Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 881


881
Fritz Winter
Später Sommer, 1960.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 162.500

(inkl. Käuferaufgeld)
Später Sommer. 1960.
Öl auf Leinwand.
Lohberg 2289. Rechts unten signiert. Verso nochmals signiert und datiert sowie betitelt. 135 x 145 cm (53,1 x 57 in).

PROVENIENZ: Fritz-Winter-Stiftung, München.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

"Kunst geht parallel zur Natur. Ich habe mit meiner Malerei Gesetze des Optischen aufzuzeigen, die dem Geschehen in der sichtbaren Welt zugrunde liegen."
Fritz Winter

Den Grundstein für seine Bedeutung als einer der größten deutschen Maler der Nachkriegszeit legt Fritz Winter schon während seiner Ausbildung am Bauhaus in Dessau in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als Schüler u. a. von Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer distanziert er sich jedoch schon früh von der Idee des "untergeordneten Raums“, der für die Malerei am Bauhaus programmatisch ist. Schon seine frühen Experimente zeigen eine freie, von den Bauhaus-Idealen losgelöste Beschäftigung mit bildnerischen Mitteln. 1949 gründet sich unter dem Namen "ZEN 49" in der Münchner Modernen Galerie Otto Stangl die Gruppe der Gegenstandslosen, der neben Fritz Winter u. a. auch Willi Baumeister, Rupprecht Geiger und Rolf Cavael angehören. Sie repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der Entwicklung der modernen, abstrakten Kunst in Deutschland und Europa und setzt sich für eine breitere Anerkennung moderner künstlerischer Ausdrucksformen ein. 1950 macht Fritz Winter die Bekanntschaft von Hans Hartung und Pierre Soulages in Paris. 1955 erhält er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel und nimmt in den Folgejahren an der Documenta I, II und III teil.
Den Verfechtern des Informellen folgend, zeigt Fritz Winter ein Kunstverständnis, welches sich nicht aus der bloßen Gestalt heraus konstruiert, sondern sich nur aus dem Wesen der Dinge erschließen und darstellen lässt. Spontaneität und Dynamik sind bei ihm vorgeführte Kräfte. Über allen Zufälligkeiten und sinnwidrigen Zerstörungen waltet eine höhere Ordnung, eine innere Bestimmtheit, der zu dienen der Künstler in besonderem Maße berufen ist. Der Titel des Werkes offenbart, wie auch viele seiner anderen Werke, den übergeordneten Bezug zur Natur, der in einer abstrakten Formensprache und klassisch ausgewogenen Bildkompositionen die verborgenen, jedoch elementaren Kräfte und Strukturen der Schöpfung sichtbar macht. Sein Kolorit, die Auswahl, Harmonie, Schattierung und Zusammensetzung der verschiedenen Pigmente, versinnbildlicht seine Vorstellung eines späten Sommers. Die Farbe bewegt sich auf einer Grauskala, von Schwarz zu Weiß und ordnet die leuchtenden Farben weniger durch Komplemente und Nachbarschaften als durch ihre Tonwerte in das Ensemble ein.
Zu seinem 60. Geburtstag wird Fritz Winter 1965/66 als einer der herausragenden Nachkriegskünstler in Deutschland mit Retrospektiven etwa in Kassel, Düsseldorf und Berlin geehrt. Eine große Anzahl seiner Bilder schenkt er gegen Ende seines Lebens dem Galerieverein München, aus dem später die Fritz-Winter-Stiftung hervorgeht. [StM/ CE]



881
Fritz Winter
Später Sommer, 1960.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 162.500

(inkl. Käuferaufgeld)