Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 121000666

 
121000666
Erich Heckel
Im Gespräch, 1912.
Aquarell über Kohle
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Im Gespräch. 1912.
Aquarell über Kohle.
Unten mittig signiert und datiert. Verso betitelt. Auf chamoisfarbenem Bütten. 24 x 31,7 cm (9,4 x 12,4 in), blattgroß. [JS].

• Aus der besten Schaffenszeit des bedeutenden Expressionisten und "Brücke"-Künstlers.
• Seltene intime Schilderung der ärmlichen Wohnsituation des Künstlers und seiner Freundin Sidi Riha in ihrer Berliner Dachbodenwohnung.
• Sidi wird in jener Zeit häufig liegend, schwach und kränklich gezeigt, wie etwa auch auf dem berühmten Triptychon "Genesende" im Harvard Art Museum / Busch-Reisinger-Museum, Cambridge.
• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten
.

Die Arbeit ist im Archiv des Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen am Bodensee, registriert.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.

AUSSTELLUNG: Erich Heckel, Kunstverein Kontanz/Bad Saulgau, Kat.-Nr. 21.
Erich Heckel, Städtische Galerie Würzburg, Würzburg 1983, Kat.-Nr. 25 (mit Abb.).
Erich Heckel, Kunstverein Braunschweig, Braunschweig 1985, S. 23 (mit Abb.).
Erich Heckel, Kunstverein Reutlingen/Wiesbaden, 1988, Kat.-Nr. 17, (Abb. Tafel 16).
Erich Heckel, Museum Stade, Stade 1996.
Frauen in Kunst und Leben der Brücke, Landesmuseum Schleswig, Schleswig 2000, Kat.-Nr. 90, S. 171 (mit Abb.).
Lebensraum Atelier, Kunstmuseum Moritzburg, Halle 2015.

"Gestern waren wir bei Heckel und seiner Freundin, der - Tänzerin Sidi Riha, als wir weggingen hatten wir beide das Gefühl bei zwei Kindern gewesen zu sein. In einer ärmlichen Dachkammer sitzt die kleine Tänzerin in einem hellblauen Samtkleid, mit wunderschönen Silberspangen, die Heckel ihr angefertigt hat. Maria brach sofort auf ihrem von bemalten Latten zusammengenagelten Stuhl zusammen; wir beide kamen uns überhaupt wie ungeschlachte Bären dort vor."
Franz Marc an Wassily Kandinsky, 18./19.1.1912, zit. nach: Andreas Hünecke, Erich Heckel, Bd. I, S. 217.

Essay
Im Dezember 1911 zieht Heckel mit seiner Freundin, der Tänzerin Sidi Riha, von Dresden nach Berlin. Gemeinsam beziehen sie dort die ehemalige Dachbodenwohnung des expressionistischen Künstlerkollegen Otto Mueller in der Mommsenstraße 60, die sie in den kommenden Monaten mit selbstgezimmerten Möbeln und bemaltem Sackleinen an den Wänden notdürftig ausstatten. Die ärmliche Wohnsituation der beiden hat der Kunsthistoriker Walter Kaesbach rückblickend folgendermaßen beschrieben: "Um zu ihnen zu kommen, musste man unzählige Stufen hinaufklettern. Schließlich stand man vor einer eisernen Türe, die in einen riesigen Speicher führte. In einer Ecke war ein Teil des Speichers, wie ein Käfig mit Brettern abgegrenzt. Das war die Wohnung, die Erich und Sidi Heckel sich mit Kisten und Brettern ausgebaut hatten. Sie besaßen ein Atelier, ein Wohnzimmer und eine kleine Küche. Alle Wände und auch der Boden waren mit Sackleinen bespannt, das Heckel selbst bemalt hatte." (zit. nach: Hüneke, Bd. 1, S. 384). Schwer beheizbar war der unausgebaute Dachboden und die schmächtige Sidi wird in dieser Zeit von Heckel häufig liegend als Müde, Kranke oder Genesende dargestellt. Das Aquarell "Im Gespräch" aus Heckels bester Schaffenszeit gibt einen intimen Einblick in diese ärmliche Lebenssituation des bedeutenden Expressionisten und "Brücke"-Künstlers. [JS]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Erich Heckel "Im Gespräch"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.