Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 115

 
115
Lovis Corinth
Porträt Frau Korfiz Holm (Gattin des Schriftstellers Korfiz Holm), 1901.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 70.000
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Objektbeschreibung
Porträt Frau Korfiz Holm (Gattin des Schriftstellers Korfiz Holm). 1901.
Öl auf Leinwand.
Berend-Corinth 217. Rechts oben signiert und datiert. 89 x 76 cm (35 x 29,9 in).
Dargestellt ist die Ehefrau des Schriftstellers und Verlegers Diedrich Heinrich Korfiz Holm (1872–1942). Er war Geschäftsführer des Verlags Albert Langen, München, der u. a. seit 1896 die illustrierte satirische Wochenschrift "Simplicissimus" herausgab.
• Corinth, der Kraftmensch, hat mit zartem Strich und sanft leuchtenden Lichtreflexen ein wunderbares Porträt der Ehefrau seines Freundes geschaffen.
• Eines der seltenen, meisterlich durchkomponierten frühen Porträts von musealer Qualität.
• Auf den Corinth-Ausstellungen im Lenbachhaus München (1975), im Museum Folkwang, Essen (1985), und in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (1986), zusammen mit Corinths berühmtem "Selbstporträt mit Skelett" (1896) ausgestellt.
• Aus dem Umbruchsjahr 1901, in dem sich Corinth zwischen den beiden Kunstmetropolen München und Berlin bewegt.
• Die vergleichbaren frühen Porträts "Porträt der Mutter Rosenhagen" (1899, Nationalgalerie Berlin) und "Porträt Gerhart Hauptmann" (1900, Städtische Kunsthalle, Mannheim) befinden sich heute in Museumsbesitz
.

PROVENIENZ: Korfiz Holm, München (ab 1901, direkt vom Künstler).
Paul von Bleichert, Klinga/Sachsen.
Karl Vogt, Leipzig (spätestens seit 23.12.1932, wohl von Vorgenanntem erworben).
Georg Schäfer, Schweinfurt (spätestens 1967 - mindestens 1985).
Privatsammlung (um 1995 erworben - 2007, Sotheby’s 27.6.2007).
Privatsammlung Deutschland (seit 2007, vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Lovis Corinth, Das Portrait. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 1967, Kat.-Nr. 24.
Lovis Corinth 1858–1925. Gemälde und Druckgraphik, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 1975, Kat.-Nr. 43.
Lovis Corinth 1858–1925, Museum Folkwang, Essen, 1985 / Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 1986, Farbtafel 36.

LITERATUR: Charlotte Berend-Corinth, Manuskript und Materialsammlung zum Werkverzeichnis Lovis Corinth, o. Dat., Nr. 1901/4 (Bildarchiv des Bruckmann-Verlags – ZI München/Photothek).
Korfiz Holm an Charlotte Berend-Corinth, 1929, in: Charlotte Berend-Corinth, Die Gemälde von Lovis Corinth. Werkkatalog, München 1958, S. 193, Nr. 6.
Sotheby’s, London, 19th century european paintings, 27.6.2007, Los 69.

Essay
Obwohl Lovis Corinth bereits seit 1891 in München lebt und dort von Anfang an der neu gegründeten Münchner Sezession, der oppositionellen Fraktion des bayerischen Kunstbetriebes, angehört, ist er schließlich 1900 durch die Ausstellung in der Berliner Sezession schlagartig berühmt geworden. Das dort gezeigte Gemälde "Salome" (Museum der bildenden Künste, Leipzig) wurde für die Ausstellung in der Münchner Sezession abgelehnt, was Corinth dazu bewegt, dem Rat seines Berliner Künstlerkollegen Walter Leistikow zu folgen und das aufgrund seiner provokanten Nacktheit später als Skandalbild bekannt gewordene Gemälde auf der Ausstellung der Berliner Sezession zu zeigen. Unser im darauffolgenden Jahr entstandenes Damenporträt zeigt die Frau des Münchner Schriftstellers und Verlegers Diedrich Heinrich Korfiz Holm, Geschäftsführer des Verlags Albert Langen, der seit 1896 die illustrierte satirische Wochenschrift "Simplicissimus" herausgibt. Korfiz Holm, der in München zum engeren Kreis des Künstlers gehört, hat rückblickend festgehalten: "Corinth [..] war das Jahr vorher [1900] durch die Ausstellung seiner 'Salome' in der berliner Sezession mit einem Schlag berühmt geworden. Er hatte daraufhin, zum Teil aus Dankbarkeit, zum größeren Teil aus praktischen Erwägungen, sein Arbeitsfeld von München nach Berlin verlegt. Nun kehrte er, zum ersten mal als einer, der 'was vorstellte' – so drückte er es selber mit naiver Freude aus –, für ein paar Sommermonate in seinen alten Münchner Kreis zurück. Als ich ihm da beim Wiedersehen herzlich gratulierte, lachte er und sagte in dem breiten Ostpreußisch, das er sich über die pariser und die münchner Jahre unverfälscht hinweggerettet hatte: 'Nu, es war sehr nett und hat mich auch jefreeut. [..]'" (zit. nach: https://derblaueritter.de/der-verleger-korfiz-holm-ueber-lovis-korinth/). Im Herbst des Jahres 1901 kehrt Corinth dem als zu konservativ wahrgenommenen Münchner Kunstbetrieb schließlich dauerhaft den Rücken und lässt sich in der Kunstmetropole Berlin nieder, von dessen mondäner Großstadtwelt sich der gesellschaftliche Aufsteiger magisch angezogen fühlt. In diesem Jahr des persönlichen Umbruchs, des Wandelns zwischen zwei künstlerischen Welten, hat Corinth das wunderbare Porträt der jungen Frau seines Münchner Freundes geschaffen, das eindrucksvoll Corinths impressionistisches Vermögen und kompositionelle Meisterschaft belegt. Das von einem sanften Schimmer erfüllte Antlitz wird vom reich bestickten Kleid, dem goldgelb leuchtenden Bezug des Sofas, der opulenten Tischleuchte und der wirkungsvoll in Szene gesetzten Literatur im Vordergrund umspielt. Corinth ist im harmonischen Zusammenspiel dieser Elemente ein qualitativ herausragendes Porträt der Verlegergattin und der intellektuellen Münchner Bohème gelungen, die um 1900 im Schwabinger Akademieviertel ihr geistiges Zentrum gefunden hatte. Corinths Damenporträt, das zusammen mit Corinths berühmtem "Selbstporträt mit Skelett" (1896, Lenbachhaus München) auf den Corinth-Ausstellungen im Lenbachhaus München (1975), im Museum Folkwang, Essen (1985), und in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (1986), zu sehen war, fasziniert aufgrund des souverän geschilderten und mit leuchtenden Lichtreflexen akzentuierten Interieurs. Es zeigt damit deutliche Parallelen zu zwei heute in Museumsbesitz befindlichen Porträts des Künstlers, dem "Porträt Gerhard Hauptmann" (1900, Städtische Kunsthalle, Mannheim) und dem "Porträt der Mutter Rosenhagen" (1899, Nationalgalerie Berlin), die – wie auch unsere Arbeit – mit ihrem sanften Strich in spannungsvollem Gegensatz zu der etwas groben und hünenhaften körperlichen Erscheinung ihres kraftvollen Schöpfers stehen. [JS]
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Lovis Corinth
Porträt Frau Korfiz Holm (Gattin des Schriftstellers Korfiz Holm), 1901.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 70.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Lovis Corinth "Porträt Frau Korfiz Holm (Gattin des Schriftstellers Korfiz Holm)"
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