Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 517

 

517
Christian Rohlfs
Herzblatttlilien auf rotem Grund, 1934.
Tempera und Pastellkreide
Nachverkaufspreis: € 18.000
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Herzblatttlilien auf rotem Grund. 1934.
Tempera und Pastellkreide.
Nicht bei Vogt. Rechts unten monogrammiert und datiert. Auf strukturiertem Velin von Fabriano (mit Wasserzeichen). 58,6 x 44,5 cm (23 x 17,5 in), blattgroß.
[AM].
• Farbkräftiges Blumenstillleben aus der späten Schaffenszeit des Künstlers.
• Anmutige Komposition in Rohlfs einzigartiger Handschrift.
• Werke des Künstlers befinden sich u.a. in den Sammlungen des Museum of Modern Art, New York, und des Louvre, Paris
.

Mit einer schriftlichen Echtheitsbestätigung des Christian Rohlfs Archivs am Osthaus Museum Hagen vom 25. Oktober 2022. Die Arbeit wird unter der Nummer CRA 234/22 in das Christian Rohlfs Archiv aufgenommen.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Süddeutschland (seit 1986, durch Erbschaft vom Vorgenannten).

Paul Vogt (1926-2017), langjähriger Direktor des Essener Museum Folkwang und "spiritus rector" der Forschung über Leben und Werk Christian Rohlfs‘, schätzte 1988 den reichen Fundus der Aquarell- und Tempera-Arbeiten im Œuvre des Künstlers auf über 2000. In seinem bereits 1958 publizierten, noch heute gültigen Werkverzeichnis konnte er hiervon 1576 nachweisen.

Die seit Jahrzehnten im Privatbesitz befindlichen "Herzblattlilien" mussten dem Rohlfs-Biograph seinerzeit unbekannt bleiben. Das von Vogt begründete Christian Rohlfs Archiv am Osthaus Museum, Hagen, hat am 25. Oktober 2022 Authentizität und Echtheit der Arbeit bestätigt. Sie ist nun unter der Nummer CRA 234/22 im Christian Rohlfs Archiv registriert.

Die prachtvolle Temperaarbeit präsentiert sich in außergewöhnlich reicher, leuchtender Kolorierung von insgesamt sechs Farben: Blatt und Stiele der Blumen in Chromoxydgrün, die Zeichnung der Blüten mit zusätzlichen Akzenten in Cadmiumgelb, die Konturen der das Blatt füllenden Pflanze aus der Familie der Funkia in schwarzer Pastellkreide. Einen attraktiven Farbkontrast zum floralen Bildvordergrund stellt die von Rohlfs in echtem Zinnoberrot angelegte mediterrane Backsteinmauer als Fond dar, deren einzelne Steine fein dunkelrot zeichnen und so den Hintergrund geometrisch strukturieren. Zudem verdient ein weiteres Detail des Farbkonzepts besondere Beachtung. Der 84jährige Künstler setzt mit markanten Übermalungen in dunklem Ultramarinblau, vor allem auf dem Boden vor der Backsteinmauer und an den Blatträndern, ganz bewusst farbliche Akzente, mit der er wohl die Vanitas von Natur und menschlichem Dasein künstlerisch apostrophiert.

Die "Herzblattlilien auf rotem Grund" sind ein hinreißendes Beispiel für die bevorzugten Motive und die Farbpalette im gefeierten und vom Markt geschätzten Spätwerk des Künstlers: „Das (…) Alterswerk von Christian Rohlfs (…) bezieht seine besonderen Merkmale aus der ersten Begegnung des Künstlers mit südlicher Landschaft und südlichem Licht in Ascona am Lago Maggiore.“ (Paul Vogt, Christian Rohlfs, Aquarelle Wassertemperablätter Zeichnungen, Recklinghausen 1988, S. 67)

Nach einem ersten Besuch 1927 mietete Rohlfs im Frühjahr 1929 eine Wohnung in der direkt am See gelegenen Casa Margot, wo er fortan jedes Jahr etwa neun Monate leben und arbeiten sollte. Nur wenige Wochen nach seiner letzten Rückkehr nach Hagen am 9. Dezember 1937 ereilte ihn dort am 8. Januar in seinem Atelier der Tod.

