Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 248

 

248
August Macke
Adam und Eva, 1910.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 150.000 - 250.000
+
Adam und Eva. 1910.
Öl auf Leinwand.
Heiderich 257. Verso auf der Leinwand und auf dem Keilrahmen jeweils mit dem Nachlassstempel. 40,5 x 49 cm (15,9 x 19,2 in). [SM].

• Malerisches Zeugnis aus Mackes wegweisendem künstlerischen Schaffensjahr 1910.
• Klassisches Sujet, das sich durch seine leuchtende, die Malerei der Fauvisten rezipierende Farbigkeit auszeichnet.
• Erinnernd und frei setzt Macke hier Reiseeindrücke aus Italien im Sinne von Matisse um
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung (1957).
Margit Bernhard, Bad Achen.
Privatsammlung Schweiz.
Privatsammlung Europa (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Aenne Abels, Köln, Ausst.-Kat., o.J., Kat.-Nr. 26.

LITERATUR: Gustav Vriesen, August Macke, Stuttgart 1953, Kat.-Nr. 224.
Gustav Vriesen, August Macke (2. erw. Aufl.), Stuttgart 1957, Kat.-Nr. 224 (mit Abb., S. 319).
Peter Dering, August Mackes "Tegernseer-Phase". Das malerische Werk 1909/10: Auf dem Weg zum Individualstil, in: Ausst.-Kat. August Macke in Tegernsee, August Macke Haus, Bonn 1998, S. 19.
Klara Drenker-Nagels u. Ina Ewers-Schultz, August Macke und Freunde. Begegnungen in Bilderwelten, Verein August Macke Haus, Bonn, Schriftenreihe Bd. 61, S. 104.

Aufrufzeit: 10.12.2021 - ca. 19.06 h +/- 20 Min.

Trotz aller Anziehungskraft, die Paris auf den jungen Künstler ausübt, reist August Macke im Oktober 1909 mit seiner Frau Elisabeth an den Tegernsee, wo sie für gut ein Jahr Quartier beziehen und wo auch der erste Sohn, Walter, zur Welt kommt. Mackes bleiben ein volles Jahr in der idyllischen Landschaft, wohnen im sogenannten Staudacherhaus, einem prachtvollen, weit über einhundert Jahre alten Bauernhaus, etwas erhöht gelegen und von einem großen Obstgarten umgeben. Mackes residieren im ersten Stock mit einem kleinen hölzernen Balkon und weitem Blick auf die Berge. Das Jahr 1910 ist für Macke ein Jahr der Erfüllung: Es bringt ihm künstlerische Eindrücke und Erfahrungen, die ihn zu einer völligen Umwandlung und Neuordnung seiner Malerei führen. Er lebt mit seiner kleinen Familie zum ersten Mal in einer eigenen Häuslichkeit und hat unbeschränkte Zeit zum Malen. Nach seiner eigenen Schätzung sind es etwa 200 Bilder, die er in der Zeit am Tegernsee malt, darunter auch "Adam und Eva", ein besonderes Gemälde, denn Bilder mit Themen aus dem Alten Testament sind eher selten im Werk des Künstlers anzutreffen. Am Tegernsee entstehen überwiegend Landschaften, Stillleben und Bildnisse von seiner Frau Elisabeth, darunter eine kleinere Gruppe Bilder der älteren, gewohnten Art: locker, unbekümmert und sicher wiedergegebene Naturausschnitte mit ihrem über die Dinge huschenden Licht- und Schattenspiel. Es sind wohl die letzten rein impressionistischen Arbeiten Mackes, in denen er die Erfahrungen früherer Jahre zusammenfasst. Die andere, um vieles umfangreichere Gruppe, zeigt die Nähe zu den "Fauves", stark vereinfachte, oft durch breite, geschwungene Konturen begrenzte Formen, Bindung an die Fläche, reine, intensive Farben, die auch dieses Gemälde bestimmen. Es ist die Malerei von Henri Matisse, die im Jahre 1905 in Paris im Salon d’Automne erstmals mit der Gruppe der "Fauves" gezeigt wird. Gegenüber seiner Schwiegermutter bekennt Macke sein großes Erlebnis von der individuellen Qualität der Bilder von Matisse: „Daß Dir, liebe Mutter, beim Betrachten der Japandrucke der Name Matisse einfiel, ist ein gutes Zeichen für Deine Kunstnase. Mir ist er rein nach meinem Instinkt der sympathischste der ganzen Bande. Ein überaus glühender, von heiligem Eifer beseelter Maler.“ (Macke an Sophie Gerhardt, 10. Oktober 1910). Die Anverwandtschaft zu Matisse nimmt Macke sehr ernst, weil er hierin die Möglichkeit für sich entdeckt, Liebe, Leiden, Dramatik und Tod, kurz: seine Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen als Darstellungen des irdischen Paradieses zu verstehen und entsprechend umzusetzen. Das Thema "Adam und Eva" scheint Macke auch deshalb in den Sinn gekommen zu sein, weil er hier Reiseeindrücke, die er mit seinem Schwager Walter Gerhardt im April 1905 in Italien sammelt, erinnernd und frei im Sinne von Matisse umsetzt. Sie machen Station in Verona, Padua, Venedig, Bologna, Florenz, Pisa, Rapallo und Bozen. Und in Florenz, so ist sicher anzunehmen, besuchen sie die Chiesa del Carmine mit der berühmten Cappella Brancacci, deren prachtvolle Fresken Masolino und sein Schüler Masaccio vor 1425 malen. Masolinos etwas dunkel gehaltenes Fresko der Paradiesszene verlegt Macke in eine weite, farbblühende Landschaft mit dem Baum der Erkenntnis. Auf die ikonografisch so wichtige Schlange verzichtet der Künstler bewusst. Denn für Macke ist der Sündenfall auch ein Synonym für das Vertrauen zwischen Mann und Frau, das für ihn nicht zuletzt etwas mit seiner innigen Liebe zu Elisabeth zu tun hat. [MvL]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu August Macke "Adam und Eva"
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