Auktion: 516 / Wertvolle Bücher am 31.05.2021 in Hamburg Lot 10

 
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Manuskripte
Stundenbuch. Pergamenthandschrift, Italien 1494
Nachverkaufspreis: € 15.000
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Objektbeschreibung
Mit Schreiber-Signatur

Stundenbuch
Lateinisches und italienisches Stundenbuch für den Gebrauch von Rom. Manuskript auf Pergament. Italien (Rom?), 5. März 1494.

- Franziskanisch geprägtes Stundenbuch aus Italien
- Vom Schreiber signiert und datiert, so sehr selten
- Angefertigt für einen Laien, mit vielen Gebeten in italienischer Sprache


Bemerkenswertes und einzigartiges Manuskript mit Datierung und Signatur des Schreibers, einem Franziskanermönch namens Johannes Francigenis (Johannes aus Frankreich). Eine Reihe von Gebeten in italienischer Sprache läßt vermuten, daß das Stundenbuch speziell für einen Laien, möglicherweise eine fromme wohlhabende Frau, angefertigt wurde. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war eine wachsende Unterstützung der franziskanischen Observantenbewegung unter den Laien zu erkennen. Die Franziskaner fungierten als religiöse Ratgeber für Laien und ermutigten sie zur Teilnahme an religiösen Angelegenheiten. Die vorliegende Handschrift spiegelt diese neue theologische Tendenz in Italien wider. Dem entspricht auch die eher sparsame Illuminierung, denn Stundenbücher sollten als Andachtsbücher und nicht als luxuriöse Ausstellungsstücke dienen. Die Illustration spielt daher gegenüber dem Text eine untergeordnete Rolle.
Inhalt:
Fol. I-II: Zwei hinzugefügte Pergamentblätter, das erste leer, das zweite ein verziertes Titelblatt mit einem nicht zu identifizierenden (vielleicht gefälschten) Wappen eines Kardinals, und Titel: Officium Parvum Beate Marie Virginis iuxta ritum sancte Romane ecclesie .
Fol. 1r-12v: Kalendarium für den Gebrauch von Rom, mit Hervorhebung vieler franziskanischer Feste.
Fol. 13r-61v: Marienoffizium nach Gebrauch von Rom.
Fol. 62r-80r: Bußpsalmen und Litanei.
Fol. 80v-81v: Evangeliumsequenz nach Johannes.
Fol. 82r/v leer
Fol. 83r-114v: Totenoffizium.
Fol. 115r-117v: Stundengebet zum Heiligen Kreuz.
Fol. 118r-120v: Stundengebet zum Heiligen Geist.
Fol. 120v-140v: Gebete für Ablässe (mit italienischen Rubriken); Salve sancta facies, andere Gebete (auf Italienisch); Offizium von Papst Johannes XXII., andere Gebete auf Italienisch; Gebete in Latein von Bede, Augustinus etc.
Fol. 140v: Explicit: Deo gracias Amen. Officium beate Marie Virginis et Septem Psalmis Penitentialibus et Officium Defunctorum, Sancti Spiritis et Sancte Crucis cum pluribus orationibus. Acuratissime scriptum per fratrem Johannem Francigenis ordinis minorum. Anno domini M.cccc Lxxxxiiij [1494] v Martij [5. März].
Die historisierten Initialen zeigen: Verkündigung (Fol. 13r), König David im Gebet (62r), einen betenden Eremiten vor einem Totenkopf (Fol. 83r), Kreuz vor Landschaft mit einer Stadtmauer (115r), Taube als Symbol des Hl. Geistes (118r).

