Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 494

 

494
Karl Schmidt-Rottluff
Sonne über Häusern, 1963.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 140.000 - 180.000
+
Sonne über Häusern. 1963.
Öl auf Leinwand.
Nicht mehr bei Grohmann. Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen betitelt und mit der Werknummer „631“ versehen. 77 x 90 cm (30,3 x 35,4 in).

• Gemälde mit Berlin-Motiv sind im Œuvre Schmidt-Rottluffs äußerst selten.
• Der Künstler gewährt uns einen persönlich-intimen Blick aus dem Fenster seiner Wohnung in Berlin-Zehlendorf.
• Ausdrucksstarke Stadtansicht aus den späten Schaffensjahren des Künstlers.
• Charaktervolle Arbeit in feurigem Kolorit.
• Bereits zu Lebzeiten des Künstlers erstmals ausgestellt
.

Das Gemälde ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Große Kunstausstellung, Haus der Kunst, München, 8.6.-24.9.1967, Kat.-Nr. 945 (m. Abb. S. 131) (verso auf dem Keilrahmen mit dem Ausstellungsetikett).
Stadtbilder. Berlin in der Malerei vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 19.9.-1.11.1987, Berlin Museum, Kat.-Nr. 246 (hier fälschlich auf 1961 datiert).

„Immer wieder muß die Welt neu gesehen werden, neu gedeutet werden und jeder muß seinen Teil dazu beitragen“
Karl Schmidt-Rottluff, zit. nach: Magdalena M. Moeller (Hrsg.), Karl Schmidt-Rottluff, Die Berliner Jahre 1946-1976, München 2005, S. 32.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.35 h +/- 20 Min.

In diesem farbkräftigen Gemälde präsentiert uns Karl Schmidt-Rottluff eine Szenerie, die in seinem malerischen Œuvre große Seltenheit besitzt. Während die meisten anderen „Brücke“-Künstler, und unter ihnen besonders Ernst Ludwig Kirchner, in der Zeit ihres Zusammenschlusses häufig die Großstadt als Inspirationsquelle nutzen, sucht man die Auseinandersetzung mit dieser Motivik bei Schmidt-Rottluff nahezu vergebens. Bei „Sonne über Häusern“ handelt es sich um eines der sehr seltenen Gemälde, in denen der Künstler seinen langjährigen Wohnort Berlin zum Motiv erhebt. Dabei birgt die ausdrucksstarke Komposition einen besonderen persönlichen Bezug, denn Schmidt-Rottluff gewährt uns einen Blick aus dem Fenster seiner Berliner Wohnung. Er wird 1947 an die dortige Hochschule der Künste berufen und bezieht in diesem Zusammenhang die Räumlichkeiten in der Schützallee in Berlin-Zehlendorf, die er bis zu seinem Lebensende im Jahr 1976 bewohnen wird.
Als der Künstler im Jahr 1964 seine Idee zur Gründung eines Museums umsetzt, das der Künstlergruppe „Brücke“ gewidmet sein soll, entsteht dieses in unmittelbarer Nähe Berlin-Zehlendorfs, wodurch ebenfalls der persönliche Bezug Schmidt-Rottluffs zu diesem Berliner Stadtteil deutlich wird. Mit einer Schenkung an das Land Berlin stellt der Künstler zudem das Grundgerüst für diese Sammlung bereit. Durch zahlreiche weitere Erwerbungen des Künstlers sowie Schenkungen von Wegbegleiter:innen wie Erich Heckel, Max Kaus und Emy Roeder wird der Sammlungsbestand im Laufe der Jahre weiter ausgebaut. 1967 findet bereits die Eröffnung des Brücke-Museums statt, in dem sich bis heute eine der größten Sammlungen von Kunstwerken der „Brücke“-Mitglieder befindet.
Diese hier angebotene, farbenfrohe Aussicht aus Schmidt-Rottluffs Berliner Wohnung entsteht auf dem Gipfel seiner künstlerischen Tätigkeit. Nur wenig später, im Jahr 1964, beendet er endgültig das Malen mit Ölfarbe. Den Blick aus seinem Fenster in die Ersteiner Straße schildert der Künstler mit prägnanten Konturen in der flächigen, charakteristischen Malweise seines Spätwerks. Hinter drei schön gewachsenen, herbstlich anmutenden Bäumen erkennen wir eine langgezogene Häuserfront unter einer kraftvollen, überdimensionierten Sonne. Der belebte graue Himmel bildet das Gegengewicht zu dem kräftigen Kolorit der restlichen Darstellung. Besonders in den späteren Werken Schmidt-Rottluffs ist eine Neigung zu einer nahezu grafischen Interpretation der Bildgegenstände zu erkennen, die durch eine kräftige Farbpalette den Inhalt wirkungsvoll vermittelt. Es ist genau diese farbstarke, lebendige und grafische Malart des Spätwerks, die hier den persönlichen Ausblick des Malers und Grafikers Schmidt-Rottluff umso persönlicher und emotional nachfühlbar macht. [AM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Karl Schmidt-Rottluff "Sonne über Häusern"
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Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.