Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 72


72
Edward Theodore Compton
Gletscherplateau, 1906.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Gletscherplateau. 1906.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 60,5 x 110 cm (23,8 x 43,3 in).

• Imposantes, großformatiges Gemälde der unberührten Bergwelt.
• Compton gelingt es, Faszination und Gefahr der unwirtlichen Landschaft einzufangen.
• In der Reduktion der Farbigkeit auf die silbrigen Weiß-, Grau- und Blautöne von Schnee, Gestein und Wolken ungemein farbharmonisches Werk
.

Wir danken Frau Sibylle Brandes, Tutzing, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung New York (in den 1960er Jahren in Großbritannien erworben, seither in Familienbesitz).

Zu Comptons großartigsten Bildern gehören ohne Zweifel seine überwältigenden Gletscherpanoramen. Um 1906 ist der begeisterte Alpinist in den Walliser Alpen unterwegs und malt dort unter anderem am Gornergletscher im Monte-Rosa-Massiv. Schwindelerregend abschüssig und von tiefen Gletscherspalten durchsetzt, bildet die jahrtausendealte und meterdicke Eisschicht das zentrale Motiv des Gemäldes, in dem sich die Betrachter:innen unmittelbar im eisigen Hang wiederfinden. Hier entfaltet Compton sein ganzes variantenreiches malerisches Können: Im pastosen Auftrag mit dem Malmesser modelliert er in von weißen über leicht rosaviolett getönte bis hin zu türkisen und graublauen Nuancen die harsche Oberfläche und die schroffen Abbruchkanten, glatte Pinselstriche deuten rutschige Partien an. Kompositorisch geschickt setzt Compton Nahsicht gegen Fernsicht, wenn sich in der Weite hinter dem Gletscher ein tiefes, im Schatten liegendes Tal und dahinter wiederum in durchdachter Lichtregie eine sonnenbeleuchtete Bergspitze in die dunstigen Wolken erhebt. Seine Leidenschaft für die Berge ist einer Reise in die Schweizer Alpen Ende der 1860er Jahre zu verdanken. Im „Goldenen Zeitalter“ des Alpinismus der 1850er und -60er Jahre ist Compton ebenfalls von Entdeckergeist und sportlicher Herausforderung ergriffen, die ihm auch als Maler eine einzigartige Stellung verleihen. Immer auch als Dokumentation seiner eigenen Erfolge, Strapazen und Wagnisse sind seine Werke die ersten malerischen Interpretationen der unwirtlichen, bizarren Landschaft in großer Höhe, die jedoch anders als die ebenso bei solchen Expeditionen eingesetzte Fotografie über weit mehr Ausdrucksvermögen und persönliche Gestaltungskraft verfügen. Zu spüren ist in seinen Werken die Erhabenheit und Grandiosität dieser einzigartigen Landschaft, deren Schönheit mit Respekt und Achtsamkeit begegnet werden muss, da sie sich sonst innerhalb von Augenblicken gegen einen wendet. Als Mitglied, Zeichner und Illustrator des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins sowie des Royal Alpine Club konnte Compton leider nicht mehr miterleben, dass 2019 der Alpinismus - charakterisiert durch Eigenverantwortung, Solidarität mit anderen und Respekt vor der Natur - von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird. [KT]



72
Edward Theodore Compton
Gletscherplateau, 1906.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 18.000
Ergebnis:
€ 60.000

(inkl. Käuferaufgeld)