Auktion: 417 / Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts am 21.11.2014 in München Lot 334


334
Carl Spitzweg
In Erwartung der Zeitung, Um 1865/1870.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 91.500

(inkl. Käuferaufgeld)
In Erwartung der Zeitung. Um 1865/1870.
Öl auf Holz.
Verkaufsverzeichnis Nr. 415. Roennefahrt 877. Wichmann 531. Links unten mit dem Rhombus. 29,3 x 21,8 cm (11,5 x 8,5 in).

PROVENIENZ: Spitzweg verkauft laut seiner Verkaufsliste im Dezember 1880 dieses Gemälde unter dem Titel "Zeitungsträgerin" (Nr. 415) an den Münchner Kunsthändler H. Ludwig Schmederer, gemeinsam mit den Werken "Festungskommandant" und "Kleine Stadt mit Schlagbaum" (Verkaufsverzeichnis 414 und 416).
Galerie Heinemann, München, Galerie-Nr. 18997 (von Schmederer am 27. Oktober 1933 erworben, Verkauf am 28. Oktober 1933, mit Kopie der Galerie-Unterlagen).
Seitdem Privatsammlung Unterfranken.

AUSSTELLUNG: Galerie Heinemann, München, Spitzweg-Ausstellung 14.10.-12.11.1933, Nr. 79.
Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in Europa und der glückliche Winkel, Haus der Kunst, München 2003 (außer Katalog, verso auf dem Rahmen mit dem Etikett).

LITERATUR: Hermann Uhde-Bernays, Spitzweg. Der Altmeister Münchener Kunst, München 1915, Abb. 56.
Hermann Uhde-Bernays, Carl Spitzweg. Des Meisters Leben und Werk. Seine Bedeutung in der Geschichte der Münchener Kunst, München 1921, Abb. 63.
F. v. Ostini, Aus Carl Spitzwegs Welt, Barmen 1924, S. 14.
Eugen Kalkschmidt, Carl Spitzweg und seine Welt, 4. Aufl. München 1966, S. 27, Abb. 13.
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte, Frankfurt/Berlin 1991, S. 341, Nr. 415.

Carl Spitzweg wird 1808 in München geboren. Trotz seiner frühen zeichnerischen Begabung erlernt er den Beruf des Apothekers und schließt sein Pharmaziestudium an der Münchner Universität 1832 mit Auszeichnung ab. Aufgrund einer längeren Krankheit gibt er seinen Beruf auf und wendet sich der Malerei zu. Als Autodidakt kopiert er Gemälde der Niederländer in der Alten Pinakothek und schließt Freundschaft mit den Malerkollegen Christian Morgenstern, Eduard Schleich d.Ä. und Friedrich Voltz, die sich im Laufe der Jahre wechselseitig beeinflussen. 1835 wird Spitzweg Mitglied des Münchner Kunstvereins, 1837 kann er erste eigene Werke verkaufen. Sein berühmtes Gemälde "Der arme Poet" entsteht 1839. In den vierziger und fünfziger Jahren halten sich Spitzweg und Schleich mehrfach in Pommersfelden auf, wo sie Bilder der Schönbornschen Galerie kopieren.

Im Gegensatz zur akademischen Malerei und ihren historisch inspirierten Werken widmet sich Carl Spitzweg der Landschafts- und insbesondere der Genremalerei, die das Alltägliche und Bürgerliche in den Mittelpunkt rücken. Diese Themenwahl und die von seinen Bildern ausgehende Beschaulichkeit entsprechen ganz dem Geschmack des damals aufstrebenden Bürgertums und begründen schon zu Lebzeiten Spitzwegs Popularität. In dieser Tradition ist auch die vorliegende in warmen Tönen komponierte Arbeit zu sehen. Mit feinstem Humor und großer Liebe zum Detail schildert Spitzweg die kleinbürgerliche Idylle eines alten Mannes, der im Morgenrock und Pantoffeln vor seinem verwinkelten Haus in der Sonne sitzt und sich friedlich ein Pfeifchen stopft. Sein kleiner Hund läuft bereits aufgeregt zur Steintreppe, die auf die Gasse hinaufführt, denn da erscheint bereits die Zeitungsträgerin, die die erwartete Morgenlektüre bringt.

Studienreisen unter anderem nach Innsbruck, Salzburg, Bozen, Meran, Venedig und Dalmatien bringen neue Anregungen. 1851 reist Spitzweg gemeinsam mit dem Malerfreund Eduard Schleich nach Paris und sieht erstmals Werke der Schule von Barbizon. Anschließend lernen sie in London Arbeiten von John Constable und William Turner kennen. In den 1860er Jahren stellen sich erste Erfolge ein: 1865 erhält Spitzweg den bayerischen Michaelsorden, 1868 wird er Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München. Während seine grafischen Arbeiten für die "Fliegenden Blättern" heute weniger bekannt sind, wird sein malerisches Werk schon zu Lebzeiten berühmt und seine Popularität hat bis heute nicht nachgelassen. Carl Spitzweg hat in seinen Werken die Welt des deutschen Kleinbürgers mit liebevollem Humor gestaltet und in echt biedermeierlicher Weise die "gute alte Zeit" geschildert. Seine Motive, die Eremiten und die armen Poeten, die strickenden Wachposten und die Kakteenfreunde vermitteln ein idyllisches Weltbild, hinter dem jedoch die Fähigkeit zu scharfer Beobachtung steht. 1885 stirbt Spitzweg in München. [CB].




334
Carl Spitzweg
In Erwartung der Zeitung, Um 1865/1870.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 91.500

(inkl. Käuferaufgeld)