Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 244

 

244
Emil Schumacher
Irisis, 1957.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
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Irisis. 1957.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert (in die nasse Farbschicht geritzt). Verso auf dem Keilrahmen zweifach betitelt und bezeichnet "Emones". 140,2 x 96 cm (55,1 x 37,7 in).

• Aus demselben Entstehungsjahr wie das wichtige documenta-Bild "Für Berlin".
• Großformatiges, imposantes Werk.
• 1958 werden Schumachers Arbeiten im deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig gezeigt.
• 1997 Teil der retrospektiven Ausstellung im Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen.
• Weitere Werke aus den 1950er Jahren sind heute Teil bedeutender musealer Sammlungen, u. a. des Metropolitan Museum of Art in New York, der Hamburger Kunsthalle und der Kunsthalle Karlsruhe
.

Das Gemälde ist mit der Inventarnummer 0/345 in dem von Dr. Ulrich Schumacher angelegten Verzeichnis der Emil Schumacher Stiftung, Hagen, aufgeführt.

PROVENIENZ: Privatsammlung (direkt vom Künstler erworben).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (2001 vom Vorgenannten erworben, Lempertz, 5.12.2001, Los 1055).

AUSSTELLUNG: Emil Schumacher. Ein Künstler und seine Stadt (anlässlich des 85. Geburtstags von Emil Schumacher), Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen, 29.8.-5.10.1997, S. 51 (mit Abb.).

LITERATUR: Kunsthaus Lempertz, Köln, 816. Auktion, Zeitgenössische Kunst, 5.12.2001, Los 1055 (mit Farbabb.).

"Um die Konsistenz der Farbe als Materie besser bestimmen zu können, stelle ich mir sie selbst aus Farbpulver und Bindemitteln her. [..] Ich liebe ihren pastosen Charakter, muss die Farbe anfassen und abtasten können. Um so aufregender, wenn sie körnig und dickflüssig ist. Sie muss zu einer [..] schrundigen Masse erstarren, die man aufkratzen kann."
Emil Schumacher, zit. nach: Ausst.-Kat. Emil Schumacher. Retrospektive, Haus der Kunst, München 1998, S. 130.

Aufrufzeit: 10.12.2021 - ca. 18.58 h +/- 20 Min.

Emil Schumacher gehört heute zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Informel. Im Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit steht der Künstler am Beginn seines internationalen Durchbruchs: Nur wenig später werden seine Arbeiten 1958 im Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig ausgestellt. In jenem Jahr wird ihm zudem nicht nur der renommierte Guggenheim Award (National Section) in New York verliehen, sondern er erhält zudem eine Berufung an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1959, 1964 und 1977 ist er dann mit seinen Werken auf der documenta II, III und 6 vertreten. 1962 erhält er auf der XXXI. Biennale in Venedig den "Premio Cardazzo". Heute befinden sich die Werke des Künstlers in zahlreichen bedeutenden musealen Sammlungen, u. a. im Metropolitan Museum of Art in New York, im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien, im Städel Museum in Frankfurt am Main oder im Museum Folkwang in Essen.

Um 1950 wendet sich der junge Emil Schumacher erstmals der ungegenständlichen Malerei zu. Eine erste Auslandsreise nach dem Krieg führt ihn 1951 nach Paris und mag sein Schaffen weiter beeinflusst haben. Treffenderweise prägt der französische Kunstkritiker Michel Tapié noch im selben Jahr anlässlich einer Ausstellung in einer Pariser Galerie den neuen Begriff der "art informel".
Auch Schumachers Schaffen ist fortan insbesondere von der vom Motiv befreiten Form und Linie, von Farbe und Materialität geprägt. Die Bilder enthalten einen spontanen, impulsiven malerischen Ausdruck, der auch in der Kunst des französischen Informel und Tachismus sowie im Art Brut und im amerikanischen abstrakten Expressionismus zu finden ist.
Schumachers Arbeiten zeichnen sich jedoch durch einen ganz besonderen, außergewöhnlichen Umgang mit dem Material aus, der sie von den Werken seiner Künstlerkollegen wie Willi Baumeister, Hans Hartung oder Fritz Winter unterscheidet. Oftmals mischt er der Farbe Sand unter und verarbeitet ungewöhnliche Materialien. "Wenn die ältere Anschauung unter der Bildmaterie die Farbe und ihren Auftrag verstand, so dachte man bei diesem Stichwort um die Mitte der fünfziger Jahre an etwas wesentlich materielleres, substantielleres: an eine Masse aus Farbe und allen möglichen Material-Ingredienzien, eine Paste von ganz anderer Stofflichkeit als derjenigen der Farben, wie sie die Maler gemeinhin verwenden." (Emil Schumcher, zit. nach: Werner Schmalenbach, Emil Schumacher, Köln 1981, S. 68). Auf die Spitze getrieben werden diese Materialexperimente zwischen 1956 und 1959 mit den "Tastobjekten", die Schumacher nicht mehr auf Leinwand, sondern aus gänzlich bildfremden Objekten und Materialien wie Stoffresten, Faserplatten, Holztafeln, zerknülltem Papier und Blei herstellt. Doch auch die hier vorliegende Arbeit entsteht in ebendieser experimentellen Schaffensphase: Die an den Tastobjekten ausgelebte Materialität verwendet Schumacher in Auszügen auch in seiner damaligen Malerei und so zeugen auch die Gemälde dieser Jahre wie das hier angebotene Werk von einer außergewöhnlichen, haptisch reizvollen, fast skulpturalen Qualität. Die Oberfläche von "Irisis" zeigt Ritzungen und Runzeln, sich aufbäumende Farbschichten, pastose Spachtelungen, mutig verteilte Farbakzente. Die Farbformationen werden 'Materie' und verdichten sich zu einer Komposition, die ebenso zufällig wie zwangsläufig wirkt.

In der hier angebotenen Arbeit lässt der Künstler das dunkle, schwere Material an den Rand des Bildes zurücktreten und im Zentrum einen wie aus dem Inneren leuchtenden, das Dunkel zur Seite drängenden hellen Gegenpol mit fein nuancierten farblichen Akzenten entstehen. "Irisis" entsteht im selben Jahr wie das wichtige documenta-Bild "Für Berlin" und kann aufgrund seiner mühevoll bearbeiteten, plastischen Oberflächenbeschaffenheit, der fein modulierten Chromatik und des stimmungsvollen Hell-Dunkel-Kontrasts als besonders gelungenes Werk dieser so bedeutenden Schaffensjahre im Œuvre des Künstlers bezeichnet werden. [CH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Emil Schumacher "Irisis"
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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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