisten seiner Malerei erklärt, die fortan weder Farbe noch Linie als Ausdrucksträger benötigt. Im vorliegenden Gemälde hat Castellani das sanfte Schwingen des sich zwischen Hoch- und Tiefpunkten entwickelnden dreidimensionalen Liniengefüges aus Tälern und Bergrücken noch durch die unregelmäßigen Konturen des Bildträgers auf wunderbare Weise gesteigert. Unsere "Superficie bianca" zählt zu einer 21 Arbeiten umfassenden, kleinformatigen Folge, in der Castellani das Prinzip seiner "Superficie trapunta" mit dem der "Shaped canvas" in eine eindruckvolle Symbiose bringt. Absolut neu in seinem Schaffen sind die organischen, sanft schwingenden Formen, welche er für diese kleine Gemäldefolge wählt. Wunderbar leicht und puristisch schwebt Castellanis Schöpfung vor der Wand und fasziniert je nach Betrachterstandpunkt immer wieder neu durch den einzigartigen Minimalismus ihrer künstlerischen Mittel. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Enrico Castellani "Superficie bianca"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.