Die Jahre von 1933 bis 1937 sahen den Künstler in ein Spannungsfeld von existentieller Bedeutung gestellt: Hochbetagt und im Zenit seines Erfolges sprühte der Künstler vor Schaffenskraft und kreativer Inspiration. Vogt dokumentiert in diesen fünf Jahren allein 457 fertiggestellte Temperaarbeiten, der überwiegende Teil am Lago Maggiore entstanden. International gelingt ihm mit einer ersten Ausstellung in Paris und einem Ankauf des Louvre 1933 sowie mit der Ausstellung am Detroit Institute of Arts im Jahre 1936 der Durchbruch. In schroffem Kontrast zur ungebrochenen Kreativität eines Christian Rohlfs und seiner wachsenden Bekanntheit und Anerkennung beim internationalen Publikum steht der wachsende politische Druck durch die Willkür und den rigorosen Herrschaftsanspruch des Nazi-Regimes auch und gerade im kulturellen Leben des Landes. 1937 werden durch die braunen Machthaber in den deutschen Museen insgesamt 412 Arbeiten von Rohlfs beschlagnahmt, der Künstler wird, wie viele andere Expressionisten, als „entartet“ gebrandmarkt, erhält Ausstellungsverbot.

Die "Herzblattlilien" nehmen unter den 57 im Jahre 1934 gemalten Tempera-Arbeiten eine besondere Stellung ein. Mehr als die Hälfte der Kreationen dieser Schaffensphase haben Motive mit floralem Charakter. „Ein (…) wichtiges Thema blieben die Blumen, deren Popularität alle anderen Themen übertrifft und ihm den Ruf eines ‚Blumenmalers‘ eingebracht hat, obwohl sie lediglich einen, wenn auch sicherlich nicht zu entbehrenden Teil seines Alterswerks ausmachen. Er hat sie im eigenen Garten und in denen seiner Freunde gemalt, die Callas und Cannas, die Anthurien und Funkien, die Chrysanthemen und Sonnenblumen, die Gladiolen und Lotusblüten, die Magnolien und Amaryllis, die Daturas, Hortensien, Kamelien und viele andere mehr, in der Blüte des Sommers und im herbstlichen Vergehen als Symbole unvergänglichen Lebens.“ (Paul Vogt, Christian Rohlfs, Leben und Werk, in: C.R. 1849-193, Katalog der Ausstellungen in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 22. März bis 16. Juni 1996 sowie im Von der Heydt-Museum Wuppertal 30. Juni bis 8. September 1996, S. 28).

Vogt resümiert 1988: “Das Resultat jener lichterfüllten Phase zwischen 1930 und 1933/34 ist der krönende Abschluss des Spätwerks in den letzten, ungemein schaffensreichen Jahren (…). Nie zuvor hatten seine Farben bei aller Kraft eine derartige Sensibilität, bei solchem Reichtum eine ähnliche Transparenz besessen.“ (Vogt, Aquarelle Wassertemperablätter Zeichnungen, a.a.O., S. 75ff.)

Koloristik, Leuchtkraft und kontraststarke Konturierung des gewählten Blumenthemas weisen vorliegende "Herzblattlilien auf rotem Grund" als eine Tempera-Arbeit von allererster Qualität und Attraktivität aus. Sie ist gleichrangig zu nennen neben einer anderen malerischen Pretiose desselben Jahres: "Den Weißen Escheverien in roter Schale" (Vogt 34/45) aus der Helene Rohlfs Stiftung im Museum Folkwang Essen.

Eine Konsultation der digitalen Annalen des internationalen Kunstmarkts der zurückliegenden Jahre, Artprice, Artnet und andere, bestätigt die singuläre Qualität dieses Angebots aus dem malerischen Œuvre eines Christian Rohlfs.

Das Blatt ist von makelloser Farbfrische und ohne jegliche Spuren einer etwaigen früheren Hängung, verso mit den Arbeitsspuren des Künstlers mit Akzenten in verschiedenen Temperafarben. Die Arbeit zeichnet sich zudem durch absolute Marktfrische aus. Seit zwei Generationen in süddeutschem Privatbesitz, seit 1986 durch Erbgang im Besitz der jetzigen Eigentümer: Nie gehängt, nie gezeigt, nie am Markt angeboten…

Text: Michael F. Walz



 

Aufgeld und Steuern zu Christian Rohlfs "Herzblatttlilien auf rotem Grund"
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