Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 428

 
428
Hermann Max Pechstein
Bildnis einer jungen Frau (Dora Steinbart), Um 1918.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
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Objektbeschreibung
Bildnis einer jungen Frau (Dora Steinbart). Um 1918.
Öl auf Leinwand.
Rechts oben signiert. 54,5 x 51 cm (21,4 x 20 in).
Der Keilrahmen wurde wohl vom Künstler wiederverwendet, hier bezeichnet "Schiffe Pechstein".
• Dargestellt ist Dora Steinbart (1871-1979), Tochter des Sammlers Carl Steinbart.
• 1918 kann Pechstein die Nachfrage von Privatsammlern kaum bedienen.
• Pechstein ist der "Brücke"-Künstler, der am frühesten die breite allgemeine Anerkennung gefunden hat
.

PROVENIENZ: Sammlung Carl Steinbart, Berlin (ca. 1918 beim Künstler erworben - 1923).
Sammlung Dora Stach, geb. Steinbart, Berlin/Amsterdam (ab 1923).
Privatsammlung Hamburg (bis 1994).
Privatsammlung Niedersachsen (seit 1994).

AUSSTELLUNG: Max Pechstein, 40 Bilder eines Sommers, Kronprinzenpalais Berlin, Dezember 1921.

LITERATUR: Christie’s, London, Auktion 4.12.1990, Lot 331.
Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 9.-10.6.1994, Los 676.
"Was Pechstein malt, wird verkauft; seine Bilder gehen ab, 'wie heiße Semmeln’. Und zu sehr anständigen Preisen. Wer sie kauft, ist Kunstförderer und aufgeklärt - und will sich nicht lumpen lassen."
Franz Servaes, Rezension zur Ausstellung in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie 1921, zit. nach: Aya Soika, Max Pechstein. Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. I, S. 96.

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 17.43 h +/- 20 Min.

Essay
Die vorliegende Arbeit entsteht in einer Zeit des Suchens und Erinnerns. Im Frühjahr 1917 wird Hermann Max Pechstein vom Kriegsdienst befreit und kehrt nach Berlin zurück. Der künstlerische Neubeginn ist nicht ganz einfach für Pechstein: "Noch scheuchen Träume nachts den Schläfer hoch, die Nerven wollen sich noch nicht wieder an die Ruhe eines bürgerlichen Daseins gewöhnen. [..] Mühselig muß ich mein Handwerk wieder erlernen. Es war ein dicker Strich, den der Schützengraben durch mein Leben gezogen hat" (zit. nach Magdalena M. Moeller (Hrsg.), Max Pechstein. Sein malerisches Werk, S. 57f.). Doch stürzt sich Pechstein euphorisch in die Arbeit und auf die lang entbehrten Farben. Trotz der sehr produktiven und intensiven Arbeit im Jahr 1917 kann Pechstein die Nachfrage kaum bedienen. 1919 ist die Ausstellung bei Gurlitt schon wenige Tage nach der Eröffnung ausverkauft. Und auch die über vierzig Gemälde in der Einzelausstellung Pechsteins 1921 in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie, der bedeutendsten Institution für zeitgenössische Kunst, sind bereits alle an Privatsammler verkauft. Einer seiner Sammler ist Carl Steinbart, er ist Prokurist bei der Bank Mendelssohn & Co in Berlin und stellt bei der bereits erwähnten Ausstellung in der Nationalgalerie allein sieben Gemälde zur Verfügung. Das Porträt seiner Tochter Dora gibt Steinbart 1918 bei Pechstein in Auftrag. Blau, Rot und Gelb bestimmen den Charakter des vorliegenden Bildes. Pechstein greift hier auf die strahlenden Farben seiner expressionistischen Phase der Jahre 1909 bis 1911 zurück. Er konzentriert sich ganz auf die Situation der Dargestellten, die in ihrer versonnenen Haltung mehr träumend als gegenwärtig erscheint. Der Gegensatz der Komplementärfarben Blau und Gelb, der in vielen Gemälden von Max Pechstein eine herausragende Rolle spielt, ist hier durch das ins Grün changierende Gelb gemildert. Und doch dominiert der prägnante farbliche Aufbau die gesamte Komposition, die in ihrer lockeren Prägnanz des Pinselduktus typisch für das malerische Werk Pechsteins dieser Zeit ist. In gestischen Pinselstrichen moduliert er kontrastreich das Brustbild der jungen Frau. Besonders reizvoll ist die Lichtstimmung, die Pechstein hier einfängt. In goldgelb setzt er die Lichtreflexe auf Haar, Gesicht und Dekolleté der Dargestellten, unterstrichen von den kühlen Blau- und Grüntönen im Hintergrund bringt er ihre Erscheinung so zum Leuchten. Er schafft ein intimes Porträt und fängt den Zauber des Augenblicks ein. [SM]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Hermann Max Pechstein "Bildnis einer jungen Frau (Dora Steinbart)"
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