EINBAND: Grüner Maroquinband des 19. Jahrhunderts mit rotem Rückenschild, reicher floraler Rücken- und Deckelvergoldung à la dentelle, Steh- und Innenkantenvergoldung, marmorierten Vorsätzen und Goldschnitt. In marmoriertem Lederschuber mit Goldbordüren. 18,5 : 12,5 cm. - ILLUSTRATION: Mit 5 großen historisierten Goldgrund-Initialen in Blau, Mauve und Ockergelb mit floraler Seitenbordüre, 2 weiteren großen Initialen in gleicher Gestaltung mit Blumenmotiv im Buchstabenkörper, 1 vierzeiligen Initiale in Gold mit blauem Federwerk, sowie zahlreichen ein- bis dreizeiligen Initialen in Blau oder Rot mit italienischem Federwerk in der Gegenfarbe. - KOLLATION: 2 Bll., 142 Bll., 2 leere Bll. Meist Quinternionen, mit verzierten Reklamanten. Blattgröße 17,6 : 12,2 cm. Schriftspiegel 11 : 9 cm, regliert, 15 Zeilen. Ebenmäßige italienische Littera rotunda in schwarzer Tinte, Rubriken in Rot. - ZUSTAND: Tinte stellenw. verblaßt, tls. gering fingerfleckig, Goldauftrag mit Craquelé, erstes Bl. des Marienoffiziums knapp beschnitten. Einbandgelenke unten etw. eingerissen. Insgesamt sonst guterhaltene und dekorative Handschrift. - PROVENIENZ: Fol. 140r mit Explicit in roter Tinte: Geschrieben von dem Franziskaner Bruder Johannes Francigenis und am 5. März 1494 vollendet. Angefertigt für einen Auftraggeber (oder eine Auftraggeberin), mit Wappenmalerei zu Beginn des Marienoffiziums auf Fol. 13r (rasiert). - Im 19. Jh. hinzugefügtes Titelblatt mit einer unidentifizierbaren (möglicherweise gefälschten?) Wappendarstellung eines Kardinals. - Privatsammlung Europa. - Sammlung Schweiz.
LITERATUR: P. Hutton, Franciscan Books of Hours from Italy in the Newberry Library , Chicago 2011. - Fr. Manzari, Italian Books of Hours and Prayerbooks in the Fourteenth Century, in: Books of Hours Reconsidered , ed. by S. Hindman and J. Marrow, Turnhout 2013, S. 153-209.

Latin and Italian Book of Hours for the use of Rom, and Franciscan use. Illuminated manuscript on vellum, written by Franciscan Friar John of France (Johannes Francigena). Italy, (Rome?), completed 5 March 1494. This present manuscript is especially interesting and revealing as it was dated and signed by the scribe. A series of prayers in Italian suggests that the book was made by the Franciscan monk for a laic, possibly a wealthy woman. By the end of the 15th century, growing support among the laity for the Franciscan Observant movement was palpable. Franciscans acted as religious counsellors for lay people and encouraged their participation in religious affairs. The book at hand reflects this new theological tendency in Italy. - With 5 large historiated initials on gold leaf ground in blue, mauve and ochre yellow with floral side border, 2 further large initials in the same design with floral motif in the body of the letter, 1 four-line initial in gold with blue penwork, as well as numerous 1-3-line initials in blue or red with penwork in the counter color. - Collation: 2 later added vellum leaves, 142 leaves, 2 blank leaves. Mostly quinterniones, with catchwords. Sheet size 17,6 : 12,2 cm. Written space: 11 : 9 cm. Ruled for 15 lines. Written in black ink in a regular Italian Littera rotunda, rubrics in red. - 19th cent. morocco richly gilt with red label on spine, inside gilt border, marbled endpapers and gilt edges, in marbled leather case. - Ink faded in places, some minor fingerstaining, gold application with craquelé, first leaf of the Matins cropped close at upper and lower margin. Binding joints somewhat torn at the bottom. Otherwise well preserved and decorative manuscript. Provenance: Fol. 140r with Explicit in red ink written by the Franciscan friar John Francigenis and completed on 5 March 1494. Made for a patron (or patroness), with armorial painting at the beginning of the Office of the Virgin on fol. 13r (shaved). - Title page added in the 19th century with an unidentifiable (possibly forged?) cardinal's coat of arms. - Private collection Europe. - Collection Switzerland.(R)

 


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