Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 19

 
19
Wilhelm von Kobell
Am Ufer des Starnberger Sees, 1813.
Aquarell und Feder über Bleistiftzeichnung
Nachverkaufspreis: € 25.000
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Objektbeschreibung
Am Ufer des Starnberger Sees. 1813.
Aquarell und Feder über Bleistiftzeichnung.
Vgl. Wichmann 1006, 1007. Rechts unten signiert und datiert. Auf Velin, kaschiert auf Karton. 30 x 46,5 cm (11,8 x 18,3 in).

• Eines der selten auf dem Auktionsmarkt verfügbaren größeren Aquarelle von höchster Qualität.
• Kompositorisch herausragend harmonisches Arrangement von Tier und sanfter oberbayerischer Landschaft, in dessen Zentrum er das weiße Pferd platziert
• Kobells meisterhafte Beherrschung der Aquarelltechnik wird in der hellen, transparenten Farbgebung und präzisen Modellierung dieses Blattes besonders deutlich.
• Entstanden in der künstlerisch sehr erfolgreichen Reifezeit, als er vor allem für den Kronprinzen Ludwig von Bayern tätig ist
.

Wir danken Frau Dr. Claudia Valter, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Frankreich.

Essay
Wilhelm von Kobell verdankt seine Stellung in der Kunstgeschichte vor allem seiner präzisen Zeichenkunst und seiner technischen Meisterhaftigkeit im Aquarell, die besonders in den oberbayerischen Landschaften seiner Reifezeit ab 1800 zutage tritt. Ab 1800 verbringt er immer wieder die Sommermonate auf Schloss Emming, im Westen von München nahe des Ammersees gelegen (heute am selben Ort die Erzabtei Sankt Ottilien) und erschließt von dort aus das seenreiche Voralpenland. Im Entstehungsjahr des Aquarells wird Kobell vom bayerischen Kronprinzen Ludwig mit Aufträgen zu Schlachtenbildern der Feldzüge Napoleons überhäuft, an dessen Seite Bayern bis in den Oktober des Jahres noch kämpfen wird. „Zur Erholung“ entstehen kleinere Gemälde sowie zeichnerische und aquarellierte Schilderungen des stillen, beschaulichen Landlebens des stets wandernden Malers, der sich auf Schloss Emming dem Drängen des Kronprinzen entzieht. Prägend für eine solche Art, der Natur und ihrer malerischen Entsprechung in der Landschaftsmalerei zu begegnen, ist sicherlich der Einfluss englischer Pferde- und Jagdmalerei, die für Kobell ab Ende der 1890er Jahre von Interesse zu sein scheint. Geboren und aufgewachsen im künstlerischen Milieu der kurpfälzischen Residenzstadt Mannheim, lernt er in den ersten Jahren bei seinem Vater, dem Maler, Kupferstecher und Radierer Ferdinand Kobell, der ihm vor allem die Erkundung der regionalen Landschaft mit zeichnerischer Auffassung und grafischen Mitteln nahebringt. An der Mannheimer Zeichnungsakademie trägt die Bevorzugung der niederländischen Schule des 17. Jahrhunderts, im besonderen der Werke Philips Wouwermans, zu einer solchen wahrheitsgetreuen und unmittelbareren Herangehensweise bei. Karl Theodor von der Pfalz, seit 1777 Kurfürst von Bayern, wird schließlich auf den jungen, vielversprechenden Künstler aufmerksam und holt ihn an den Münchner Hof, wo Kobell ebenso von seinem Erben Max Joseph I. und Kronprinz Ludwig vor allem als Schlachtenmaler sehr geschätzt wird. Ebenso aristokratisch sind jedoch auch die Aquarelle mit Szenen aus dem Münchner Umland und Oberbayerns zu verstehen. Sie faszinieren in ihrem Schwanken zwischen zeichnerischem und malerisch-stimmungsvollem Ausdruck, in dem Kobells ganzes Können deutlich wird. Vor allem aber wandelt sich das Aquarell nicht nur im Zuge englischer Ästhetik um 1800 zum Medium eines dilettantisch-aristokratischen Blicks, der sich in der Natur promeniert und ihre pittoreske Schönheit zum Vergnügen einfängt. Kobells Arrangement setzt die feingezeichneten Tiere dominant in den Vordergrund, deren Rassen sich wohl von Kennern unterscheiden lassen. Solch einer beschreibenden Rationalität setzt er den flötespielenden Hirten mit dem treuen kleinen Hund an die Seite, hinter dem sich das zeichnerische Gerüst ganz in der stimmungshaften luftigen Transparenz des Aquarells verflüchtigt. In dieser Kombination rationaler und empfindsamer Elemente ist das Blatt umso mehr ein charakteristisches Zeugnis der Ästhetik eines romantischen Klassizismus. [KT]
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Wilhelm von Kobell
Am Ufer des Starnberger Sees, 1813.
Aquarell und Feder über Bleistiftzeichnung
Nachverkaufspreis: € 25.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Wilhelm von Kobell "Am Ufer des Starnberger Sees"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.