Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 186

 
186
Alexej von Jawlensky
Meditation, 1935.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Karto
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 107.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Meditation. 1935.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Karton kaschiert.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/Jawlensky 1731. Links unten monogrammiert, rechts unten datiert. Auf dem Unterlagekarton von Lisa Kümmel links unten datiert und bezeichnet "VIII" sowie rechts unten bezeichnet "N. 20". 18,6 x 13,3 cm (7,3 x 5,2 in). Unterlagekarton: 32,5 x 25 cm (12,7 x 9,8 in).

• Seit Entstehung Teil derselben Privatsammlung.
• In den "Meditationen" erreicht Jawlensky den Höhepunkt seiner malerischen Abstraktion.
• Seine letzte Werkserie ist Ausdruck der ungebrochenen Schaffenskraft und innovativen Experimentierfreude des Künstlers
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Wiesbaden (als Geschenk direkt vom Künstler erhalten).
Privatsammlung Mecklenburg-Vorpommern (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).

AUSSTELLUNG: Galerie Ludwig Hillesheimer, Wiesbaden, 29.5.-25.6.1948, Kat.-Nr. 27 (mit dem Titel "Kopf Nr. 20").
Museum am Ostwall, Dortmund (1992-2004 als Dauerleihgabe).
Espressionismo Tedesco. La collezione del Museum am Ostwall di Dortmund, Archivio del '900, Rovereto, 8.4.-26.6.1994 (mit Farbabb., S. 193).
Alexej von Jawlensky. Reisen, Freunde, Wandlungen, Museum am Ostwall, Dortmund, 16.8.-15.11.1998 (mit Farbabb., S. 305).
Monets Vermächtnis. Serie Ordnung und Obsession, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, 28.9.2001-6.1.2002 (mit Farbabb., S. 85).
Alexej von Jawlensky. Magische Bilder, Kunsthalle Krems, 27.4.-21.9.2003 (mit Farbabb., S. 130).
Pommersches Landesmuseum, Greifswald (2004-2021, als Dauerleihgabe).

LITERATUR: Ingo Bartsch und Tayfun Belgin, Meisterwerke des Expressionismus und der Klassischen Moderne, Museum am Ostwall, Dortmund 1995 (mit Farbabb., S. 70).
"Meine letzte Periode meiner Arbeiten hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger, nur mit der Farbe gesprochen. Da ich gefühlt habe, dass ich in Zukunft infolge meiner Krankheit nicht mehr werde arbeiten können, arbeitete ich wie ein Besessener diese meine kleinen Meditationen. Und jetzt lasse ich diese kleinen, für mich aber bedeutenden Werke für die Zukunft den Menschen, die Kunst lieben."
Alexej von Jawlensky, zit. nach: Ausst.-Kat. Alexej von Jawlensky. Reisen, Freunde, Wandlungen, Dortmund 1998, S. 119.

Essay
1921 fällt Alexej von Jawlensky die Entscheidung, Ascona und der Schweiz endgültig den Rücken zuzukehren und zurück nach Deutschland zu gehen. Den Künstler zieht es nach Wiesbaden, wo er auf einen treuen Freundes- und Sammlerkreis zurückgreifen kann. Ein Jahr später siedelt dann auch seine langjährige Lebensgefährtin Helene Nesnakomoff mit dem gemeinsamen Sohn Andreas in die Kurstadt über, wo Helene und Alexej Jawlensky im Juli schließlich heiraten. Bereits ab 1929 zeigen sich bei Jawlensky deutliche Symptome einer schweren Arthritis, die in den darauffolgenden Jahren sowohl sein alltägliches Leben als auch sein künstlerisches Arbeiten grundlegend und irreversibel verändert. Schon bald ist es Jawlensky nicht mehr möglich, an Veranstaltungen teilzunehmen, sich mit Sammlern und Galeristen zu treffen oder überhaupt das Haus zu verlassen. Trotz seiner Schmerzen und der starken körperlichen Einschränkungen infolge der fortschreitenden Krankheit denkt der Künstler nicht im Ansatz daran, das Malen aufzugeben - im Gegenteil. Um seinen künstlerischen Schaffensdrang weiterhin befriedigen zu können, verkleinert er ab etwa 1933 die Formate seiner Werke und beginnt seine letzte Gemäldeserie, die "Meditationen", zu der auch die hier angebotene Arbeit gehört.

Motivisch entwickeln sich die "Meditationen" aus der zuvor entstandenen Werkserie der "Abstrakten Köpfe" weiter. Das die Komposition bestimmende Sujet ist und bleibt das menschliche Gesicht und der menschliche Kopf, den Jawlensky nun in noch konsequenterer Abstraktion, mithilfe eines aus kräftigen schwarzen Pinselstrichen erbauten Liniengerüsts und mit jetzt dunkleren Farben zu Papier bringt. Das serielle Arbeiten, dem sich der Künstler bereits ab 1914 verschreibt, und das mittlerweile immer gleiche, kleine Format seiner Bildträger erlauben ihm, mit fast wissenschaftlicher Experimentierfreude die Wirkung verschiedenster Farbkombinationen und der daraus resultierenden Kontraste auszuloten.

Auch die hier angebotene Arbeit mit ihren Hell-Dunkel- und Kalt-Warm-Kontrasten, ihrer nun deutlich dynamischeren Pinselführung und der dadurch deutlich spürbaren emotionalen Ausdrucksstärke führt nicht nur Jawlenskys damals angestrebte formale Reduktion, seine ganz eigene, charakteristische Gleichzeitigkeit von Abstraktion und Figuration sowie seine hier bis zur Perfektion getriebene Stilisierung des menschlichen Antlitzes vor Augen. Sie dokumentiert in der Fülle unterschiedlichster Farben vor allem auch die ungebrochene Schaffenskraft eines Mannes, für den das Ende seiner schöpferischen Arbeit undenkbar war und für den das Komponieren immer neuer Farbmelodien die Quelle seines ungeheuren Lebenswillens darstellte. [CH]
186
Alexej von Jawlensky
Meditation, 1935.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, auf Karto
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 107.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)