Auktion: 513 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 11.12.2020 in München Lot 19


19
Per Kirkeby
Dunkelheit III, 1990/91.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 75.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Dunkelheit III. 1990/91.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert "1990-91" und betitelt. 130 x 100 cm (51,1 x 39,3 in).

• Seltene kontrastreiche Komposition, die sich durch leuchtende rote, grüne und blaue Farbflächen auf dunklem, erdigem Grund auszeichnet
• Kirkebys Gemälde befinden sich unter anderem im Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, dem Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, und der Pinakothek der Moderne, München
• Einzelausstellungen u. a. im Museum Ludwig, Köln, in der Tate Modern, London, im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, im Museum Küppersmühle, Duisburg, und im Museum Insel Hombroich
.

PROVENIENZ: Galerie Michael Werner, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett, dort mit der Registriernummer PK 576/C).
Privatsammlung Baden-Württemberg (bis 2006, Ketterer Kunst 2.6.2006).
Privatsammlung Süddeutschland (seit 2006, Ketterer Kunst 2.6.2006).

LITERATUR: Ketterer Kunst, München, Auktion 300, 2.6.2006, Los-Nr. 41, mit Abb.

Per Kirkeby, der vor zwei Jahren in seiner Geburtsstadt Kopenhagen gestorben ist, gilt als der wohl international bekannteste dänische Künstler seiner Generation und einer der wichtigsten europäischen Zeitgenossen. Unnachahmlich ist der malerische Stil des studierten Geologen, der seinen einzigartigen Bildaufbau mit den folgenden Worten beschreibt: "Ich verstehe meine Gemälde als eine Summierung von Strukturen. Eine Sedimentation hauchdünner Schichten. […] Im Prinzip eine endlose Ablagerung. Doch es ist auffallend, dass die darunterliegende Struktur immer durchbricht, auch wenn eine neue Schicht ein ganz anderes Motiv und eine ganz andere Farbe hat.“ (zit. nach: Per Kirkeby, Ausst.-Kat. Tate Modern, London u. a., 2009/10, S. 10). Kirkebys Gemälde, die er oft an den Rändern beginnt, haben kein wirkliches Zentrum und verneinen jegliche Hierarchie der Bildelemente. Vielmehr scheint der Künstler bei ihrer Entstehung dem unvorhersehbaren Verlauf seiner Intuition zu folgen, der eine Komposition gleich einem Gedanken wachsen und entstehen lässt. Richard Shiff hat Kirkeby aus diesem Grund in seinem Beitrag im Katalog zur Ausstellung im Museum Kunst Palast und der Tate Modern 2009/10 als "umgekehrten Picasso" beschrieben. Anders als in Picassos analytischem Kubismus wird in Kirkebys Gemälden kein Gegenstand formal zerlegt und in seine Mehransichtigkeit aufgebrochen, sondern ein Gedanke wie auf einer Tafel oder einem Notizblock aus der Kombination von Einzelelementen niedergeschrieben. "Dunkelheit III" zeigt wunderbar Kirkebys kreatives Spiel mit Inspirationen aus der Natur und atmosphärisch verdichteten Landschaftseindrücken, die er vorrangig aus der nordisch-mystischen Natur gewinnt. Die der Natur entlehnten Strukturen wie Wasser, Bäume, Berge, Steine und Höhlen ergeben kein homogenes, perspektivisches Landschaftsbild, sie sind vielmehr flächig nach dem Prinzip des All-over-Paintings angelegt und lassen dadurch Raum für vielfältige Assoziationen. [JS]



19
Per Kirkeby
Dunkelheit III, 1990/91.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 75.000

(inkl. Käuferaufgeld)