Auktion: 522 / Klassische Moderne Teil II am 11.12.2021 in München Lot 428

 

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Alexej von Jawlensky
Große Meditation: Zärtlichkeit im Herbst, 1936.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, original au...
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
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Große Meditation: Zärtlichkeit im Herbst. 1936.
Öl auf leinenstrukturiertem Papier, original auf Malpappe kaschiert. Auf Holz aufgelegt.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/Jawlensky 2087. Links unten monogrammiert sowie rechts unten datiert. Verso von Lisa Kümmel mit dem Künstlernamen sowie mit "XI. 1936" und "N. 28" bezeichnet. Von Lisa Kümmel verso betitelt "Meditation XL" und "Zärtlichkeit im Herbst". Verso zusätzlich von Andreas Jawlensky, dem Sohn des Künstlers, auf der Holzplatte bezeichnet "A. Jawlensky / Grosse Meditation XL, Nr. 28/XI 1936 / Zärtlichkeit im Herbst" sowie mit den Maß- und Technikangaben. 24,1 x 17,6 cm (9,4 x 6,9 in). Unterlagekarton: 26 x 19,6 cm (10,2 x 7,7 in).
[CH].
• Meisterliche Visualisierung der so wunderbar lasierenden Malweise Jawlenskys.
• Feinste Farbabstufungen von zartem Lila über Rot zu kräftigem Violett.
• Das menschliche Antlitz verändert Jawlensky mit großer Empathie zu einer ikonengleichen Erscheinung religiösen Gefühls.
• Aus dem Nachlass des Künstlers.
• Eine "Große Meditation" aus demselben Entstehungsjahr befindet sich im Museum of Modern Art, New York
.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (Sammlung Andreas und Maria Jawlensky, Locarno).
Privatsammlung Bonn (1972 vom Vorgenannten als Geschenk zur Hochzeit erhalten).
Galerie Linssen, Bonn.
Privatsammlung Baden-Württemberg (1983 vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Das Gesicht als Bild der Seele. Meditationen - Köpfe. Alexej von Jawlensky - Dietrich Klinge, Städtische Wessenberg-Galerie, Konstanz / Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd, 6.7.-23.9.2001, S. 21 (mit Farbabb.).

LITERATUR: Ketterer Kunst, München, 436. Auktion, Moderne Kunst I, 10.12.2016, Los 207.

Aufrufzeit: 11.12.2021 - ca. 17.37 h +/- 20 Min.

Anhand der Bezeichnungen innerhalb der Serien kann man erschließen, dass Jawlensky eine Hierarchie der Formen ablehnt. So gibt es keine Steigerung oder Rangfolge beispielsweise in den "Variationen", in den "Konstruktiven Köpfen", in den "Heiligen Bildern" oder in den "Meditationen". Es gibt in dem Sinn auch keine Serienanordnung, in die sie sich einordnen lassen, außer als Folge einer immer genauer werdenden Wiederholung. Und so entsteht ohne bedeutende Veränderung des Arrangements ein gewisser statischer Blick auf eine scheinbare Leere gleichgeordneter Formen, die sich durch den präzisen Einsatz der Farbe dennoch, so wie hier mit der großen Meditation "Zärtlichkeit im Herbst", unterscheidet. Der Kopf ist jetzt auf seine absoluten Minimalbestandteile reduziert, auf eine vertikale schwarze Linie, welche die Leinwand in zwei symmetrische Hälften teilt und die Nase verkörpert. Die Augen und Augenbrauen sind schwarze Striche im rechten Winkel und nah an der Nasenlinie angebracht. Ebenso ist der Mund mit einer schwarzen Linie am unteren Ende der Vertikalen in der Mitte angedeutet und unterstreicht dieses feste Schema. Das Format spielt hier eine eher geringe Rolle, hingegen nehmen die fein abgestimmten Farben und ihre Pigmentdichte sowie die gestalterische Struktur des Pinsels deutlichen Einfluss auf die 'meditative', ikonenhafte Wirkung, die sich von Bild zu Bild in ähnlicher Form wiederholt. Bei dieser Meditation streichelt eine in Lilabraun und Braunrot gehaltene Färbung die Assoziation zu der "Zärtlichkeit im Herbst".

"Immer zu leiden ist sehr schwer. Die Schmerzen lassen mich nicht zu bewegen. […] Ich sitze und arbeite. Das sind meine schönste Stunde. Ich arbeite für mich nur für mich und für meinen Gott. Die Ellbogen schmerzen dabei sehr, oft bin ich dabei wie ohnmächtig vom Schmerz. Aber meine Arbeit ist mein Gebet, aber so leidenschaftliches Gebet durch Farben gesprochen. Kleine, grössere und noch grössere Arbeiten. Sie sind alle sehr verschieden in Farben und in Technik der Farbe. Sehr viel schönes, vielleicht sogar alle sind schön, da ich übermale was mir nicht gut genug ist, sogar von früheren Monaten", berichtet Jawlensky am 12. Mai 1936 an seine Kunstagentin Emmy "Galka" Scheyer nach New York (zit. nach: Alexej von Jawlensky, Museum Wiesbaden, 1991, S. 294). Jawlenskys wunderbar lasierende Malweise mit feinsten Farbabstufungen von zartem Lila und Rot zu stumpfem Violett lassen das Gesicht fast transparent erscheinen: Das menschliche Antlitz verändert Jawlensky mit großer Empathie zu einer ikonengleichen Erscheinung voller religiösem Gefühl. [MvL]



 

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