Auktion: 416 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 07.06.2014 in München Lot 873


873
Daniel Richter
Scharnier, von gestern zu morgen, 2005.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 100.040

(inkl. Käuferaufgeld)
Scharnier, von gestern zu morgen. 2005.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und betitelt. Auf dem Keilrahmen zweifach handschriftlich bezeichnet "DR/M 175". 220,3 x 170,2 cm (86,7 x 67 in).

Die großformatigen Ölgemälde gehören zu den gefragtesten Arbeiten Daniel Richters. Sie werden nur selten auf dem deutschen Auktionsmarkt angeboten.

PROVENIENZ: Contemporary Fine Arts, Berlin (auf dem Keilrahmen mehrfach mit dem Galerieetikett sowie mit dem Stempel).

Daniel Richter, einer der Protagonisten der zeitgenössischen Malerei in Deutschland, wird 1962 in Eutin geboren. In den 1980er Jahren entwirft er Plakate und Plattencover für Rock- und Punkbands und ist in der Hamburger Subkultur aktiv. 1991 bis 1995 studiert er an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Werner Büttner. Die Unkonventionalität und der kulturelle Ungehorsam, welche der Künstlerkreis um Büttner, Albert Oehlen und Martin Kippenberger in den 1980er zu ihrer Maxime gemacht haben, bringen Richter letztendlich zur Malerei. Zeitweilig arbeitet er als Assistent für Albert Oehlen (Malerei, Objektkunst, Installation und Musik), bis heute steht er in engem Kontakt zu den Künstlerkollegen. Bis zum Jahr 2000 sind seine Werke durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Abstraktion bestimmt, in seinen folgenden Arbeiten rückt die Figuration stärker in den Vordergrund.

Das hier angebotene, in seinem Großformat beeindruckende Gemälde Daniel Richters gehört in die Werkgruppe der Rückenfiguren, die ab 2005 entstehen. Richter konzentriert sich hier auf die in Rückansicht gezeigte männliche Figur und stellt sie isoliert in eine nicht lokalisierbare Raumsituation. Kein Zitat im eigentlichen Sinne ist als Stichwortgeber anzuführen, doch das mit dem Rücken zum Betrachter stehende Selbstbildnis Kippenbergers mit dem Titel "Martin, ab in die Ecke und schäm Dich" aus dem Jahr 1989 wird von Richter selbst als wegweisend angeführt (vgl. dazu Christoph Heinrich, Beachte den Vogel! in: Daniel Richter. Die Palette 1995-2007, Ausst.Kat. Hamburg u.a., Köln 2007, S. 15). Auch in unserem Gemälde steht die Figur mit dem Gesicht zur Wand. Sie ist zwar nackt, doch durch den gestischen Pinselstrich und die sich nebelgleich auflösenden Konturen nicht gänzlich entblöst. Sie löst sich scheinbar vor der Wand auf, welche prismatisch in bunt gefüllten Dreiecksformen einen flirrenden Fond bildet und gleich einem weiteren kunstgeschichtlichen Zitat auf die Tafeln der Farbenlehre verweist.

2004 übernimmt Richter an der Universität der Künste Berlin die Professur für Malerei, 2006 wechselt er an die Wiener Akademie der bildenden Künste. Jüngst waren Arbeiten Richters etwa in der Kestnergesellschaft, Hannover (2011), im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebaek (2012) oder in der Kunsthalle Kiel (2013).

Daniel Richter ist u.a. vertreten in:
Contemporary Fine Arts, Berlin
David Zwirner, New York/London
Galerie Andreas Höhne, München
Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg
Saatchi Gallery, London
Sammlung Boros, Berlin
Sammlung Kopp, München
Sammlung Rheingold, Mönchengladbach
me Collectors Room, Berlin
Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg




873
Daniel Richter
Scharnier, von gestern zu morgen, 2005.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 100.040

(inkl. Käuferaufgeld)