Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 30

 

30
Karl Schmidt-Rottluff
Müßige Hetären, 1914.
Holzschnitt
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inklusive Aufgeld)
Müßige Hetären. 1914.
Holzschnitt.
Schapire H 133. Signiert und datiert. Auf Bütten von SLG (mit dem Wasserzeichen). 39,5 x 50 cm (15,5 x 19,6 in). Papier: 51,5 x 67,5 cm (20,2 x 26,5 in).
[KT].

• Bisher nur viermal auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
• Namenhafte Provenienz neben Hermann Gerlinger- Wilhelm Niemeyer gibt zusammen mit Rosa Schapire die wichtige expressionistische Zeitschrift Kündung heraus, er ist passives Brückemitglied und früher Schmidt-Rottluff Sammler.
• Das Thema Nacktheit im Werk von Schmidt-Rottluff erreicht mit den formatfüllenden Aktfiguren der "Müßigen Hetären" von 1914 einen Höhepunkt
• Hetären sind im Altertum angesehene Prostituierte, die das Musizieren und das Tanzen pflegen
.

Wir danken Dr. Peter Fuhring, Fondation Custodia, Paris, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ:
Sammlung Wilhelm Niemeyer, Hamburg (bis 1956: Stuttgarter Kunstkabinett, 27./28.11.1956).
Sammlung Sauerwein, o. O. (1956 vom Vorgenannten erworben).
Sammlung Günther und Annemarie Gercken, Hamburg (verso mit dem Sammlerstempel).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel).

AUSSTELLUNG:
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Expressiv! Die Künstler der Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina, Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 34 (m. Abb.).
Schmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck, Buchheim Museum, Bernried am Starnberger See, 29.9.2018-3.2.2019, S. 199 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR:
Stuttgarter Kunstkabinett, Roman Norbert Ketterer, 25. Auktion, 27./28.11.1956, Los 883.
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 368-69, SHG-Nr. 613 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 69, SHG-Nr. 125 (m. Abb.).

Eine eigene Werkgruppe bilden die Aktdarstellungen: Schmidt-Rottluff greift das Bildthema nach einer zweijährigen Unterbrechung 1909 wieder auf und setzt sich in den folgenden Jahren mit diesem Motiv der Nacktheit intensiv auseinander. Die Entwicklung erreicht mit den formatfüllenden Aktfiguren der "Müßigen Hetären" von 1914 ihren Höhepunkt. Gezeigt wird eine von ihrem bloßen Reiz gelöste, naturhaft verstandene Körperlichkeit der Frauen. Die Darstellung der Figuren ist aus der Konturlinie entwickelt, ihre Physiognomien und Körperformen bestehen aus kantigen und eckigen, spitz zulaufenden Linien. Schmidt-Rottluff konfrontiert den Betrachter mit einer neuen Auffassung der weiblichen Formen und einer Verschiebung der Proportionen, um das Motiv der weiblichen, üppig runden Körper zu übersteigern. Und nicht zuletzt lässt sich der Künstler von der Kunst außereuropäischer Kulturen inspirieren, entwickelt aus ihr seine Vorstellung von archaischer Formensprache, die sich besonders in der Darstellung des weiblichen Aktes manifestiert. Schmidt-Rottluffs Konzentration auf die Figuren, deren Körperhaltung und Gebärden verleihen dem Holzschnitt Eindringlichkeit und Ergriffenheit. Die Gruppe der Aktbilder präsentiert Figuren ohne individuelle Merkmale. Mehr als Metapher des Erotischen sind sie ins Zeitlose und Überwirkliche gehoben; darauf verweist auch die Verortung in die Antike: Müßige Hetären. [MvL]



30
Karl Schmidt-Rottluff
Müßige Hetären, 1914.
Holzschnitt
Schätzung:
€ 8.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inklusive Aufgeld)