Auktion: 285 / Kunst des XX. Jahrhunderts und Muenchner Schule am 05.12.2003 Lot 101

 
Ewald Mataré - Finnisches Rind


 
101
Ewald Mataré
Finnisches Rind, 1929.
Bronze
Schätzung:
€ 28.000
Ergebnis:
€ 57.500

(inkl. 15% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Finnisches Rind
Bronze mit dunkelbrauner Patina, 1929 , nach dem Exemplar in Birkenholz gegossen
Schilling 55 a. In der Mitte der Plinthe mit dem stilisierten Monogramm. Eines von ca. 15 Exemplaren. 20,5 x 17,8 x 33 cm ( 8 x 7 x 12,9 in), ohne die Plinthe.
Da Mataré die Bronzen nach Bedarf gießen ließ, lässt sich weder eine genaue Anzahl, noch ein definitives Jahr festlegen.

PROVENIENZ: Privatsammlung des Architekten Hugo Häring (1882 - 1958), tätig in Berlin und Biberach a.d.R., vom Künstler wohl Anfang der 1940er Jahre erworben.
Privatbesitz Norddeutschland, seit 1957.

Ausstellung: Weitere Exemplare der Bronze in öffentlichen Sammlungen:
Rheinisches Landesmuseum, Bonn.
Leopold-Hoesch-Museum, Düren.
Kunsthalle Hamburg.

LITERATUR: Erwerbungsberichte der Hamburger Kunsthalle, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 1959, Bd. 4, S. 200 (mit Abb.).

In Matarés Arbeiten ist die Liebe zur handwerklichen Arbeit deutlich spürbar. Sie gilt ihm als Prämisse des Kunstwerkes, das Geistiges und Manuelles in sich vereinen soll. In seinen Skulpturen strebt er nach Konzentration durch konsequente Vereinfachung, um das Wesentliche des Motivs zu erfassen. Innerhalb seines engen Repertoires ist es vor allem das Motiv der Kuh, das er in zahlreichen Variationen erprobt. Er spannt das Tier in ein geometrisches Liniensystem und reduziert seine Umrisse auf wenige schwungvolle Bögen. Das organisch gewachsene Holz wird zum Lieblingsmaterial, an dem sich sein plastisches Denken entzündet. In den Sommermonaten nutzt er oft die Abgeschiedenheit Finnlands zur Umsetzung neuer Ideen. Umfangreiche Tagebucheintragungen Matarés geben Einblick in die künstlerischen Prozesse. "10. Juli 1929: Ich bin nun mit Volldampf an meiner Kuh[...] 18. Juli 1929: Meine Kuh geht weiter, diesmal habe ich mich fast ganz auf eine Naturstudie eingestellt, um dann hinterher eine solche zu machen, deren Form mehr noch herausgeschält ist [...] Ich muß wiederholen, wie ein Tischler seinen Stuhl macht, so muß eine Plastik gemacht werden, alles sogenannte Gefühlsmäßige ist Unsinn [...] 22. Juli 1929: [...] doch nähere ich mich nun seit Jahren langsam von allen Seiten diesem Biest, vielleicht gelingt es mir doch, es einzukreisen, aber es tut sich immer eine neue Stelle auf [...] Gestern war ein Kitschmaler hier, der fand meine Kuh weitaus am besten, das ist sehr verdächtig - und ich habe auch immer etwas gegen diese Arbeit gehabt [...] Ich glaube, daß umgegossen in Bronze das Tier wesentlich gewinnen würde [...] 8. August 1929: Ich habe solchen Ärger mit den Hörnern meiner Kuh, zweimal brachen sie ab, aber nun ist sie da. 15. August 1929: Mit dieser glaube ich, mir einen neuen Boden unter den Füßen geschaffen zu haben." (E. M. in: Schilling, S. 161f.). [AS]

101
Ewald Mataré
Finnisches Rind, 1929.
Bronze
Schätzung:
€ 28.000
Ergebnis:
€ 57.500

(inkl. 15% Käuferaufgeld)