Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 510

 

510
Christian Rohlfs
Der Onkel, 1928.
Tempera auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
+
Der Onkel. 1928.
Tempera auf Leinwand.
Vogt 717. Unten rechts schwer erkennbar monogrammiert. Verso auf dem Keilrahmen erneut signiert, betitelt und mit der Ortsangabe bezeichnet. 100,5 x 59 cm (39,5 x 23,2 in).
Die im Werkverzeichnis von Vogt genannte Datierung unten rechts ist nur noch zu erahnen. Verso auf dem Keilrahmen mit einem Brandstempel.
• Nähe und Vertrautheit ausstrahlende Szenerie in warmen Farbtönen.
• Bereits im Entstehungsjahr erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und noch zu Lebzeiten des Künstlers mehrfach ausgestellt.
• Weitere Werke des Künstlers befinden sind unter anderem in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York, und des Louvre in Paris
.

PROVENIENZ: Christian-Rohlfs-Museum (seit 1934: Städtisches Museum - Haus der Kunst), Hagen (bis 1937).
Staatsbesitz (1937 im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" vom Vorgenannten beschlagnahmt, EK-Nr. 14186).
Bernhard A. Böhmer, Güstrow (1940 durch Tausch vom Vorgenannten erworben, bis 1945).
Wilma Zelck, Rostock, Berlin, Hamburg (seit 1945, Nachlassverwaltung des Vorgenannten).
Peter B. Böhmer, Hamburg (1953/54 von Vorgenannter erhalten, bis 1959: Stuttgarter Kunstkabinett, 20./21.11.1959).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1959 vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: 96. Große Kunstausstellung, Kunstverein Hannover, 1928, Kat.-Nr. 284.
Christian Rohlfs. Gemälde, Aquarelle, Galerie Ferdinand Möller, 1929, Heft 2, Kat.-Nr. 10.
Christian Rohlfs, Museumsverein Duisburg, 1929, Kat.-Nr. 35 (hier auf 1925 datiert).
Christian Rohlfs, Schleswig-Holsteinischer Kunstverein, Kunsthalle Kiel, 1930, Kat.-Nr. 27.
Entartete Kunst, Städtische Galerie, Nürnberg, 7.-21.9.1935.
Entartete Kunst, Haus der Kunst, Dortmund, 11.11.-8.12.1935.
Christian Rohlfs, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Kunsthalle Düsseldorf, 12.4.-15.5.1960, Kat.-Nr. 81 (hier auf 1924 datiert).

LITERATUR: www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/datenbank (EK-Nr.: 14186).
Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 34. Auktion, Stuttgart, 21.11.1959, Los 807 (hier auf 1924 datiert, m. Abb. Tafel 101).
Villa Grisebach, 179. Auktion, Berlin, 25.-27.11.2010, Los 37 (mit Abb.).
Meike Hoffmann (Hrsg.), Ein Händler "entarteter" Kunst. Bernhard A. Böhmer und sein Nachlass, Berlin 2010, Kat.-Nr. II.372.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.56 h +/- 20 Min.

Christian Rohlfs, 1849 geboren, ist fast 80 Jahre alt, als das Gemälde "Der Onkel" entsteht. Trotz seines fortgeschrittenen Alters zeichnet sich insbesondere sein spätes Schaffen in den Jahren 1927 bis 1938 durch einen Malstil von großer Ausdruckskraft und zumeist starker Farbigkeit aus. Wiederholt wurden die Arbeiten dieses Lebensjahrzehnts als Essenz seines künstlerischen Schaffens beschrieben, das sich von Einflüssen des Realismus und Impressionismus über den Expressionismus bis hin zu seinem charakteristischen Stil des Spätwerks stetig weiterentwickelt. In seinem Figurenpaar mit Onkel und Kind überwiegen warme, erdige Farbtöne, und doch lässt sich hier deutlich der ausdrucksstarke, späte Malstil des Künstlers erkennen. In pastosem Farbauftrag und mit zahlreichen, übereinanderliegenden Pinselstrichen entwickelt Rohlfs das Motiv aus dem Geflecht der Linien und hebt zuletzt in leuchtendem Rot einzelne Partien hervor. Obwohl die beiden Figuren deutlich zu erkennen sind, scheinen sie sich zugleich in der Farbe aufzulösen. Ein irritierendes Spiel aus Fassbarem und nur schwer Definierbarem beginnt, das sich auch in dem einander vertrauensvoll zugewandten Figurenpaar fortsetzt. Zwar scheint es, als liege die volle Aufmerksamkeit auf dem Verhältnis der beiden Figuren. Der alte Mann, auf einen Spazierstock gestützt, hat seinen Blick auf das Kind zu seinen Füßen gerichtet, dessen Gesicht dem Onkel zugewandt ist. Doch die Puppe im Arm des Kindes blickt mit dunklen, dämonischen Augen aus dem Bild und bezieht die Umwelt ins Geschehen mit ein. Nur schwer lässt sich ihr Ausdruck deuten und die Rolle, die ihr in der Figurenkonstellation zukommt. Allzu menschlich wirkt sie und bekräftigt die Wirkung von Christian Rohlfs Bildnissen, die Paul Vogt bereits 1958 wie folgt beschreibt: "Seine Bauern und Spaziergänger, Gauner, Liebespaare, Tänzer und Akrobaten scheinen einer Zwischenwelt zu entstammen – halb Märchen, halb Wirklichkeit." (Paul Vogt, Christian Rohlfs, Recklinghausen 1958, S. 10). Auch das Gemälde "Der Onkel" spielt gekonnt mit dieser leisen Abivalenz und beschäftigt die Vorstellungskraft mit der Entschlüsselung des Realen und Imaginären. [AR]



 

Aufgeld und Steuern zu Christian Rohlfs "Der Onkel"
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