Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 19.06.2021 in München Lot 121000634

 
121000634
Max Liebermann
Holländische Frau beim Tischgebet, Um 1884.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 15.000 - 20.000
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Objektbeschreibung
Holländische Frau beim Tischgebet. Um 1884.
Öl auf Malpappe.
Vgl. Eberle 1886/1. Rechts oben signiert. Verso mit handschriftlichen Nummerierungen. 50 x 36,5 cm (19,6 x 14,3 in).

• Erstmals auf dem Auktionsmarkt angebotene Arbeit aus einer Privatsammlung, die bedeutende Werke deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts vereint.
• Bisher unbekannte Vorstudie zum großformatigen Gemälde „Das Tischgebet“, 1886 (Privatbesitz Düsseldorf).
• Entstanden auf Liebermanns Hochzeitsreise in die Niederlande 1884, die sich für das zukünftige Schaffen des Künstlers als ungemein prägend und produktiv erweist.
• Außergewöhnlich genau und psychologisierend widmet sich Liebermann in bewegter Handschrift dem ausdrucksstarken Gesicht der holländischen Frau
.

PROVENIENZ: Gemälde-Galerie Carl Nicolai, Berlin (auf der Rahmenrückseite mit dem Etikett).
Sammlung Theodor Johannsen, Wedel (wohl Ende der 1920er Jahre beim Vorgenannten erworben, seither in Familienbesitz).

LITERATUR: Rudolf Lepke's Kunst-Auctions-Haus, Berlin, Katalog von Oelgemaelden, Aquarellen und Zeichnungen erster Meister unserer Zeit aus bekanntem Berliner Besitz, Versteigerung 5.12.1899, Los 61.

Essay
Die Studie der betenden Frau verwendet Liebermann für die prägnant am linken Bildrand des 1886 ausgeführten Gemäldes "Das Tischgebet" (Eberle 1886/1) im Lehnstuhl sitzende Großmutter. Rechts neben ihr hat sich am runden Tisch die Familie bis zu den Enkelkindern versammelt. Liebermann kommentiert die Motivwahl: "Ich habe den Moment gewählt, wenn nach Abfütterung des Viehs die ganze Familie sich zur Mahlzeit versammelt und der Großvater vor dem Essen das Gebet spricht, dem die Großmutter, nicht mehr kräftig genug um aufzustehen, im Lehnstuhl andächtig lauscht, ähnlich dem jüngsten Enkel, dessen Füßchen noch nicht hinlänglich erstarkt sind, als dass er sich gleich der übrigen Familie stehend an der Andacht beteiligen könnte" (zit. nach: Eberle, S. 282). Ungewöhnlich detailreich und erzählerisch gestaltet Liebermann das Gemälde, in dem die einzelnen Personen genau charakterisiert sind. Ungewöhnlich psychologisierend schildert er auch die Kommunikation der Figuren, wobei die Familie als soziales Gefüge wohl auch durch Liebermanns eigene neue Lebensumstände motivisch interessant geworden sein dürfte. Im September 1884 heiraten Liebermann und die Schwester seiner Schwägerin, Martha Mackwald. Die Hochzeitsreise führt nicht nach Italien oder Frankreich, sondern in die Niederlande, wo Liebermann zahlreiche Studien und Skizzen anfertigt, die er in späteren Gemälden auszuführen gedenkt. Der befreundete Malerkollege und bedeutende Vertreter der Haager Schule, Jozef Israëls, schließt sich dem frischverheirateten Paar an, gemeinsam besucht man unter anderem das Dorf Carelshaven bei Delden in der Region Twente. Hier entsteht auch die erste kompositorische Studie für "Das Tischgebet", auf der die Familie in der in größter Einfachheit eingerichteten Stube mit dem nackten, gestampften Boden, im Hintergrund das Vieh, zum einfachen Abendessen einer Schüssel Kartoffeln zusammenkommt. Der Einfluss Jozef Israëls ist hier deutlich spürbar: nicht nur in der dunklen, tonigen Farbwahl, die so charakteristisch ist für niederländische Interieurs, sondern auch im Motiv, das Israëls 1885 bspw. in "Bauernmahlzeit in Delden" (Dordrechts Museum, Niederlande) festgehalten hat, und auch Vincent van Gogh in seinen "Kartoffelessern" von 1885 (Van Gogh Museum, Amsterdam) verewigt. Über die Schilderung der abendlichen Zusammenkunft hinaus wird das Innehalten vor der einfachen Mahlzeit mehr oder weniger deutlich mit religiösem Beiklang versehen, der die Demut und Genügsamkeit der Bauersleute zum eigentlichen Inhalt aller dieser Gemälde werden lässt. [KT]
 


Weitere Abbildungen
 
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