Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 277

 
277
Karl Horst Hödicke
Einstürzende Neubauten, 1984.
Kunstharz auf Leinwand
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 65.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Einstürzende Neubauten. 1984.
Kunstharz auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und betitelt. 155 x 190 cm (61 x 74,8 in).

• Großformat von spektakulärer Expressivität.
• In seinen Großstadtbildern thematisiert Hödicke die Auswirkung künstlichen Lichts auf die Farbe.
• Die Pinakothek der Moderne, München, würdigte den Künstler mit der Ausstellung "K. H. HÖDICKE. Eine Retrospektive" (18.6.-13.9.2020). Bis zum 8. März 2021 ist die Ausstellung nun im Palais Populaire, Berlin, zu sehen.
• Zum ersten Mal auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: www.artprice.com)
.

Die Authentizität der vorliegenden Arbeit wurde vom Künstler bestätigt.

PROVENIENZ: Privatsammlung Berlin.

„Und so kam es dann, daß es nachher gar keine reale Beleuchtung mehr war, sondern es wurde eine Beleuchtung, eine Farbe, die eben einen ganz bestimmten emotionalen Wert hatte“
K. H. Hödicke, Gespräch mit Walter Grasskamp, in: Ursprung und Vision, Neue deutsche Malerei, Berlin 1984.

Essay
„Tanze/Tanze/Tanze/Den Untergang.
Tanze/Tanze/Tanze/Den Untergang.
Energie/Stürzt ein/Deine Energie/Stürzt ein..“

..So die ersten Zeilen des Liedes „Der Untergang“ (1981) der deutschen Band „Einstürzende Neubauten“. Die Berliner Gruppe wurde 1980 von Blixa Bargeld, N.U. Unruh, Gudrun Gut und Beate Bartel gegründet und sorgte vor allem aufgrund ihres experimentellen Stils für Furore: Die Mitglieder verwendeten Instrumente aus Schrott und Alltagsgegenständen, die ihre apokalyptische Weltsicht zum Ausdruck bringen sollten.
Es ist mehr als wahrscheinlich, dass der seit Anfang der 1970er Jahre in Berlin lebende und arbeitende Künstler Karl Horst Hödicke mit seinem gleichnamigen Gemälde „Einstürzende Neubauten“ auf die Band verweist. Auch das Großformat befasst sich mit der Thematik des Einsturzes und hat einen deutlichen experimentellen und ungewöhnlichen Charakter. Dies zeigt sich zum einen in den intensiven Farben, die der Künstler in einer dünnen Schicht auf die Maloberfläche aufträgt, wobei vor allem das Gelb im Vordergrund und das Dunkelrot des nächtlichen Himmels durch seine Leuchtkraft bestechen. Es liegt etwas Bedrohliches in der Luft. Nicht nur die Farbpalette, auch der kraftvolle, impulsive Pinselstrich und die Perspektivlosigkeit des Gemäldes tragen zum spontanen und experimentellen Gesamteindruck bei.
In seinen Gemälden thematisiert Hödicke die verschiedenen Facetten der Großstadt, vor allem die Hauptstadt Berlin wird zum Protagonisten seiner Bilderwelt, sie ist die wichtigste Inspirationsquelle für die Malerei des Künstlers. Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor und andere Berlin-spezifische Orte und Themen prägen seinen expressiven Stil. Dabei fokussiert sich der Künstler zumeist auf wenige Motive, die er teilweise stark vergrößert oder in falschen Proportionen zeigt. Das vorliegende Gemälde ist ein beeindruckendes Werk aus dieser urbanen Bilderserie, die auch immer einen sozial-kritischen Hintergrund hat. So wird im Entstehungsjahr des Gemäldes, 1984, in Berlin der Grundstein für das Neubaugebiet Hohenschönhausen gelegt; bis 1990 entstehen 30.000 Wohnungen für mehr als 100.000 Bewohner. Am 1. Oktober desselben Jahres wird das Schinkel’sche Schauspielhaus am Platz der Akademie in Ost-Berlin nach Kriegszerstörung wiedereröffnet. Diese Ereignisse und die politische Situation der deutschen Nachkriegszeit haben den Künstler sicherlich beim Malen des Ölgemäldes „Einstürzende Neubauten“ beeinflusst.
Im Sommer dieses Jahres würdigte die Pinakothek der Moderne in München den Künstler mit einer Retrospektive. Die Ausstellung "K. H. HÖDICKE. Eine Retrospektive" (18.6.-13.9.2020) zeigte Arbeiten aus seinen wichtigsten Werkphasen seit den frühen 1960er Jahren und ist noch bis zum 8. März 2021 im Palais Populaire, Berlin, zu sehen. [SL]
277
Karl Horst Hödicke
Einstürzende Neubauten, 1984.
Kunstharz auf Leinwand
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 65.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)