Auktion: 535 / Evening Sale mit Sammlung Hermann Gerlinger am 09.12.2022 in München Lot 40

 

40
Hermann Max Pechstein
Sonnenuntergang an der See, 1921.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
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Sonnenuntergang an der See. 1921.
Öl auf Leinwand.
Soika 1921/6. Links unten signiert. Verso signiert, betitelt und bezeichnet "XI". 80 x 101 cm (31,4 x 39,7 in).
Im Werkstattbuch des Künstlers ist das Gemälde für das Jahr 1921 eingetragen mit "XI. Sonnenuntergang an der See". [JS].
• In keinem anderen Landschaftsgemälde hat Pechstein seine Begeisterung für Sonne und Meer so faszinierend umgesetzt.
• Leuchtendes Farbspektakel, wie es nur selten in Pechsteins Œuvre anzutreffen ist.
• Aus der bedeutenden Berliner Sammlung des Pechstein-Förderers Carl Steinbart, in der sich 25 Pechstein-Gemälde, darunter "Lotte mit Kopftuch" (1919) sowie u. a. Gemälde von Munch, Courbet und Slevogt befanden.
• Erstes Gemälde des Strandes im Küstenort Leba, der für Pechstein fortan zum künstlerischen Sehnsuchtsort wird.
• Für die Arbeit liegt uns eine Leihanfrage von Dr. Roman Zieglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne, Museum Wiesbaden, für die für das Jahr 2024 geplante Ausstellung „Max Pechstein – Die Sonne in Schwarzweiß“ vor
.

PROVENIENZ: Sammlung Carl Steinbart, Berlin (um 1921 vom Künstler erworben).
Sammlung Eva Beyer, geb. Steinbart (1923 durch Erbschaft vom Vorgenannten erhalten, auf dem Keilrahmen mit der Bezeichnung "Eva" und "Steinbart E. Beyer", von fremder Hand).
Sammlung Dr. Conrad und Elsa Doebbeke, Berlin (bis 1959, auf dem Keilrahmen mit der Bezeichnung "Elsa Doebbeke", von fremder Hand).
Privatsammlung Saarland (1959 vom Vorgenannten erworben, Stuttgarter Kunstkabinett, 30.5.1959, Los 728, bis 1965).
Privatsammlung Berlin.
Privatsammlung Niedersachsen.

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 33. Auktion, Moderne Kunst, 30.5.1959, Los 728, m. SW-Abb., Tafel 71 (verso mit dem Etikett).

"Die Natur hat sich nun schon zum dritten Mal verändert, und im Herbst, wenn sie es ein 4. x tut, muß ich scheiden."
Hermann Max Pechstein am 4. August 1921 aus Leba , zit. nach: Soika, Bd. 1, S. 73.

Aufrufzeit: 09.12.2022 - ca. 18.18 h +/- 20 Min.

Wenn Pechstein Landschaft malt, sind es Sonne und Meer, die ihn begeistern. Immer wieder ist er von Berlin aus ans Meer gereist, nach Nidden, Dangast, Palau, Monterosso al Mare, Positano sowie Leba und Rowe in Pommern. Es ist das ausgelassene Farb- und Formspiel, das ihn fasziniert, die Wolken- und Wellenformationen sowie der Wechsel der Tageszeiten, des Wetters und des Lichtes. In Farbigkeit und Komposition herausragend ist sicherlich unser "Sonnenuntergang an der See", den Pechstein im Küstenort Leba als das elfte Werk des Jahres 1921 in sein Werkstattbuch eingetragen hat. Es ist ein leuchtendes Farbspektakel, wie es sonst nur äußerst selten in Pechsteins Werk anzutreffen ist. Wohl nur in seinen Südseebildern hat Pechstein eine Farbigkeit von vergleichbarer Intensität erreicht.

Und so überrascht es nicht, dass das vorliegende Gemälde aus der bedeutenden Sammlung Carl Steinbarts (1852–1923) stammt. Steinbart (Abb.) war Prokurist beim Bankhaus Mendelsohn & Co in Berlin und "trug außer einer Sammlung von über sechzig Gemälden Max Slevogts nach 1918 auch eine beachtliche Sammlung expressionistischer Kunst zusammen, darunter zahlreiche Werke Pechsteins" (Soika, Bd. 1, S. 125). Als frühestes Werk soll sogar eine Version des Motivs "Die Welle" von Gustave Courbet Teil der Sammlung gewesen sein. Insgesamt 25 Pechstein-Gemälde, darunter auch "Lotte mit Kopftuch" (Soika 1920/43) (Abb.), befanden sich in Steinbarts Sammlung, die frühesten aus dem Jahr 1917. Spätestens 1918 müssen sich Pechstein und Steinbart im Zuge eines Porträtauftrages für ein Bildnis seiner Tochter Dora persönlich kennengelernt haben ("Die chinesische Jacke", Soika 1918/44). Steinbart sammelte auch Edvard Munch, der ebenfalls zwei Porträts von dessen Tochter Irmgard, Doras Schwester, anfertigte. Für die Jahre 1919 und 1920 ist der freundschaftliche Kontakt zwischen Pechstein und Steinbart schließlich durch eine Reihe von Postkarten und Briefen des Künstlers an seinen "werte[n] Gönner" belegt. Im Mai 1919 schickt Pechstein etwa ein gezeichnetes Selbstporträt mit den Zeilen "Lieber Herr C. Steinbart, hier sehen sie mich mit einer geschwollenen Backe, welche mir eine Mücke versetzt hat, ist nicht angenehm, sieht aber verdammt gut aus" (zit. nach: Soika, Bd. 1. S. 124). (Abb.) Nach Steinbarts Tod im Oktober 1923 wurde die Sammlung aufgeteilt und an seine drei Töchter Dora, Irmgard und Eva vererbt. Eva erhielt unter anderem unseren "Sonnenuntergang an der See".

Es ist das erste Gemälde, in dem Pechstein den Strand des pommerschen Küstenortes Leba festgehalten hat, den er erstmals am Abend des 3. Mai 1921 gemeinsam mit Lotte und dem 8-jährigen Frank per Zug von Berlin erreicht. Besonders begeistert war Pechstein dort vom stetigen Wandel der Natur in den sich ändernden Tages- und Jahreszeiten: "Die Natur hat sich nun schon zum dritten Mal verändert, und im Herbst, wenn sie es ein 4. x tut, muß ich scheiden" (H. M. Pechstein 1921, zit. nach: Soika, Bd. 1, S. 73). Pechstein aber wird fortan regelmäßig in den Sommermonaten an seinen künstlerischen Sehnsuchtsort zurückkehren, der ihm in den Jahren bis 1945 zu seinem zweiten Zuhause wird. [JS]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Hermann Max Pechstein "Sonnenuntergang an der See"
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Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
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weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
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Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.