Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 369

 
369
Ernst Ludwig Kirchner
Liegender Akt, 1909.
Holzschnitt
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
+
Objektbeschreibung
Liegender Akt. 1909.
Holzschnitt.
Gercken 287 II (von II). Dube H 144 II. Schiefler H. 106. Rechts unten nummeriert "106". Verso mit dem Nachlassstempel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Nummerierung "H 106 III". Eines von bisher nur vier bekannten Exemplaren. Auf kartonstarkem, grauem Velin. 29,8 x 39,8 cm (11,7 x 15,6 in). Papier: 37,5 x 52,8 cm (114,8 x 20,8 in).
[CH].
• Kontrastreicher und detailreicher Handdruck des Künstlers.
• Von allergrößter Seltenheit: eines von nur vier bekannten Exemplaren.
• Liebeserklärung an Dodo, Kirchners Muse, Modell und Geliebte in Dresden.
• Die Quintessenz des Expressionismus: der unbefangen skizzierte Akt, realisiert in dem so charakteristischen Medium der revolutionären "Brücke"-Künstler
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946).
Privatsammlung.
Privatsammlung Baden-Württemberg.
Privatsammlung New York (1984 vom Vorgenannten erworben, Galerie Wolfgang Ketterer, 26.11.1984, Los 787).
Privatsammlung USA.

LITERATUR: Galerie Wolfgang Ketterer, München, 87. Auktion, 20. Jahrhundert, 26.11.1984, Los 787 (mit Abb., S. 139, verso mit der handschriftlichen Bezeichnung).

Aufrufzeit: 18.06.2021 - ca. 19.20 h +/- 20 Min.

Essay
Kirchners Zeichnung in diesem Holzschnitt fasziniert durch ihr kraftvolles Spiel der Linien, sie zeigt Kirchners sorglose Großzügigkeit im Umgang mit formalen Grenzen zwischen Fläche und Raum. Dieser Holzschnitt ist auch ein klassisches Beispiel für die Kunst des Weglassens. Kirchner skizziert eine kauernde, sichtlich schlafende Frau in einem konzentrierten Ausschnitt und erzeugt mit verschiedenen Dickungen der geschnittenen Linie eine wohlig befreiende Spannung. Der Ort oder besser die Bühne für Kirchners Arbeit hier ist sein erstes bescheidenes Atelier in Dresden: "So bezog ich mit einigen Kisten, einem Feldbett und meinem Werkzeug einen verlassenen Fleischerladen im Proletarierviertel Dresdens. Dieser wurde trotz der Armut bald der Treffpunkt der herumwohnenden Mädels des Viertels und so hatte ich die besten Modelle und Freundinnen, mit denen ich nach Moritzburg ging, um im Freien zu malen", so Kirchner. Sein Atelier, ein Ladenlokal in der Berliner Straße 60, dekoriert er mit gebatikten Vorhängen und Paravents mit Darstellungen 'barbarischer' Liebespaare, baut sich Möbel, schnitzt Geschirr und Accessoires, sie bilden immer wieder dekorativen Hintergrund für Atelierszenen. Und eine der Protagonistinnen ist Dodo, Doris Große; für Kirchner ist sie sicher die eindrucksvollste Frau, zumindest in Dresden, wo er sie vielleicht schon 1903 kennenlernt, sie wohl 1909 seine Geliebte wird und er sie mit seinem Wegzug nach Berlin im Herbst 1911 merkwürdigerweise zurücklässt. Auch noch in späteren Jahren, in Davos, kommt Dodo Kirchner in den Sinn und er schwärmt 1919 in seinem Tagebuch von ihrer wunderbaren, wohlduftenden Körperlichkeit (Davoser Tagebuch, hrsg. von Lothar Grisebach, Neuausgabe durchgesehen von Lucius Grisebach, Ostfildern/Stuttgart 1997, S. 40). In den Dresdner Jahren war Dodo dem Künstler Geliebte, Muse und umfassend Modell in zahlreichen Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und druckgrafischen Werken, wie hier für diesen Holzschnitt. Sie ist nicht nur Teil seines Werks, sondern auch Teil des häuslichen Lebens. Dodo ist präsent in den Tagesabläufen in Kirchners Atelier, nicht sicher vor seinem schnellen Auge, so wie hier mit dieser rasch gefassten Zeichnung, die der Künstler aus dem Holzstock schneidet. Es ist eine betont grafische Zeichnung mit strengen Konturen der umschreibenden Körperdarstellung und man spürt Kirchners große Verehrung an die Körperschönheit der Frau: eine beherzte Hommage an Dodo. [MvL]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Ernst Ludwig Kirchner "Liegender Akt"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4% inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.