Auktion: 527 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 11.06.2022 in München Lot 342

 

342
Paula Monjé
Ihr erster Kirchgang, Um 1880/90.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 3.600
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Ihr erster Kirchgang. Um 1880/90.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und bezeichnet "P. Monjé Nachlass". Verso auf dem Keilrahmen mit Ausstellungsetiketten und handschriftlichen Nummerierungen. 108 x 82 cm (42,5 x 32,2 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Hessen (aus Familienbesitz erhalten).

AUSSTELLUNG: Kunstpalast Düsseldorf, Nr. 328 (mit dem Etikett).
Elberfelder Museumsverein, Nr. 2709 (mit dem Etikett).

Zu den Wiederentdeckungen letzter Zeit gehört die Düsseldorfer Künstlerin Paula Monjé, die zu den wenigen weiblichen Kunstschaffenden gehört, denen es gelingt, auch im offiziellen akademischen Kontext Fuß zu fassen. Weiblichen Künstlerinnen war der Akademiebesuch zwar nicht grundsätzlich untersagt, eine vorgegebene Erwartungshaltung bezüglich der Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter machte diesen jedoch finanziell und rechtlich – eine Erlaubnis des Vaters oder Ehemanns musste eingeholt werden – oftmals unmöglich. Eine Möglichkeit ist für Frauen oft die Ausbildung in privaten Ateliers. Auch Monjé gelingt es, diesen Weg durchzusetzen, und sie nimmt ein Studium auf bei den eigentlich an der Düsseldorfer Akademie lehrenden Professoren Eduard Gebhardt und Wilhelm Sohn. Sohn ist renommierter Genre- und Historienmaler. Monjés Sujets sind ebenso einer großformatigen Genremalerei verpflichtet, die hohes technisches Können in der Schilderung von Stofflichkeit und Figurendarstellung voraussetzt. Zur künstlerischen Weiterentwicklung besucht Monjé sogar in Paris zeitweise das Atelier von Jean Baptiste Courtois und reist nach Italien und in die Niederlande, wo sie sich besonders von den holländischen Alten Meistern maltechnisch und motivisch inspirieren lässt. Auch sie widmet sich bevorzugt der Gattung des erzählerischen Genres und stellt dabei zumeist weibliche Figuren in den Mittelpunkt. Hier schildert sie unter dem Titel „Erster Kirchgang“ den ersten Besuch des kleinen Neugeborenen in der Kirche in den Armen seiner jungen, festlich gekleideten Mutter, neben ihr eine ältere Frau in schwarzer Witwentracht. Die Künstlerin vereint damit die drei Lebensalter und konzentriert darüber hinaus die zu damaliger Zeit essentiellen vorgegebenen Rollen der Frau. Ambivalent mag der nach oben gerichtete Blick der jungen Frau sein: Erbittet sie den Segen für den kleinen Säugling oder richtet sich ihr Blick weg von dem Kind in ihrem Arm, hin zu ihren unerfüllten Wünschen? Deutlich wird in jedem Fall die erzählerische und psychologisierende Kunstfertigkeit Monjés, die sie in technischer Versiertheit auf die Leinwand bringt. Erfolgreich nimmt Monjé an den wichtigen deutschen Ausstellungen in Berlin, im Münchner Glaspalast sowie in Wien und Antwerpen teil. Sie wird ab Ende der 1870er Jahre von der renommierten Galerie Eduard Schulte in Düsseldorf vertreten. Selbstbewusst und wissend um die Macht der Adelung durch museale Präsentation schenkt sie 1888 zwei Bilder an die Berliner Nationalgalerie mit der Bedingung, dass diese in der Schausammlung gezeigt werden. Sie beschwert sich persönlich bei Hugo von Tschudi und seinem Nachfolger Ludwig Justi, als die Bilder in kleinere Museen abgeschoben werden. So ist es umso erfreulicher, dass Monjé 2019/20 mit der Einbindung in die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ in Berlin wieder ein Platz im musealen Pantheon zugestanden worden ist. [KT]



 

Aufgeld und Steuern zu Paula Monjé "Ihr erster Kirchgang"
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