Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 563

 
563
Martin Kippenberger
Copa und Ipa (Vorfreude seitenverkehrt: Ich muss zuhause bleiben), 1986.
Collage. Frotteetuch, Stoff, Kunststofffolie, P...
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Copa und Ipa (Vorfreude seitenverkehrt: Ich muss zuhause bleiben). 1986.
Collage. Frotteetuch, Stoff, Kunststofffolie, Pappe und Hemdsärmel mit Serigrafie, auf Keilrahmen.
Verso signiert und datiert. 76 x 91,5 cm (29,9 x 36 in).
Im Original-Wellkartonrahmen.
Aus der 24 Unikate umfassenden Serie "Copa und Ipa"(1986), die 1986 in der Ausstellung "Martin Kippenberger. Endlich 3" in der Galerie Erhard Klein, Köln, zu sehen war.
• Humorvolles Zeugnis von Kippenbergers Anti-Kunst, mit der er für die Berliner Kunstszene der 1980er Jahre in entscheidender Weise prägend war.
• 2006 würdigte die Tate Modern, London, den früh verstorbenen deutschen Künstler mit einer großen Einzelausstellung.
• Arbeiten des international gefeierten Anti-Künstlers Martin Kippenberger befinden sich in zahlreichen internationalen Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art, New York, und der Tate Modern, London.
• 2013 zeigte das Museum Hamburger Bahnhof, Berlin, die Retrospektive "Martin Kippenberger: sehr gut / very good"
.

PROVENIENZ: Galerie Gisela Capitain, Köln.
Privatsammlung Hessen (bis 2010).
Privatsammlung Europa (seit 2010).

AUSSTELLUNG: Martin Kippenberger. Endlich 3, Galerie Erhard Klein, Köln 1986 (mit Abb.).

LITERATUR: Ketterer Kunst, München, Auktion 375, Post War / Zeitgenössische Kunst, 4.12.2010, Los 196 (mit Abb.).

Essay
Kippenbergers ausgesprochen vielseitiges Œuvre hinterfragt die Gesellschaft und den zeitgenössischen Kunstbetrieb. In provozierend banalen oder spöttischen Bildfindungen, die bewusst auch Peinlichkeiten akzeptieren, in Nonsenstexten und mit kalkuliertem Dilettantismus stellt er unsere traditionelle Vorstellung von Kunst und Künstler immer wieder aufs Neue in Frage. So auch in seinen im Anschluss an seine "Magical Misery Tour" durch Brasilien geschaffenen Copacabana-Motiven. Der belebten Strandpromenade wird der abgetrennte Hemdsärmel als Symbol des Arbeitsalltags und jener europäischen Zugeknöpftheit gegenübergestellt, welche Kippenberger mithilfe der Unangepasstheit seiner Kunst immer wieder zu durchbrechen versucht. Und so wird auch in unserer, von einem Frotteehandtuch mit Copacabana-Motiv beherrschten und gewecktes Fernweh ironisch kommentierenden Arbeit die konventionelle Vorstellung von Kunst und Künstler auf die Probe gestellt. Die Leinwand wird eben nicht von einem besonders virtuosen Farbauftrag beherrscht, sondern Kunst wird im Gegensatz dazu im Sinne einer Weiterentwicklung von Duchamps Ready-Mades des frühen 20. Jahrhunderts als das gekonnte Aufspüren und spitzfindige Kombinieren von Trouvaillen des Alltags verstanden. Weite Teile dieser Schaffensphase werden 1986 in der ersten umfassenden Museumsausstellung des Künstlers "Miete Strom Gas" im Landesmuseum Darmstadt der Öffentlichkeit präsentiert. [JS]
563
Martin Kippenberger
Copa und Ipa (Vorfreude seitenverkehrt: Ich muss zuhause bleiben), 1986.
Collage. Frotteetuch, Stoff, Kunststofffolie, P...
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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