Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 259

 

259
Yoshitomo Nara
Menschpanzerangreiferin, 2002.
Buntstiftzeichnung
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Menschpanzerangreiferin. 2002.
Buntstiftzeichnung.
Miyamura/Suzuki D-2002-056. Verso signiert und datiert. Unten mittig als Teil der Darstellung betitelt. Auf Velin. 30,4 x 22,8 cm (11,9 x 8,9 in), Blattgröße. [CH].

• Ein deutscher Titel: Naras langjähriger Aufenthalt in Deutschland (1988–2000) gilt als wegweisende, besonders prägende Zeit, in der er zu seinem heutigen, reifen Stil findet.
• Vergleichbare Zeichnungen befinden sich bspw. in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York, und des Museum of Modern Art, Los Angeles
.

PROVENIENZ: Galerie Michael Zink, Waldkirchen (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Galerieetikett).
Privatsammlung Süddeutschland (2002 vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Noriko Miyamura und Shinko Suzuki, Yoshitomo Nara. The Complete Works, Bd. 2, Works on Paper 1984-2010, Tokio 2011, S. 184, Kat.-Nr. D-2002-056 (mit Farbabb.).

"I want to trigger their imaginations.. this way, each individual can see my work with his own unique, imaginative mind."
Yoshitomo Nara im Gespräch mit M. Chiu, in: Ausst.-Kat. Yoshitomo Nara. Nobody’s Fool, Asia Society and Museum, New York, S. 179.

Aufrufzeit: 10.12.2021 - ca. 19.28 h +/- 20 Min.

Die hier angebotenen charakteristischen Zeichnungen entstehen wenige Jahre nach Naras langjährigem Aufenthalt in Deutschland nach der Rückkehr in sein Heimatland Japan. Nach seinem Studium an der Aichi Prefectural University of Fine Arts and Music in Nagakute zieht es den Künstler Ende der 1980er Jahre nach Deutschland und er wird Meisterschüler von A. R. Penck an der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Jahre in Deutschland prägen den Künstler und seine Kunst nachhaltig. "I was a foreigner and I had no language skills, so I felt very much isolated. [..] It reminded me of who I am and helped me rediscover myself." So kann die deutsche Betitelung der hier angebotenen Arbeit "Menschpanzerangreiferin" mit kompliziertem deutschem Nominalkompositum und typisch deutscher weiblicher Endung durchaus als kleines Augenzwinkern in Richtung Deutschland verstanden werden.

An der Düsseldorfer Kunstakademie findet Nara in den 1990er Jahren zu seiner ganz individuellen Bildsprache von höchstem Wiedererkennungswert, die auf den ersten Blick etwas Comichaftes und Kindliches enthält und in der Ästhetik durchaus an japanisches Kawaii oder japanische Manga erinnert. Die Gemälde und Zeichnungen werden fortan von Mädchenfiguren mit adretter Ponyfrisur, schmalen Lippen, großem Kopf und großen Augen sowie einem manchmal bösen Blick in jeweils süßlich-bunten Farben bevölkert, die Nara als einzelne Figuren in einen monochromen, stark reduzierten, nicht weiter definierten Raum versetzt. Doch spätestens der zweite Blick auf Naras Kunst eröffnet eine düstere, emotionsgeladene und erzählerische Ebene, mit der sich die Darstellungen von der vermeintlichen fröhlichen Niedlichkeit abnabeln. Die Mädchenfiguren in den hier angebotenen Zeichnungen werfen Bomben ab, brennen lichterloh und feuern im Panzer sitzend lächelnd ihre Waffe ab. In anderen Arbeiten halten die Mädchen ein Messer in der Hand, rauchen Kette und übermitteln mit einem breiten Spektrum an Gesichtsausdrücken zum einen ihre eher erwachsenen Emotionen: Einsamkeit und Melancholie, Angst und Agression sowie Wut und Rebellion und zum anderen einen ganz speziellen schwarzen Humor, der sie eindeutig als Arbeiten Yoshitomo Naras ausweist. [CH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Yoshitomo Nara "Menschpanzerangreiferin"
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