Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 164


164
Max Beckmann
Brücke (Akrobat), 1950.
Bronze mit goldbrauner Patina
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 175.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Brücke (Akrobat). 1950.
Bronze mit goldbrauner Patina.
Einer von 5 authorisierten Güssen. 25 x 31 x 10 cm (9,8 x 12,2 x 3,9 in).

• Eine von nur 8 Skulpturen im Werk Max Beckmanns.
• Einer von nur 5 authorisierten Güssen.
• Ausgestellt in der Kunsthalle Bremen und im Museum Barberini Postdam.
• Ein anderes Exemplar befindet sich in der Sammlung des Detroit Institute of Arts in den USA
.

Wir danken Frau Mayen Beckmann, Köln, für die freundliche wissenschaftliche Beratung. Die Arbeit wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog der Bronzen aufgenommen.

PROVENIENZ: Mathilde Q. Beckmann.
The Alpha Gallery, Boston.
Sammlung Alford P. Rudnick (seit 1968).
Privatsammlung (durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Privatsammlung Boston.

AUSSTELLUNG: Max Beckmann: Welttheater, Kunsthalle Bremen, 30.9.2017-4.2.2018; Museum Barberini, Potsdam 24.2.-10.6.2018, Kat.-Nr. 63.

"Ich suche aus der gegebenen Gegenwart die Brücke zum Unsichtbaren."
Max Beckmann in seinem Tagebuch, 1938.

Das skulpturale Werk Max Beckmanns umfasst gerade mal acht Arbeiten. Die ersten Gipsmodelle entstehen in den 1930er Jahren in Berlin. Beckmann lässt sie sich alle 1937 ins Exil nach Amsterdam schicken und nimmt sie letztendlich auch mit nach Amerika, wohin er und seine Frau 1947 auswandern. In New York entstehen drei weitere Gipsmodelle, unter anderem auch die Vorlage zu unserer Bronze "Brücke". Von allen Modellen lässt Mathilde Beckmann nach dem Tod des Künstlers auf Anraten der Galeristen Catherine Viviano und Curt Valentin Bronzen abgießen. Der Öffentlichkeit werden sie erstmals 1959 in der Ausstellung der Catherine Viviano Gallery in New York präsentiert. Beckmanns skulpturales Werk ist ein äußerst persönliches. Hier verarbeitet er die Geschehnisse der Nazi-Zeit und die damit verbundene Emigration sowie die Krankheit im Todesjahr 1950. Eine Brücke schlägt Beckmann mit seiner Bronze im wahrsten Sinne des Wortes. Sie steht für den Brückenschlag zwischen der Alten und der Neuen Welt, die nun seine neue Heimat werden muss, auch wenn seine Wurzeln in Europa liegen. Die neuen Lebensumstände fordern es oft, sich zu verbiegen wie ein Akrobat, und das Leben scheint wie auf den Kopf gestellt. Das Motiv gehört aber genauso zu Beckmanns Lieblingswelt, dem Zirkus. Zeit seines Lebens ist er begeisterter Zirkusgänger. Seine Frau erinnert sich: "Max ging gern in den Zirkus und ins Varieté; wir haben viele Vorstellungen besucht [..] Er war besonders von den bunt kostümierten Zirkusleuten beeindruckt. Die Geschicklichkeit, mit der sie bei den schwierigsten Nummern Balance hielten, machte die Akrobaten für ihn zu einer Art von höheren sich im Raum bewegenden Wesen. (zit. nach: Christiane Zeiller, Max Beckmanns Passion für den Zirkus in seinen Skizzenbüchern, in: Ausst.-Kat. Welttheater, S. 54). Die artistischen Motive stehen sinnbildlich für den Balanceakt Leben und seine Widrigkeiten, die es zu meistern gilt. [SM]



164
Max Beckmann
Brücke (Akrobat), 1950.
Bronze mit goldbrauner Patina
Schätzung:
€ 50.000
Ergebnis:
€ 175.000

(inkl. Käuferaufgeld)