Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 154

 
154
Hanns Bolz
Frau mit Hut, Um 1912/13.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 30.000
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Objektbeschreibung
Frau mit Hut. Um 1912/13.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert, in der Darstellung mittig links bezeichnet "A.g.r". Auf dem Keilrahmen bezeichnet "Bolz. Paris. 19 Rue Daguerre". 61 x 50 cm (24 x 19,6 in).

• Wunderbare Arbeit aus dem kleinen aber qualitativ herausragenden Werk des wiederentdeckten Rheinischen Expressionisten Hanns Bolz.
• Bolz’ Gemälde wurden in den führenden Avantgarde-Galerien von Alfred Flechtheim in Düsseldorf und Hans Goltz in München ausgestellt und waren auch auf Herwarth Waldens legendärem "Erstem Deutschen Herbstsalon" (1913) in Berlin vertreten.
• Da der früh verstorbene Künstler vor seinem Tod seine Werke teils selbst vernichtet und teils testamentarisch deren Vernichtung verfügt hat, sind heute nur noch wenige Arbeiten des Künstlers erhalten.
• Bisher wurden erst 14 weitere Gemälde des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (www.artnet.de)
.

Mit einer Expertise von Herrn Ernst Cremer, Aachen, vom Oktober 2009 (in Kopie).
Das Gemälde ist in dem in Druck befindlichen Werkverzeichnis von Erich Kukies unter der Nummer 023 verzeichnet.

PROVENIENZ: Möglicherweise Nachlass des Künstlers.
Privatbesitz Süddeutschland (bis 1985).
Privatbesitz Aachen (um 1985).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1985 vom Vorgenannten erworben - 2009, Ketterer Kunst 12.12.2009).
Privatsammlung Europa (seit 2009, vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Möglicherweise: In memoriam Hanns Bolz, Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf 1922, Kat.-Nr. 5 ("Frau mit Hut").

LITERATUR: Ketterer Kunst, München, Auktion 360, 12.12.2009, Los 151 (mit Abb.).
Ernst Cremer, Hans Bolz. Botschafter der Moderne, Aachen 2018, S. 52/53 (mit Abb.).
"Bolz (mit Grete Tarrasch) und Thesing sind nach Paris abgereist. Der 'Komet' ist ganz verwaist, und mir fällt die dankbare Aufgabe zu, bei den Redaktionssitzungen ganz allein die Interessen der Mitarbeiter gegenüber den Redakteuren zu wahren."
Erich Mühsam, München, 6. Februar 1912, zit. nach: Erich Mühsam. Tagebücher, Bd. 2, 1911-1912.

Essay
Der früh verstorbene Hanns Bolz gehört zu den großen expressionistischen Talenten des Rheinlandes. Erst in den 1960er Jahren beginnt die kunsthistorische Forschung langsam den Namen Hanns Bolz aus der Vergessenheit zu holen, wobei einer umfassenden Beschäftigung mit seinem Werk leider bis heute die geringe Zahl an erhaltenen Arbeiten entgegensteht, da Bolz testamentarisch die Vernichtung seines Werkes verfügt und den Großteil seine Werke vor seinem Tod selbst vernichtet hat. Bolz' Leben und Werk lässt sich also bis heute nur in groben Eckdaten rekonstruieren. Demnach absolviert er wohl um 1905/1908 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Im Anschluss geht er nach Paris, wo er bis Kriegsbeginn die meiste Zeit verbringt. Er mietet sich ein Atelier auf dem Montmartre, rue Gabrielle 49, das zuvor von Pablo Picasso genutzt wurde. Im Café du Dôme ist er ständiger Gast und gehört bald zu der kleinen deutschen Künstlerkolonie, die sich dort um Purrmann und Levy etabliert hatte. Spätestens hier lernt er den Kunsthändler Alfred Flechtheim kennen, der den illustren und in seinen Stilrichtungen ganz heterogenen Kreis der "Dômiers" 1914 erstmals in seiner Galerie zeigt. Bolz wird bereits zu Lebzeiten bei den Kunsthändlern Hans Goltz in München und Alfred Flechtheim in Düsseldorf ausgestellt, die beide als Wegbereiter der Moderne gelten.
Unsere in der französischen Metropole entstandene Arbeit entstammt Bolz' Pariser Nachlass, welchen Freunde des Künstlers 1920 vor der Vernichtung bewahren können. In der 1922 veranstalteten Nachlassausstellung der Galerie Flechtheim "In memoriam Hanns Bolz", in welcher vermutlich auch unser Porträt "Frau mit Hut" vertreten ist, wird Bolz' Œuvre schließlich in der überschaubaren Zahl von nur 30 Ölgemälden der Öffentlichkeit präsentiert. Bolz, der den Ruf eines draufgängerischen Don Juan hat, setzt in der "Frau mit Hut" jedoch nicht etwa die Frau als Inbegriff makelloser Schönheit in Szene. Vielmehr schafft er durch kühle Analyse seines Gegenübers – was er durch seine Tätigkeit als Karikaturist vortrefflich beherrscht – einen weiblichen Charakterkopf von großer Ausdrucksstärke, der von Bolz` früherer Tätigkeit als Karikaturist bei der Satire-Zeitschrift "Komet" zeugt. Frontal ins Bild gesetzt umfangen Federhut und Pelzstola die charismatischen Gesichtszüge der eleganten Unbekannten, welche, aus leuchtenden, gegensatzreichen Farbflächen komponiert, energisch aus der Fläche hervortreten. In "Frau mit Hut" vereinen sich in spannungsreicher Form formale Einflüsse von Cézanne mit jenen der "Fauves". Vermutlich wird derjenige, dem es gelingen wird, das Geheimnis der Buchstabenreihe "A-g-r" zu enträtseln, der geheimnisvollen Identität der Dargestellten ein Stück näher kommen, jedoch wird dies in Anbetracht jenes eindrucksvoll-kühlen Charakterbildes fast zur Nebensächlichkeit.
Bolz ist auf allen wichtigen Ausstellungen seiner Zeit vertreten. Er nimmt an der Sonderbundausstellung 1912 in Köln, der Armory Show in New York und Chicago und an Herwarth Waldens "Erstem Deutschen Herbstsalon" 1913 in Berlin teil. 1914 wird der Künstler zum Militärdienst eingezogen und erleidet eine schwere Gasvergiftung, die ihn teilweise erblinden lässt. Bolz wird vorzeitig entlassen und verstirbt 1918 an den Folgen seiner Kriegsverletzung in der Kuranstalt Neuwittelsbach bei München. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Hanns Bolz "Frau mit Hut"
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