Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 481

 

481
Ernst Ludwig Kirchner
Zwei nackte Mädchen auf dem Bett, 1913.
Pastell und Kohlezeichnung
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
+
Zwei nackte Mädchen auf dem Bett. 1913.
Pastell und Kohlezeichnung.
Unten mittig signiert. Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "FS Be/Bg 2a". Auf chamoisfarbenem Bütten (mit den Wasserzeichen "Stern über Turm"). 49,5 x 67,5 cm (19,4 x 26,5 in), blattgroß. [CH].

• Eines der seltenen großformatigen Pastelle aus der gesuchtesten Zeit der intensiven Berliner Schaffensjahre.
• Im kraftvollen Strich der Berliner Straßenszenen.
• Erotische, dynamisch-momenthaft aufs Papier gebannte Szene aus Kirchners Atelier
.

Die Arbeit ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, verso mit dem handschriftlich nummerierten Nachlassstempel).
Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, Stuttgart (1954).
Galerie Nierendorf, Berlin (1965).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke und die Moderne 1904-1914, Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 17.10.2004-23.1.2005, Kat.-Nr. 36 (m. Abb.).
Expressiv! Die Künstler der Brücke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 166 (m. Abb.).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Will Grohmann, Kirchner-Zeichnungen, Arnolds graphische Bücher, 2. Folge, Bd. 6, Dresden 1925 (m. Abb., Tafel 53).
Karl und Faber, München, 127. Auktion, Kunst alter und neuer Meister, 26./27.5.1971, Los 739 (m. Abb., S. 185).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 260, SHG-Nr. 374 (m. Abb., S. 261).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 336, SHG-Nr. 755 (m. Abb.).
Katja Schneider (Hrsg.), Moderne und Gegenwart. Das Kunstmuseum in Halle, Stiftung Moritzburg Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2008 (m. Abb.).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.18 h +/- 20 Min.

Wie bereits in den frühen "Brücke"-Jahren in Dresden ist das Atelier Ernst Ludwig Kirchners auch in den Berliner Jahren einer der bedeutendsten Orte für sein künstlerisches Schaffen. Neben regelmäßigen Ausflügen in die Natur, in Dresden an die Moritzburger Teiche und nun mit Vorliebe an die abgelegenen Ostseestrände, kulminieren sein Ideenreichtum, sein enthusiastischer Schaffensdrang und sein vorwärtsgerichtetes, progressives Denken in seinen Wohnateliers in Berlin-Wilmersdorf und später in Berlin-Steglitz zu den künstlerischen Höhepunkten seines gesamten Œuvres. Während sich die jungen "Brücke"-Künstler in Dresden zunächst dem schnellen Skizzieren der sogenannten Viertelstundenakte widmen, bei denen die Modelle alle 15 Minuten ihre Pose wechseln, entstehen in Berlin nun reifere, ausgearbeitete, wenngleich nicht minder dynamische Zeichnungen, in denen Kirchner mit kräftigen, selbstbewussten Strichen Haltung, Anatomie und Wesen der Dargestellten einfängt.

In der pulsierenden Großstadt Berlin mangelt es Kirchner nicht an Motiven und Modellen. Zahlreiche Bars, Tanzlokale und Varietés vereinfachen die Suche nach weiblichen (Akt-)Modellen und auch in seinem weiteren Freundeskreis finden sich zahlreiche geeignete junge Frauen. In einem Nachtklub lernt der Künstler 1912 die Schwestern Erna und Gerda Schilling kennen. Sie sind in den darauffolgenden Jahren die bevorzugten Modelle des Künstlers und Erna wird seine Lebensgefährtin. In seinem Tagebuch schreibt Kirchner rückblickend: "Die schönen architektonisch aufgebauten strengförmigen Körper dieser beiden Mädchen lösten die weichen sächsischen Körper ab. In [..] Zeichnungen, Graphiken und Bildern formten diese Körper mein Schönheitsempfinden zur Gestaltung der körperlich schönen Frau unserer Zeit" (E. L. Kirchner, in: Lothar Grisebach (Hrsg.), Davoser Tagebuch, Ostfildern 1997, S. 86). Die Darstellung des Menschen und insbesondere den Akt bezeichnen die "Brücke"-Künstler 1913 als "die Grundlage aller bildenden Kunst" (zit. nach: Ausst.-Kat. Bremer Kunsthalle, 100 Jahre Brücke, Bremen 2005, S. 65). Sie interpretieren den weiblichen Akt als eigenständiges Bildelement, der im wahrsten Sinne des Wortes ihre künstlerischen Intentionen verkörpert und visualisiert und insbesondere E. L. Kirchner zur Ausbildung seines eigenen, ausdrucksstarken "Berliner Stils" verhilft. Auch in der hier angebotenen, mit spürbarem Schaffensdrang aufs Papier gebrachten Zeichnung zweier nebeneinanderliegender, sich auf vielsagende Weise berührender weiblicher Akte gelingt es ihm mit gezackten, spitzen Formen, energischer, bewegter Strichführung und nur wenigen, intensiven Farben die damalige nervöse Großstadt-Atmosphäre und zugleich sein eigenes Inneres einzufangen. Nicht ohne Grund gilt Kirchner schon seit jeher als der "größte Zeichner des deutschen Expressionismus" (Werner Haftmann, in: Ausst.-Kat. documenta III, Handzeichnungen, Kassel 1964), der von niemandem "an Erfindungsreichtum, Formenvielfalt und Ausdruckskraft übertroffen" wird (Magdalena M. Moeller, damalige Direktorin des Brücke-Museums, in: Ausst.-Kat. Kirchner. Zeichnungen und Aquarelle, Brücke-Museum, Berlin 1993/94, S. 9). [CH]



 

Aufgeld und Steuern zu Ernst Ludwig Kirchner "Zwei nackte Mädchen auf dem Bett"
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