Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 349


349
Fritz Winter
Zwischen Rot, 1965.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 93.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Zwischen Rot. 1965.
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Lohberg. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert und betitelt sowie mit einer gestrichenen Bezeichnung. 97 x 130 cm (38,1 x 51,1 in).

• Äußerst seltene Komposition aus der Werkreihe der Rechteck- und Reihenbilder, die eine kristallin leuchtende weiße Form ins Zentrum stellt.
• 2015 widmet die Pinakothek der Moderne, München, Fritz Winters Emanzipation und Dynamisierung der Farbe in der Malerei der 1960er Jahre eine eigene Ausstellung.
• Winter gilt seit seiner Beteiligung an der documenta I (1955) als einer der führenden Vertreter des deutschen Informel und der abstrakten Nachkriegsmoderne.
• Bereits seit den 1950er Jahren stellt Winter in den USA aus und ist dort u.a. in zwei Ausstellungen des Museum of Modern Art, New York, vertreten
.

Mit einer Foto-Expertise von Frau Dr. Gabriele Lohberg, Krefeld, vom 24.4.2021.

PROVENIENZ: Kleemann Gallery, New York.
Kunsthandel London (bis 1991, Ketterer Kunst 27.5.1991).
Privatsammlung Deutschland (seit 1991, Ketterer Kunst 27.5.1991).
Privatsammlung Italien.

LITERATUR: Ketterer Kunst München, 161. Auktion, Moderne Kunst, Ausgewählte Werke, 27.5.1991, Los 152B (mit ganzs. Abb.).
"Augenblicklich interessiert mich das Problem der Farbe allein."
Fritz Winter, 1964



Ausgebildet am Bauhaus in Dessau bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, gilt Winters abstrakte Malerei im Nationalsozialismus zunächst als "entartet", aber bald schon nach dem Krieg als absolut en vogue. 1949 gründet Fritz Winter u. a. mit Willi Baumeister und Rupprecht Geiger in München die "Gruppe der Gegenstandslosen", später "ZEN 49". Winters Rechteck- und Reihenbilder der 1960er Jahre überzeugen durch ihre leuchtende Farbigkeit und durch ihre flächige Struktur, die dem reinen Klang der Farbe Raum gibt. Während sich die Arbeiten der 1950er Jahre noch durch einen stärker linearen, gestischen Farbauftrag ganz im Stile des Informel auszeichnen, beginnen sich die Liniengefüge Winters in den 1960er Jahren zu kraftvollen Farbflächenstrukturen zusammenzuschließen und in ihren Konturen zunehmend zu verhärten. Allein aus der Akzentuierung der Farbwerte erhält die zweidimensional angelegte Komposition aus sich miteinander verzahnenden Farbflächen ihre Struktur und Tiefenwirkung: Leuchtendes tritt vor Gedecktes, das optisch eher in den Hintergrund rückt. Meist sind es die leuchtenden Primärfarben Rot und Blau, die sich optisch in den Vordergrund schieben und damit zu den Protagonisten der abstrakten Komposition werden. Selten hat Winter diese beiden Farbwerte jedoch darüber hinaus um ein kristallines Zentrum ergänzt, das durch seine semiopake Erscheinung der reflektierenden Oberfläche eines Edelsteines gleicht. Das sanft getupfte, opake Weiß mit seinen eisigen, hellblauen Akzenten zieht nicht nur die gesamte Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, sondern erinnert darüber hinaus auch an Winters abstraktes Frühwerk der 1930/40er Jahre, und dabei vor allem an seine berühmte Werkreihe "Triebkräfte der Erde" (1944), bei der stets eine kristalline weiße Form vor dunklem Grund das Zentrum der mystischen Komposition bildet. Durch die meisterliche Beherrschung seiner malerischen Mittel gelingt Winter eine einzigartige Dynamisierung der Farbe. Bereits in den 1950er Jahren stellt Winter mehrfach in New York aus und ist mit seiner Malerei 1955 und 1957 im Museum of Modern Art, New York, in den Ausstellungen "The New Decade" und "German Art of the 20th Century" neben Baumeister, Nay und Schwitters vertreten. 1959 folgt die Beteiligung an der documenta II in Kassel. Spätestens in den 1950er Jahren also ist Winter zu einem der führenden Vertreter des deutschen Infomel und der abstrakten Nachkriegsmoderne avanciert. Noch zu Lebzeiten bestimmt Fritz Winter den Übergang eines bedeutenden Teils seines künstlerischen Nachlasses in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Zuletzt zeigte 2018 die Pinakothek der Moderne, München, eine große Einzelausstellung des Künstlers und drei Jahre zuvor bereits die den berühmten Rechteck- und Reihenbildern gewidmete Ausstellung "Fritz Winter. Die 1960er Jahre – Jahrzehnt der Farbe" (2015). [JS]



349
Fritz Winter
Zwischen Rot, 1965.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 93.750

(inkl. Käuferaufgeld)