Auktion: 528 / Klassische Moderne am 11.06.2022 in München Lot 406

 

406
Maurice de Vlaminck
Nature morte avec compotier et vase de fleurs, Um 1910.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
+
Nature morte avec compotier et vase de fleurs. Um 1910.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich nummeriert und mit diversen, teilw. fragmentierten Etiketten, dort von fremder Hand bezeichnet sowie typografisch nummeriert. 47 x 59,5 cm (18,5 x 23,4 in).
[KT].
• Maurice de Vlaminck zählt zu den zentralen Künstlern der französischen Avantgarde, die er ab 1905 als Teil der "Fauves" mit Henri Matisse und André Derain wesentlich prägt
• Werk aus der entscheidenden und spannendsten Frühphase des Künstlers 1905-1915, in der Vlaminck seinen Rang als Vertreter der Moderne international festigt
• 1910 erfolgt eine erste Einzelausstellung in den Räumen der bedeutenden Galerie von Ambroise Vollard in Paris
• Seine Stilleben der Zeit präsentiert er anschließend erfolgreich u. a. bei Ausstellungen des "Blauen Reiters" in München, bei "Expressionismus" in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" sowie der ersten Armory Show 1913 in New York
• Stillleben und Landschaften befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art und das Metropolitan Museum, New York, das Musée national d'art moderne/Centre Pompidou, Paris, sowie die Tate Gallery, London
.

Mit einem Zertifikat des Wildenstein Institutes, Paris, vom 5. Mai 2010 über die Aufnahme ins Werkverzeichnis (im Original). Das Werk ist unter der Nr. 459 verzeichnet.

PROVENIENZ: Galerie Bernheim-Jeune, Paris (1920).
Van Diemen-Lilienfeld Galleries, New York (1953).
Hirschl & Adler Galleries, New York.
Ludwig Neugass, New York (vor 1984).
Carolyn Neugass, New York.
Sammlung Francis E. Fowler III (1984 von Vorgenannter erworben).
Privatsammlung Schweiz.
Galerie Salis & Vertes, Salzburg.
Privatsammlung Europa (2010 vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Charles Marriott, Modern movements in painting, New York 1920, S. 211 (m. Abb.).
Sotheby's, New York, Auktion 23.2.1984, Los 57 (m. Abb.).
Sotheby's, New York, Impressionist and Modern Art II, Auktion 14.5.1998, Los 151 (m. Abb.).
Koller Auktionen, Zürich, Auktion 4.12.2009, Los 3209 (m. Abb.).
"Maurice de Vlaminck ist einer der begabtesten Maler seiner Generation. Sein Blick ist weit und kraftvoll; seine nüchterne und eindrückliche Ausführung lässt den Linien ihre ganze Freiheit, den Formen ihr Relief und den Farben ihre ganze Klarheit und Schönheit."
Guillaume Apollinaire, La Vie artistique: Exposition Maurice de Vlaminck, in: L’Intransigeant, 16. März 1910, S. 2.

Aufrufzeit: 11.06.2022 - ca. 17.08 h +/- 20 Min.

Aus einer Musikerfamilie stammend, beschäftigt sich Maurice de Vlaminck schon früh mit den schönen Künsten, lernt selbst Violine und nimmt ersten Malunterricht. Seine ersten beruflichen Schritte unternimmt er als Musiker und verdient sich bisweilen als Radrennfahrer etwas hinzu. Entscheidend ist die Begegnung mit André Derain, der ihm zum lebenslangen Freund und Künstlerkollegen werden wird und mit dem zusammen Vlaminck zu einer der zentralen Figuren der Pariser Avantgarde wird. Als auf dem Weg von seinem Heimatort Chatou ins nahegelegene Paris im Juni 1900 der Zug entgleist, macht er die Bekanntschaft Derains; die beiden legen den Weg in die Großstadt gemeinsam zu Fuß zurück. In den Gesprächen mit Derain fasst er den Entschluss, sich ganz der Malerei zu widmen. Die beiden mieten ein Atelier in Chatou, malerisch an einer Schleife der Seine westlich von Paris gelegen, wo die ersten Landschaften in postimpressionistischer, farbkräftiger Malweise entstehen. Derain siedelt kurz darauf nach Paris über. Vlaminck bleibt zwar im ländlichen Chatou, verfolgt aber aufmerksam das Geschehen in der Metropole. Besonders die große Retrospektive Vincent van Goghs in der Galerie Bernheim-Jeune, dessen posthumer Ruhm gerade an Fahrt aufnimmt, beeindruckt ihn sehr und bestärkt ihn nachhaltig in seinem eigenen Ausdruck. In den einfachsten Motiven sucht er die größtmögliche Intensität und bedient sich wie van Gogh oftmals der reinen Primärfarbe in der kontrastreichen Verwendung von Blau, Gelb und Rot. Für schlagartige Bekanntheit sorgt seine Teilnahme zusammen mit Derain, Raoul Dufy und ihrem neuen Mentor Henri Matisse im Salon d’automne 1905, bei dem der losen Gruppierung der Titel „Fauves“ verliehen wird. Eine kraftvolle und ungeglättete Wildheit wohnt tatsächlich all seinen Bildern inne, die sich nicht zuletzt auf seine autodidaktische Herangehensweise zurückführen lässt. Schnell werden renommierte Galeristen wie Ambroise Vollard auf ihn aufmerksam, der ihn des Weiteren auch ermutigt, 1907 mit dem jungen Daniel Henry-Kahnweiler geschäftliche und später freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Eine erste große Einzelausstellung folgt 1910 in den Räumen Vollards, jährlich nimmt Vlaminck darüber hinaus am Salon des Indépendants und dem Salon d’automne teil. Der bedeutende Kritiker Louis Vauxelles, der den Titel der „Fauves“ 1905 aus der Taufe hob, kommentiert die Ausstellung bei Vollard wohlgesinnt: „Wir begegnen mit Freuden wieder seinen überwältigenden, aber harmonischen Bildern. Seinen harten, aber nicht grellen Blautönen. Seinen reinen Rottönen und seinem blendend frischen Weiß. Raue, barbarische Kunst von kraftvoller Schroffheit“ (Louis de Vauxcelles, Exposition de Vlaminck, in: Gil Blas, 27. März 1910, S. 3). Vlaminck bleibt in dieser frühen Zeit der Avantgarden der Figuration treu, als sich seine Galeriekollegen bei Kahnweiler, Picasso und Braque, dem Kubismus zuwenden. Er lässt jedoch nicht zuletzt unter dem Eindruck der großen Paul-Cézanne-Retrospektive Neoimpressionismus und Fauvismus hinter sich und widmet sich wieder vor allem im Stilleben der geschlossenen Form und ihrer Anordnung im Raum. Motivisch reduziert auf den kleinen Korb mit roten Äpfeln und die transparente Vase mit blauen und roséfarbenen Anemonen, schleichen sich dennoch im Hintergrund kubistische Reflexionen ein, die das Stillleben umso spannungsreicher und interessanter machen. Auch die Palette wirkt trotz der gelben, roten und blauen Grundfarben gedämpft in der für Vlaminck so charakteristischen Beigabe von Grau- und Schwarztönen und den effektvollen Verschattungen. Das nur scheinbar ruhige und reduzierte Stillleben bietet so den anspruchsvollen und aufmerksam Betrachtenden reichlich Gelegenheit, sich mit der außergewöhnlich individuellen Ausdrucksweise Vlamincks zu beschäftigen. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Maurice de Vlaminck "Nature morte avec compotier et vase de fleurs"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.