Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 353

 
353
Horst Antes
Kopffigur, 1968/1971.
Aquatec auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 60.000
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Objektbeschreibung
Kopffigur. 1968/1971.
Aquatec auf Leinwand.
Volkens 1971-1. Rechts unten signiert. Verso auf der Leinwand signiert, datiert "Juni 1968/71", betitelt und mit der Technikangabe bezeichnet. 121 x 101 cm (47,6 x 39,7 in).

• Die von Horst Antes entwickelten "Köpfe" und "Kopffüßler" bilden über zwei Jahrzehnte hinweg den Mittelpunkt seines Schaffens und gelten als die gefragtesten Motive des Künstlers.
• 1966 sind diese Arbeiten u. a. auf der XXXIII. Biennale in Venedig ausgestellt.
• Im Entstehungsjahr 1968: Teilnahme an der documenta 4 in Kassel.
• Besonders reizvolle Farbgebung durch die im Œuvre seltene Kombination von kräftigen, satten Farben und monochromer Musterung.
• Vergleichbare Arbeiten aus demselben Entstehungsjahr befinden sich bspw. im Sprengel Museum, Hannover, in der Neuen Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und im Franz Marc Museum, Kochel am See
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinfelden.
Galerie Gimpel & Hannover, Zürich.
Privatsammlung (seit 1986, Hauswedell & Nolte, Hamburg, 9.6.1986, Los 14).

AUSSTELLUNG: Horst Antes. Ausstellung Neuer Ölbilder und Plastiken, Galerie Otto Stangl, München, 20.7.-10.9.1968, Kat.-Nr. 18 (mit Abb., Nr. 20, verso auf dem Keilrahmen mit dem teils handschriftlich bezeichneten Galerieetikett).
Kunstausstellung in der Evangelischen Kirche, Öflingen, 15.5.-4.7.1971.

LITERATUR: Hauswedell & Nolte, Hamburg, 263. Auktion, Moderne Kunst, 9.6.1986, Los 14 (mit Farbabb., Tafel 48).
"Der ganze Mensch ist im Kopf enthalten."
Horst Antes, zit. nach: Ausst.-Kat. Horst Antes. Gemälde, farbige Blätter und Zeichnungen (1959-1982). Sammlung Wolf und Ursula Hermann, Bremen, Hannover/Ludwigshafen 1983/1984, S. 26.

Essay
Mit seiner ganz eigenen, unverwechselbaren figurativen Bildsprache gilt Horst Antes als einer der herausragenden Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Die hier angebotene Arbeit entsteht an einem Höhepunkt seines viele Jahrzehnte überspannenden Schaffens. 1964, 1968 und 1977 nimmt Antes an der documenta III, 4 und 6 in Kassel teil. Im Jahr 1971 kann der Künstler auf beeindruckende, internationale Ausstellungsbeteiligungen zurückblicken, darunter in der Galerie Beyeler, Basel, in der Kunsthalle Bern und im National Museum of Modern Art in Tokio. Im selben Jahr ist Antes zudem an gleich zwei groß angelegten Ausstellungen im Haus der Kunst in München beteiligt. Heute sind seine Arbeiten Teil renommierter Sammlungen, u. a. des Städel Museums, Frankfurt a. M., des Sprengel Museums, Hannover, des Museum Ludwig, Köln, und der Neuen Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München. 2013 ist ihm eine groß angelegte Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau gewidmet.
Um 1960 löst sich Horst Antes' malerisches Schaffen endgültig vom abstrakten Informel. In diesen Jahren findet er zu einer ganz eigenen Bildsprache, dominiert von seinen "Kopffüßler"-Gestalten, zugleich modernen, aber auch nahezu archaisch anmutenden Figuren mit überdimensionierten Köpfen und Füßen, die, im Profil gezeigt und in variierenden Erscheinungsformen, von nun an seine Gemälde bevölkern. Aus der konsequenten Reduktion der "Kopffüßler" entwickelt Antes wenig später dann die reinen "Köpfe", zu der auch die hier angebotene, bereits 1968 entstandene Arbeit zu zählen ist und diese besondere künstlerische Selbstfindung in diesen Jahren eindrucksvoll zu dokumentieren weiß.

Über zwei Jahrzehnte hinweg bleiben diese Kunstfiguren die Hauptakteure der so individuellen Motivwelt des Künstlers und prägen mit ihrem hohen Wiedererkennungswert die Charakteristiken seines Schaffens. In der Verbindung von nüchternen, geometrischen Formen und einem durchaus malerischen Farbauftrag gelangt Antes zu einer Figuration, die - ähnlich wie jahrtausendealte Höhlenmalereien - etwas Zeitloses, Überdauerndes ausstrahlt. Seine archetypischen Figuren, mit deren überdimensionierten Köpfen er immer auch das geistige Vermögen des Menschen thematisiert, sprechen nicht nur zu zeitgenössischen Betrachter:innen, sondern üben mit ihrer Deutungsoffenheit, ihrer allgemeingültigen Bildsprache und dem starken visuellen Fokus auf den Menschen auch heute noch eine anziehende Faszination aus.

In seinem malerischen Schaffen porträtiert Antes den "Kopf" in immer wechselnden Erscheinungsformen, entwirft ihn mal farbenfroh verspielt, mal zurückhaltend in leichten, nahezu monochromen Farben, stellt ihm die unterschiedlichsten Requisiten - eine Mondsichel, Tiere oder ein Rohr - zur Seite, schenkt ihm ein Auge, hebt ihn auf zwei Räder, versetzt ihn in fragmentierte Interieurs oder Landschaften hinein oder überzieht ihn im Kontrast zu der sonst so strengen Formgebung mit frei ins Bild gesetzten Mustern. Auch die malerische Wirkung der einzelnen formatsprengenden Köpfe sucht der Künstler zu variieren und schafft unter Beimischung von ungewöhnlichen Partikeln wie Sägemehl, so in der hier angebotenen Arbeit, eine haptisch reizvolle, sandige, fast körnige Oberfläche. Auf diese Weise gleicht letztendlich kein "Kopf" dem anderen.

Das hier angebotene Werk stellt Horst Antes zunächst 1968 fertig, im selben Jahr wird es in der Münchener Galerie Otto Stangl erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Vollendet wird es jedoch erst 1971, nachdem der Künstler es noch einmal überarbeitet und damit seinen mittlerweile wohl leicht veränderten Vorstellungen und künstlerischen Idealen anpasst. Auf der Rückseite des Werkes ist heute deshalb eine zweite Jahreszahl zu lesen. [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Horst Antes "Kopffigur"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4% inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.