Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 886


886
Sol LeWitt
Vertical Brush Strokes, 1992.
Gouache
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 85.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Vertical Brush Strokes. 1992.
Gouache.
Rechts unten signiert und datiert. Auf der Rahmenrückpappe handschriftlich betitelt, datiert und bezeichnet. 152,8 x 87,1 cm (60,1 x 34,2 in), blattgroß. [JS].

Eine der ausgesprochen seltenen großformatigen Papierarbeiten des Künstlers auf dem deutschen Auktionsmarkt.
Wir danken Frau Sofia LeWitt für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Annemarie Verna, Zürich.
Privatsammlung Süddeutschland (1992 vom Vorgenannten erworben).

Sol LeWitt wird 1928 in Hartford im Bundesstaat Connecticut geboren. 1945 beginnt er sein vierjähriges Studium an der Syracuse Universität, New York, und besucht anschließend die Cartoonist and Illustrators School in New York City. Nach seinem Studium ist er als Grafiker tätig und arbeitet für das Museum of Modern Art, wo er Robert Mangold, Robert Ryman und Dan Flavin kennenlernt. Sol LeWitt unterrichtet an verschiedenen Kunstschulen wie an der Museum Art School und an der University New York. 1962 beginnt Sol LeWitt erste Boden- und Wandarbeiten sowie Skulpturen in geometrischen Formen. Er holt sich Inspirationen vom Konstruktivismus der klassischen Moderne, vom Bauhaus sowie der holländischen Stilbewegung "De Stijl" und entwickelt diese Ideen weiter, indem er in seinen Werken verschiedene Variationen durchspielt. Das Ziel der Variationen ist eine Gleichstellung der Möglichkeiten. Die Aussagekraft des Kunstwerkes soll sich nur auf sich selbst beziehen und nicht auf etwas anderes. Ab 1965 entstehen modulare Arbeiten mit räumlichen Strukturen unter Einbeziehung gitterartiger Konstruktionen oder auch Kuben.

Wie die Pop-Art ist auch die Minimal-Art eine genuin amerikanische Kunstrichtung, welche durch die künstlerische Konfrontation mit der kunsthistorischen Tradition, allem voran dem Abstrakten Expressionismus der Nachkriegszeit, zu einer vollkommen neuartigen Bildsprache findet. Während Andy Warhol etwa in seinen 1962/63 geschaffenen malbuchartigen "Do-it-yourself"-Bildern eine beißende Persiflage auf die zeitgenössische Vorstellung von Malerei entworfen hat und der zentralen Bedeutung der künstlerischen Handschrift eine klare Absage erteilt, so hat auch Lewitt, einer der Protagonisten der Minimal-Art, mit jenem traditionellen Charakteristikum der Malerei gebrochen. Sol LeWitt verdrängt alles gestische aus seinem Werk und führt die künstlerische Schaffenskraft - wie auch in der vorliegenden Arbeit - an die Grenzen der formalen Reduktion. LeWitts frühe, großformatige Wandzeichnungen, in denen er dynamische Linienstrukturen über die Fläche ausbreitet und die er zum Teil durch Assistenten ausführen ließ, gehören zu den konzeptuell fortschrittlichsten Arbeiten der 1960er Jahre. Großen Wert hat LeWitt darauf gelegt, dass sein Werk als "konzeptuell" bezeichnet wird und auf diese Weise unmissverständlich ein Gegenkonzept zu der expressiven Gestik des Farbauftrages entworfen, die für das Action Painting und den Abstrakten Expressionismus charakteristisch ist.

Seine praktische Künstlertätigkeit wird begleitet von den Publikationen "Paragraphen über konzeptuelle Kunst" von 1967 und "Sätze über konzeptuelle Kunst" von 1969, welche ihn zum Begründer des Kunstbegriffs der Konzeptkunst machen. Sol LeWitt stirbt am 8. April 2007 in New York.




886
Sol LeWitt
Vertical Brush Strokes, 1992.
Gouache
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 85.000

(inkl. Käuferaufgeld)