Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 159

 
159
Helmut Kolle gen. vom Hügel
Arena mit Stierkämpfer und sterbendem Stier (Tauromachie III), Um 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 50.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Arena mit Stierkämpfer und sterbendem Stier (Tauromachie III). Um 1930.
Öl auf Leinwand.
Chabert 245. Rechts unten signiert. 100 x 81 cm (39,3 x 31,8 in).

• Außergewöhnliche Komposition aus den reifen Pariser-Jahren.
• Kolle stirbt bereits 1931 und hinterlässt ein hochkarätiges malerisches Œuvre.
• Ausgestellt auf der großen Kolle-Ausstellung im Lenbachhaus in München (1994/95).
• Kolles Figurenbilder von Toreros, Soldaten und Matrosen zeichnen sich durch den fließenden Übergang zum Selbstporträt aus.
• Ein zeitgleich entstandenes Selbstporträt mit rotem Einstecktuch befindet sich in der Sammlung des Städel Museums, Frankfurt am Main
.

PROVENIENZ: Prof. Dr. Kurt Kolle, Starnberg.
Dr. Peter Kolle, Hannover.
Galerie Vömel, Düsseldorf (auf dem Keilrahmen mit dem fragmentarischen Etikett).
Privatbesitz Norddeutschland (bis 2017).

AUSSTELLUNG: Helmut Kolle 1899-1931, Lenbachhaus München, 17.12.1994-5.2.1995, Kat.-Nr. 53 (mit Abb.).
Helmut Kolle, Galerie Orangerie-Reinz, Köln, 25.4.-27.6.1998, und Galerie Vömel, Düsseldorf, November 1998-Januar 1999, S. 36, mit ganzs. Farbabb. S. 37.
Helmut Kolle. Ein Deutscher in Paris, Kunstsammlungen Chemnitz, Museum Gunzenhauser, 7.11.2010-1.5.2011; Ernst Barlach Haus, Hamburg, 22.5.-25.9.2011, Kat.-Nr. 64 (mit Abb.).
Helmut Kolle, Galerie Vömel, Düsseldorf, 14.9.-2.11.2016, o. S. (mit Abb.).

"An all das mußte ich erschüttert einige Monate später denken, als ich nach Kolles Tode in der Ausstellung seiner Bilder Picasso brüderlich über Leben und Werk des Jüngeren geneigt und die unerhörte Vitalität dieser Bilder und die schönheit.. rühmen hörte."
Wilhelm Uhde, zit. nach: Hartwig Garnerus, Helmut Kolle 1899-1931, München 1995.

Essay
Helmut vom Hügels malerisches Werk, das mit seinem frühen Tod mit nur 32 Jahren ein viel zu frühes Ende findet, hat eine singuläre Stellung in der Kunstgeschichte der europäischen Moderne. Als Kolle 1899 in Berlin geboren, muss der junge Künstler schon bald feststellen, dass die Berliner Kunstszene, in weiten Teilen noch immer von den impressionistischen Arbeiten Max Liebermanns beherrscht, noch nicht reif für sein Werk zu sein scheint. Im September 1918 macht der junge Kolle die Bekanntschaft des Kunsthändlers und -kritikers Wilhelm Uhde. Die enge Freundschaft mit Uhde, der bereits 1904 eine Galerie am Montparnasse eröffnet und als Entdecker von Picasso, Braque und Rousseau gilt, wird für die künstlerische Entwicklung Kolles von entscheidender Bedeutung. Auch ist es der Freund und Förderer Uhde, der nach Kolles frühem Tod die erste Biografie des Malers verfasst hat, welche Kolles Ruf bis heute als eines zu früh verstorbenen Protagonisten der europäischen Moderne festschreibt. Gemeinsam mit Uhde siedelt Kolle 1924 schließlich in die Kunstmetropole Paris über. Kolles Arbeiten sind dort bald beim Publikum und bei der Presse gleichermaßen erfolgreich. Kurz nachdem französische Sammler und Museen Arbeiten des deutschen Malers anzukaufen beginnen, muss der herz- und lungenkranke Kolle 1928 die Stadt verlassen. Er zieht zu seinem Freund Wilhelm Uhde nach Chantilly, wo er am 17. November 1931 im Alter von 32 Jahren stirbt. Während Kolles Berliner Frühwerk häufig noch deutliche Reminiszenzen an die Künstler der Pariser Avantgarde wie Picasso, Braque und Laurencin zeigt, findet Kolle in Paris mehr und mehr zu seiner eigenen, unverwechselbaren künstlerischen Handschrift. Nahezu ausschließlich entstehen fortan Porträts, und darunter mehrheitlich solche von jungen kräftigen Männern. Selbst mit einer labilen Gesundheit lebend, scheint Kolle in der Darstellung junger kräftiger Männer ein erträumtes Ideal von Kraft und Männlichkeit gesehen zu haben, das er selber nie erreichte. So bevölkern meist isolierte Matrosen, Soldaten und Toreros seine Gemälde; Figuren, die vor Kraft und Tatendrang strotzen und bei denen der Übergang zum idealisierten Selbstporträt häufig fließend zu sein scheint. Auch wenn wir in dieser siegreichen Stierkampfszene eine jener formal reifen Schöpfungen Kolles vor uns haben, die sich in keine der etablierten Stilrichtungen einfügen lassen, so sind es in diesem Fall Motiv und Titel, die klare Bezüge zu Picasso aufweisen, der bereits 1927 im Auftrag des Verleges Gustavo Gili die Tauromaquia von José Delgado y Galvez illustrieren sollte, ein Projekt, das jedoch erst 1956, also deutlich nach Kolles Gemälde, zur Ausführung gelangte. Kolle hat sich ab Mitte der 1920er Jahre mehrfach mit der Motivik des Toreros auseinandergesetzt, den er entweder siegreich oder auch sterbend oder verwundet zeigt. Außergewöhnlich ist im vorliegenden Gemälde die szenische Darstellung, die auch die Manege, den blutüberströmten sterbenden Stier und den assistierenden Pagen zeigt. [JS]
159
Helmut Kolle gen. vom Hügel
Arena mit Stierkämpfer und sterbendem Stier (Tauromachie III), Um 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 50.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)