Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 120003470

 
120003470
Teh-Chun Chu
Composition N° 85, 1961.
Gouache
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
+
Objektbeschreibung
Composition N° 85. 1961.
Gouache.
Rechts unten zweifach in chinesischen und lateinischen Lettern signiert. Verso nochmal zweifach signiert, datiert und betitelt. Auf festem Velin von Arches (mit Trockenstempel). 38 x 56,5 cm (14,9 x 22,2 in), blattgroß.

• Chu Teh-Chun verbindet in seiner einzigartigen Bildsprache Elemente der klassischen chinesischen Kalligrafie mit Elementen des französischen Postimpressionismus und der westlichen Nachkriegsabstraktion.
• Er ist ein Pionier der lyrischen Abstraktion – für ihn sind Poesie und Malerei untrennbar miteinander verbunden.
• Er wird als erster Franzose mit chinesischer Abstammung 1997 in die Académie des Beaux-Arts in Paris aufgenommen
.

Mit einem Zertifikat der Chu Teh-Chun Foundation, Genf/Schweiz, vom 5. Februar 2021. Das Werk wird in den in Vorbereitung befindlichen Catalogue Raisonné aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie H. Le Gendre, Paris.
Privatsammlung (bis 1960er Jahre, in vorgenannter Galerie erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (durch Erbschaft vom Vorgenannten).

Essay
Chu Teh-Chun wird 1920 in der Provinz Jiangsu geboren, von klein auf übt sich der Sohn einer Familie von Ärzten und Kunstsammlern in der traditionellen Kunst der Kalligrafie. Schon mit 15 Jahren wird er in die Kunstakademie von Hangzhou aufgenommen, eine Talentschmiede, geführt von Lin Fengmian. Viele der dort unterrichtenden Professoren sind in der Ecole des Beaux-Arts in Paris und Dijon ausgebildet worden. Dort trifft Chu Teh-Chun auf Wu Guanzhong und Zao Wou-Ki. Ihr Lehrmeister Fang Ganmin, selbst ein berühmter Maler, macht seine jungen Studenten mit westlicher Kunst vertraut, unter anderem mit Cézanne, Matisse, Derain. Chu findet über die Malerei der französischen Postimpressionisten seinen eigenen Weg, der ihn von der Tradition der chinesischen Kunst zu einer lyrischen Abstraktion führen wird. Nach seinem Abschluss geht er mit seiner Familie nach Taiwan und wird Professor am Taipei National Institute of Technology im Fachbereich Architektur. In den 1950er Jahren stellen sich die ersten künstlerischen Erfolge ein. Die damit verbundene finanzielle Freiheit nutzt er für erste Reisen nach Frankreich. 1955 lässt er sich dauerhaft in Paris nieder und trifft dort auf seinen alten Schulkameraden Zao Wou-Ki. Im Musée de l’Art Moderne sieht er die Bilder von Nicolas de Staël. Die Abstraktionen des französischen Malers beeindrucken ihn tief. So tief, wie es einige Jahre später nur noch Rembrandt vermag. Es ist ein Wendepunkt in seiner Kunst. Ausgehend von seinen Tuschezeichnungen, entwickelt er eine gestische Malerei, die, abstrakt und poetisch, innere Bilder von einer ausgesprochenen Zartheit und Eleganz hervorbringt. [SM]
 


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