Auktion: 524 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 10.12.2021 in München Lot 131


131
Gerhard Hoehme
Jade weit her, 1986.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inklusive Aufgeld)
Jade weit her. 1986.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur.
Hoehme 85-07. Oben mittig signiert und datiert. Verso signiert, datiert "1986", betitelt und bezeichnet. Leinwand: 120 x 150 cm (47,2 x 59 in). Gesamtmaß: ca. 230 x 160 cm (90,6 x 63 in).

• Leuchtend-opake Schöpfung mit gestischen Akzenten in Jadegrün, die durch ihre enorme räumliche Präsenz überzeugt.
• Eine der seltenen Arbeiten, in denen Hoehme seine berühmten PE-Schnüre mit einer "shaped canvas" kombiniert.
• Formal ähnlich aufgebaute Arbeiten befinden sich u. a. in der Kunsthalle Kiel und dem Museum am Ostwall, Dortmund.
• Hoehme gilt als Protagonist des deutschen Informel, als deutscher Pionier der "shaped canvas" und als bedeutender Verfechter des "offenen Bildes"
.

PROVENIENZ: Sammlung Deutsche Bank.

"Die Schnur ist eine Art Fühler. Sie tritt aus dem Bild heraus, kommt auf den Betrachter zu, um [..] den Abstand zwischen dem Betrachter und dem Bild aufzuheben, den Betrachter in das Bild hineinzuholen. So ist das Bild nicht mehr ein fremdes Gegenüber. Es entsteht so etwas wie ein Übergang vom Bildraum zu unserem gelebten Raum [..]'"
Walter Biemel, in: Begegnung mit Gerhard Hoehme, Ausst.-Kat. Düsseldorf 1992, S. 91.

Gerhard Hoehmes Gemälde mit Polyethylen-Schnüren sind keine Gemälde im klassischen Sinn, sie sind vielmehr Installationen, Raumkunstwerke, die von der Wand in die dritte Dimension ausgreifen. Hoehmes künstlerische Innovationskraft dieser Jahre ist faszinierend und einzigartig. Vielfältig sind Hoehmes Innovationen, die allesamt die Entgrenzung der Malerei aus den klassischen Formen des Tafelbildes zum Ziel haben. Hoehme hat dafür ab den 1960er Jahren mit umgedrehten Leinwänden, Schnittmusterbögen, Damast, Holz, Kabeln und immer wieder auch mit Schnüren gearbeitet. PVC-Schläuche und PE-Schnüre sind dabei bald zum charakteristischen Erkennungs- und Alleinstellungsmerkmal seiner Kunst geworden. Besonders schön ist der durchgehende Verlauf der PE-Schnur in der vorliegenden Arbeit, die vor allem in der Höhe weit über das Format der Leinwand ausgreift. Besonders ist hier darüber hinaus, dass Hoehme die Kunststoffschnur mit einer "shaped canvas", also einer nicht der klassischen Rechteckform entsprechenden Leinwand kombiniert. Gemeinhin gilt der Amerikaner Frank Stella als Erfinder der geformten Leinwand, da er bereits in der ersten Hälfte der 1960er Jahre beginnt, seine Leinwandformate der Form seiner "hard edge"-Bildinhalte anzupassen. In Deutschland gehören Gerhard Hoehme und Rupprecht Geiger zu den ersten Künstlern, die bereits Anfang der 1960er Jahre mit geformten Leinwänden zu experimentieren beginnen. In der mit leuchtend grünen Akzenten verlebendigten Arbeit "Jade weit her" hat Hoehme die Leinwand in der rautenähnlichen Form eines geschliffenen Schmucksteines geformt. Dazu passt auch die teils opak-pastellig gehaltene Farbigkeit, in der Hoehme sein dynamisch-abstraktes Liniengewirr Schicht für Schicht aufbaut. [JS]



131
Gerhard Hoehme
Jade weit her, 1986.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inklusive Aufgeld)