Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 346

 
346
Walter Dexel
Gelbe Halbscheibe mit Weiß und Grau, 1926.
Öl auf Malpappe, auf Holz
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Gelbe Halbscheibe mit Weiß und Grau. 1926.
Öl auf Malpappe, auf Holz.
Wöbkemeier 313. Links unten signiert und datiert. 38,5 x 35,7 cm (15,1 x 14 in).

• Geschlossene Provenienz.
• Bei den konstruktivistischen Werken der 1920er Jahre handelt es sich um die auf dem internationalen Auktionsmarkt gesuchtesten Arbeiten des Künstlers.
• 1974 Teil der umfassenden Einzelausstellung in der Kestner Gesellschaft, Hannover.
• Das dieser Arbeit entsprechende Hinterglasbild befindet sich im Sprengel Museum, Hannover.
• Dexels konsequente, puristische Formen und Kompositionen sichern ihm zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine herausragende Stellung unter den Konstruktivisten
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Sammlung Grete Dexel, Braunschweig.
Galerie Bargera, Köln (um 1974, auf der Rahmenrückwand mit dem handschriftlich bezeichneten Galerieetikett).
Privatsammlung Frankreich (1975 vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Belgien (1999 durch Erbschaft vom Vorgenannten).

LITERATUR: Deutsches Kulturzentrum, Goethe-Institut, Paris, ab 15.2.1972, Faltblatt Nr. 11.
Walter Dexel, Kestner Gesellschaft, Hannover, 25.1.-3.3.1974, Kat.-Nr. 229, S. 112 (auf der Rahmenrückwand mit dem handschriftlich und typografisch bezeichneten Ausstellungsetikett).
Deutsche Konstruktivisten der 1920er Jahre. Baumeister, Buchheister, Burchartz, Dexel, Kandinsky, Kesting, Röhl, Stuckenberg, Vordemberge, Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen, 21.11.1974-31.1.1975, Kat.-Nr. 8 (mit dem Titel "Komposition 1926").
Hauswedell & Nolte, Hamburg, 206. Auktion, 5.6.1975, Los 362, S. 117 (mit Abb.).

Essay
Nach einigen wenigen Jahren der figurativen Malerei mit expressionistischen und kubistischen Tendenzen findet Walter Dexel in den 1920er Jahren zu einer ganz freien, abstrakten Bildsprache ohne Bezüge zur Wirklichkeit. Durch seine Freundschaften und engen Beziehungen zu Bauhaus-Künstlern wie László Moholy-Nagy, dem Dadaisten Kurt Schwitters und dem De-Stijl-Künstler Theo van Doesburg lernt er die konstruktivistische Malerei kennen und löst sich um 1922 auch aufgrund dieser Einflüsse seines direkten künstlerischen Umfelds schließlich endgültig vom Gegenstand. Mit logischen, mathematisch-rationalen Regeln und der Konzentration auf wenige, einfache elementare Formen komponiert er nun klare, streng geometrische Gefüge in fast puristischer Reinheit, in denen Motiv und Hintergrund zu einer "gemeinsamen" Fläche zusammenwachsen. In immer neuen Anordnungen und Variationen lotet Dexel das spannungsvolle Verhältnis von Farben, Formen, Linien und seltener auch Buchstaben und Ziffern innerhalb einer rechteckigen Bildfläche aus.

Im Hinblick auf eine spätere Realisierung als Hinterglasbild schafft Dexel 1926 einige wenige, sehr starke Kompositionen in fast quadratischem Format. Das hier vorliegende, kontrastreiche Werk mit seiner fast poetischen Verbindung kräftiger, satter Farben und zarter Mischtöne sowie kantiger, eckiger Formen, feiner Linien und eines die Komposition aufbrechenden Halbrunds scheint er jedoch selbst für die gelungenste Komposition gehalten zu haben, denn genau diese entsteht im selben Jahr als Hinterglasbild. Heute ist es Teil der Sammlung des Sprengel Museums in Hannover.

Dexel verfolgt sein Ziel mit einer unerschütterlichen Konsequenz, diese sichert ihm eine herausragende Stellung unter den Konstruktivisten seiner Zeit. Mehrfach stellt Dexel in der Berliner Galerie Der Sturm u. a. mit Oskar Schlemmer und Willi Baumeister aus. Auch die hier angebotene Arbeit beweist in ihrer stark konturierten, klaren Formensprache und einer ganz eigenen Poesie im Einsatz der Farben sowie in der Anordnung der Formen Dexels so bedeutende Rolle in der konstruktivistischen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, ebenso sein progressives Denken und seine innovative schöpferische Kraft, mit der sich sein frappierend zeitloses Schaffen auch im internationalen Vergleich bis heute zu behaupten weiß. [CH]
346
Walter Dexel
Gelbe Halbscheibe mit Weiß und Grau, 1926.
Öl auf Malpappe, auf Holz
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)