Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 351


351
Ernst Wilhelm Nay
Helle Akzente, 1956.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 200.000
Ergebnis:
€ 250.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Helle Akzente. 1956.
Öl auf Leinwand.
Scheibler 805. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert sowie auf dem Keilrahmen signiert, datiert und betitelt. 73,5 x 92 cm (28,9 x 36,2 in).

• "Scheibenbild" auf dem Höhepunkt der Werkserie in leuchtender Farbigkeit und luftigem Duktus.
• Schwebende Komposition, die meisterlich die Leichtigkeit der Aquarelle auf die Leinwand überträgt.
• Die Farbklänge der "Scheibenbilder" reichen von einer hellen bis hin zu einer fast schwarzen Palette und offenbaren in ihren Titeln häufig Nays Nähe zur Musik.
• Bereits 1957 sind Nays "Scheibenbilder" auf einer Ausstellung im Museum of Modern Art, New York, zu sehen.
• Arbeiten aus der Werkreihe der "Scheibenbilder" befinden sich in bedeutenden Museumssammlungen, wie u. a. dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York (1961), der Nationalgalerie Berlin (1957) und dem Städel Museum, Frankfurt a. M (1961)
.

PROVENIENZ: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. M. (1968).
Sammlung FER Collection, Ulm / Dr. Friedrich E. Rentschler (auf dem Keilrahmen mit dem Sammleretikett, 1968 vom Vorgenannten erworben - 1995, Sotheby's London 28.6.1995).
Privatsammlung Norddeutschland (1995 von Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: E. W. Nay, Galerie Der Spiegel, Köln, 19.3.-30.4.1957, Kat.-Nr. 16.
E. W. Nay, Galerie Günther Franke, München, 17.8.-30.9.1957, Kat.-Nr. 18 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 11. Katalog, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphik und Plastik des XX. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 11.4.-25.5.1968, Kat.-Nr. 76 (mit Abb.).

LITERATUR: Sotheby’s, London, Contemporary Art, Part I, 28.6.1995, Los 6 (mit Abb.).
"In der klassischen Zeit der Scheiben schweben diese Gebilde gleichsam schwerelos am Firmament der Malerei. [..] Am Beginn huscht die Farbe mit aquarellhafter Leichtigkeit durch den Bildraum; sie scheint die Leinwand fast nicht zu berühren [..]. In den klassischen Jahren der Scheiben war die immer vorhandene Nähe der Malerei Nays zur Musik, die sich ebenfalls in den Titel aussprach, ganz augenfällig und die Grenzen des Mediums überschreitend sichtbar geworden."
Siegfried Gohr, Ernst Wilhelm Nay, Der Beteiligte - Unbeteiligte, in: Retrospektive. Ernst Wilhelm Nay, Museum Ludwig, Köln 1990, S. 9-11.

Der Titel "Helle Akzente" beschreibt sehr treffend die positive Grundstimmung, die in der wunderbar leichten und leuchtenden Komposition ihren malerischen Ausdruck findet. Ernst Wilhem Nay gilt als Meister der abstrakten Malerei, für deren Entwicklung er spätestens seit den 1950er Jahren, sobald er jegliche figürlichen Elemente aus seinen Kompositionen verbannt, zentrale Impulse liefert. Dass Nay bald auch international als Protagonist der deutschen Nachkriegsmoderne wahrgenommen wird, belegt seine frühe Beteiligung an der Ausstellung "German Art of the Twentieth Century" im Museum of Modern Art, New York (1957). Es ist genau die Zeit, in der "Helle Akzente" aus der Werkreihe der "Scheibenbilder" entstanden ist. Aus dieser Werkreihe entstammen die wohl bekanntesten Werke im Œuvre des Künstlers, ohne die die späteren Werkreihen der "Augenbilder" und "Späten Bilder" nicht möglich gewesen wären. Anfänglich kombiniert Nay die runde, flächige Scheibenform noch mit linearen, grafischen Elementen, bevor er sie ab 1955/56 zum alleinigen Protagonisten seiner Kompositionen erklärt, die aus heutiger Sicht als die klassischen Werke dieser Periode gelten. Nay selbst hat seinen Weg zu den legendären Kompositionen der "Scheibenbilder" mit den folgenden Worten beschrieben: „So fing ich mit sehr harmlosen neuen Versuchen an und stellte fest: Wenn ich mit einem Pinsel auf die Leinwand gehe, gibt es einen kleinen Klecks, vergrößere ich den, dann habe ich eine Scheibe. Diese Scheibe tut natürlich auf der Fläche schon eine ganze Menge. Setze ich andere Scheiben hinzu, so entsteht ein System von zumindest farbigen und quantitativen Größenverhältnissen, die man nun kombinieren und weiterhin zu größeren Bildkomplexen zusammenbauen könnte“ (Magdalene Claesges, E. W. Nay. Lesebuch, Selbstzeugnisse und Schriften, Köln 2002, S. 226.). Weit ist das Farbspektrum, in dem Nay von hellen, transluziden Schöpfungen wie "Helle Akzente" ausgehend schließlich bis ins Jahr 1962 hinein seine "Scheibenbilder" entwickelt: Auf der einen Seite hat Nay die von Weiß und Hellgrau dominierte Komposition "Diamant" (1957) in der Staatsgalerie Stuttgart geschaffen und die Farbklänge seiner "Scheibenbilder" bis hin zu vorrangig schwarzen Kompositionen, wie etwa "Dunkler Klang" (1956, Museum Ludwig, Köln) oder "Grauzug" (1960, Museum moderner Kunst, Wien) durchmoduliert. "Helle Akzente" gehört zu den seltenen hellen, aus einem leuchtend-lasierenden Farbauftrag entwickelten Kompositionen, die neben den luftig gesetzten, hellen Farbakzenten den weißen Fond des Malgrundes aktiv in die Komposition mit einbeziehen und von Nays souveränem Umgang mit der Farbe zeugen. In der leichten, fast schwebenden Komposition von "Helle Akzente" ist es Nay meisterlich gelungen, die Leichtigkeit und koloristische Meisterschaft seiner Aquarelle auf die Leinwand zu übertragen. [JS]



351
Ernst Wilhelm Nay
Helle Akzente, 1956.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 200.000
Ergebnis:
€ 250.000

(inkl. Käuferaufgeld)